THURNAU. Die Siebklässler dürfen nicht in Thurnau bleiben: Das Kultusministeriums hat nun mitgeteilt, dass die beantragte Sonderregelung, die künftige 7. Klasse der Hauptschule mit 14 Schülern – also einem Kind weniger als gesetzlich vorgeschrieben – laufen zu lassen, abgelehnt wurde. Eine griffige Begründung werde nicht geliefert, so Bürgermeister Dietmar Hofmann, der sich nun direkt an Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle wendet. Im Folgenden das Schreiben des Thurnauer Bürgermeisters in vollständiger Fassung.
Dunkle Wolken schweben über der Thurnauer Schule: Nur noch eine Hauptslasse kann im nächsten Schuljahr in der Gemeinde unterrichtet werden: Foto: Fölsche
Sehr geehrter Herr Staatsminister Dr. Spaenle,
die betrübliche Nachricht, dass die Hauptschule Thurnau für den Betrieb der künftigen 7. Klasse mit 14 Kindern keine Sondergenehmigung bekommt, haben wir erhalten. Ich empfinde dies
als einen heftigen Schuss vor den Bug, unser Hauptschulstandort wird vom Ministerium schlichtweg im Stich gelassen. Vor allem das Fehlen einer schlüssigen Begründung stößt sauer
auf.
Wir vor Ort baden die Unfähigkeit der Bayerischen Staatsregierung aus, eine zukunftsfähige Schulpolitik auf den Weg zu bringen. Anstatt mittel- und langfristige Konzepte anzudenken, wird
seit Jahren nur herumgedoktert. Man hangelt sich von Jahr zu Jahr und nimmt dabei stillschweigend Jahr für Jahr den Tod von Schulstandorten in Kauf – von Schulstandorten, in die –
wie im Fall Thurnau – in der Vergangenheit zum Teil Millionen investiert wurden.
Niemand versteht bei uns, warum in Hollfeld ein millionenschwerer Anbau geplant ist, während in den umliegenden Schulen mehr und mehr Räume frei stehen. Geld scheint in unserem Freistaat
offenbar ja da zu sein. Geld, das jedoch auf der anderen Seite fehlt, wenn es darum geht, mehr Lehrerstunden zu genehmigen oder kleinere Klassen zu bilden.
Besonders traurig ist für mich, aber auch für die Mitglieder des Marktgemeinderats über alle Parteien hinweg, unsere Schulverbandsversammlung, die örtliche Wirtschaft, mit der
wir ja erst kürzlich eine Ausbildungsplatzgarantie vereinbart haben, die Eltern und vor allem die direkt betroffenen Hauptschüler die Tatsache, dass im Kultusministerium nach wie vor die
räumliche Nähe zur Gesamtschule Hollfeld im Nachbarlandkreis Bayreuth in keinster Weise berücksichtigt wird. Es ist ja nicht so, dass es in Thurnau zu wenig Kinder gäbe –
im Gegenteil – unsere Geburtenzahlen sind seit Jahren stabil. Fakt ist aber, dass Jahr für Jahr eine komplette 5. Klasse nach Hollfeld abwandert. Von den aktuell 95 Viertklässern
bleiben gerade einmal zehn für die Hauptschule übrig. Wie Don Quixote kämpfen wir gegen solche Übertrittsquoten, von denen nur die hollfeld-nahen Schulen betroffen sind.
Wie Hohn klingt die Aussage des Abteilungsdirektors Dr. Brosig von der Regierung von Oberfranken, der in einem Schreiben an mich das „hervorragende schulische und pädagogische
Angebot“ der Gesamtschule Hollfeld lobt. Das bestreitet ja auch niemand. Die Gesamtschule genießt bei den Eltern völlig zu recht einen ausgezeichneten Ruf. Ich frage mich aber
schon, warum diese nachweisbar hervorragende Schulform im bayerischen Schulsystem dann nur eine Sonderstellung genießt, ansonsten aber nicht gewollt ist. Wo ist da die Logik? Und wie kann es
sein, dass andere Schulstandorte, die der normalen Schulgesetzgebung unterliegen, von solchen Sonder- und Ausnahmeformen klar benachteiligt werden?
Noch etwas ist uns Kommunalpolitikern in Thurnau und Kasendorf sauer aufgestoßen. Eine Zuweisung unserer Hauptschüler an die Max-Hundt-Schule war schnell beschlossen. Stempel drauf und
fertig. Aber wer hat sich Gedanken darüber gemacht, wie diese etwa 35 Kinder nach Kulmbach kommen und wieder nach Hause? Die Antwort ist einfach: Niemand. Die Bürgermeister selbst mussten
Initiative ergreifen und die Verhandlungen mit den möglichen Busunternehmen aufnehmen. Ob wir bis Mitte September eine vernünftige, von allen tragbare und auch finanzierbare Lösung
hinbekommen, steht momentan noch in den Sternen. Aber wir tun unser Bestes.
Sehr geehrter Herr Staatsminister,
Ihre Antwort ist für uns mehr als unbefriedigend.
Wir erwarten von Ihnen eine klare Begründung Ihrer Ablehnung. Wir erwarten einen wie auch immer gearteten Härteausgleich für die Nachteile, die uns durch die Nähe zu Hollfeld
entstanden sind. Wir erwarten ein klares, schlüssiges Konzept, wohin die Reise für die bayerische Schulpolitik geht. Wir erwarten dabei auch Lösungsansätze jenseits der
geplanten Mittelschul-Verbünde, die die Probleme gerade im ländlichen Raum unserer Meinung nach nur hinausschieben aber nicht lösen. Wir erwarten ein klares Wort, was eine
mögliche Zusammenarbeit von Thurnau und Hollfeld angeht. Eine solche Kooperation war meines Wissens von Ihrem Haus gegenüber meinem Waischenfelder Bürgermeisterkollegen bereits
einmal in Aussicht gestellt, dann aber von der Schulleitung in Hollfeld schroff abgewiesen worden. Kurzum: Wir erwarten Hilfe und Unterstützung.
Ich darf Sie abschließend ganz herzlich zu einem runden Tisch nach Thurnau einladen. Wir würden Ihnen gerne unsere top modern ausgestattete und baulich in erstklassigem Zustand
befindliche Schule vorstellen und mit Ihnen über alle angesprochenen Punkte diskutieren. Gerne bin ich aber auch bereit, zu einem persönlichen Gespräch nach München zu kommen.
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