KULMBACH. Eigentlich sollten es nur Voruntersuchungen für die energetische Sanierung des Kulmbacher Rathauses werden. Dann kam die Überraschung: Das Rathaus ist an vielen Stellen marode.
Das Dach völlig ohne Dämmung, dafür aber mit Löchern, und immer wieder tragende Balken in schlechtem Zustand. Oberbürgermeister Henry Schramm Mitte), der mit Büroleiter Simon Ries (rechts) und Josef Kestel von der Städtebau die Schadstellen besichtigte, ist in Sorge um das Rathaus. Foto: Burger
„Stier bluß net no“ ist ein alter Spruch, an den sich Oberbürgermeister Henry Schramm vermutlich immer wieder erinnern wird in diesen Tagen. An neue Fenster und eine neue
Heizung sowie eine Dämmung des Dach war gedacht, als die Stadt ihren Antrag im Rahmen des Konjunkturpakets II für energetische Sanierung gestellt hatte. 450 000 Euro Zuschuss sind
bewilligt. Als die Voruntersuchungen für die angedachten Baumaßnahmen an dem historischen Rathaus abgeschlossen waren, kam die böse Überraschung: Das Rathaus ist an vielen
Stellen regelrecht marode, sogar die Statik ist nicht mehr ganz sicher.
Zwei Millionen Euro sind nötig, um das Denkmal am Marktplatz zu erhalten und auf den heutigen Stand der Technik zu bringen. Schramm ist schwer damit beschäftigt, das Geld für die
nötigen Sanierungsarbeiten aufzutreiben. Wenn alles gut geht, könnte es klappen, so viele Fördermittel aufzutreiben, dass die finanziell nicht auf Rosen gebettete Stadt es sich
leisten kann, die dringenden Sanierungsarbeiten an dem Rokoko-Rathaus baldmöglichst auf den Weg zu bringen.
Vor allem das Dach des Rathauses braucht eine Generalsanierung: „Ganze Teile der Dachkonstruktion fehlen, wie der Gutachter jetzt festgestellt hat. Die wurden einfach irgendwann mal
rausgeschnitten“, so Schramm und ergänzt, dass eben auch das Dach in keiner Weise gedämmt und sogar löchrig sei. Auch der Brandschutz ist in dem altehrwürdigen
Gemäuer nicht mehr gewährleistet, so der Oberbürgermeister: „Es gibt keine richtigen Fluchtwege, außer man springt aus dem Fenster.“
Doch das ist nicht alles: Das Tonnengewölbe im Erdgeschoss dürfte mit etwa 500 Jahren deutlich älter sein als das um 1752 errichtete Gebäude darüber. „Auf dieses
Gewölbe wurde der Rest des Rathauses gebaut. Da sind im Lauf der Jahre verschiedene handwerkliche Fehler gemacht worden. So wurden einfach Durchbrüche gemacht, ganze Balken wurden
entfernt und all das hat dem Gemäuer natürlich geschadet“, fasst Schramm zusammen.
Rat gibt grünes Licht
Der Oberbürgermeister fährt mit sorgenvoller Mine fort: „Da haben wir gedacht, wir nutzen das Konjunkturpaket II und bekommen so neue Fenster, eine neue Heizung und die Dämmung
und kriegen damit unser Rathaus wieder so hin, dass es die nächsten Jahrzehnte übersteht und jetzt sind rund zwei Millionen Euro nötig, wenn wir dieses historische Gebäude
sichern wollen und in Bezug auf die Statik und auch den Brandschutz auf einen aktuellen Standard kommen möchten.“ Als das Gutachten über den Zustand des Rathauses auf dem Tisch lag,
war guter Rat buchstäblich teuer: „Was machen wir? Diese Frage mussten wir uns stellen. Die energetische Sanierung ist nutzlos, wenn nicht die anderen Probleme im Vorfeld gelöst
sind. Alles andere wäre nur ein Kaschieren nach außen.“ Nach einer Beratung im Stadtrat erteilte dieser dem Oberbürgermeister grünes Licht, nach Zuschüssen zu suchen
und sprach sich grundsätzlich für die Sanierung des herausragenden Denkmals in der Stadt aus.
Knapp eine halbe Million ist aus dem Konjunkturpaket vorhanden. Jetzt versucht Schramm noch Geld aus dem Entschädigungsfonds, von Stiftungen, aus Städtebaumitteln und anderen Quellen zu
bekommen. Erste Gespräche seien bereits positiv gelaufen: „Man hat Verständnis. Schließlich handelt es sich bei unserem Rathaus um eins der ältesten Gebäude, das
fest zur Geschichte der Stadt gehört.“ Doch jetzt läuft die Zeit: Die Mittel aus dem Konjunkturpaket müssen 2011 abgerechnet sein, sonst werden sie verfallen.
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