Männerfreundschaften, dieses Wort prägte einen wesentlichen Teil der Außenpolitik von Altkanzler Helmut Kohl (1982 – 1998).
Hand in Hand: Der ehemalige französische Staatspräsident Francois Mitterand (links) und Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl. Foto: dpa
Seine Männerfreundschaften mit Staatsmännern wie François Mitterrand, George Bush und – nach anfänglicher Fehleinschätzung – auch zu Michail Gorbatschow waren
mehr als die unter Adenauer begonnene Fortsetzung der deutsch-französischen Aussöhnung, mehr als die Dankbarkeit des deutschen Volkes gegenüber den Amerikanern. Sie sollten sich nach
dem Fall der Mauer auszahlen.
Was Adenauer nach dem Zweiten Weltkrieg mit Charles de Gaulle begonnen hatte, setzte Kohl nicht einfach so fort. Er intensivierte die Beziehungen zwischen beiden Ländern auf höchster
Ebene, in der Präsidenten- und Kanzleretage. Die Freundschaft des konservativen Christdemokraten mit dem Sozialisten Mitterrand benutzte auch Symbole: Das Bild vom Händedruck der beiden
über den Gräbern des Schlachtfeldes von Verdun im September 1984 ging um die Welt und ist als Symbol der Aussöhnung bis heute unübertroffen.
Freundschaft mit Bush
Die Freundschaft mit US-Präsident George Bush war auch mehr als Symbol der Dankbarkeit des deutschen Volkes für die Hilfe der Amerikaner beim Wiederaufbau: Kohl baute auf enge
persönliche Beziehungen in der wichtigen Achse USA-Frankreich-Deutschland – auch mit Blick auf den von ihm nie aufgegebenen Wunsch der Wiedervereinigung der Deutschen.
Als es dann 1989 soweit war, war das Verhältnis zu einem Dritten, dem damaligen Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow, eher schlecht. Im Gegenteil: Kohl hatte ihn einst mit
Goebbels verglichen. Ein krasser Fehler, zumal die Sowjetunion als Partner unverzichtbar war, wollte man den Traum der Wiedervereinigung realisieren. Dann kam es im Juli 1990 zum Treffen im
Kaukasus. Kohl, der gemütliche Freundesammler in seiner legendären Strickjacke, Gorbatschow ebenfalls in „casual“-Kleidung, die Ministerriege in Berufskleidung. Ein
Spaziergang, eine Bank, Gespräche, Lachen und dann die ungeheuere Nachricht vom Durchbruch: Die Sowjetunion widersetzt sich nicht weiter einer Loslösung ihres ehemaligen Vasallen DDR und
willigt damit in die Wiedervereinigung ein.
Großzügige Geschenke
Dass dabei auch großzügige Geschenke die Entscheidung unter Freunden bestärkt hatten, wurde eher kleingehalten: Deutschland hatte zuvor der Sowjetunion mit einem Kredit über
fünf Milliarden DM unter die Arme gegriffen und damit Gorbatschow bei seiner Wiederwahl geholfen.
Eine politische Leistung Kohls, die auf der Pflege von Männerfreundschaften beruht. Politischer Männerfreundschaften wohlgemerkt, die immer auf Absichten beruhten. Wahre Freundschaften
hingegen sind zweckfrei.
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