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28.07.2010, 16:21 Uhr

 

Lernen mit Humboldt und von der Natur

GOLDKRONACH. „Learning from nature“ – Lernen von der Natur: Unter dieses Motto hatte Professor Dr. Vladimir Tsukruk seinen Vortrag anlässlich der ersten Humboldt-Lecture auf Schloss Goldkronach gestellt.

 

Sie machten die erste Humboldt-Lecture auf Schloss Goldkronach zu einem Erfolg: Staatssekretär Hartmut Koschyk, die stellvertretende Generalssekretärin der Alexander von Humboldt Stiftung, Dr. Gisela Janetzke, Professor Dr. Andreas Fery, Professor Dr. Vladimir Tsukruk mit Gattin und der Präsident der Universität Bayreuth, Professor Dr. Rüdiger Bormann (von links).
Sie machten die erste Humboldt-Lecture auf Schloss Goldkronach zu einem Erfolg: Staatssekretär Hartmut Koschyk, die stellvertretende Generalssekretärin der Alexander von Humboldt Stiftung, Dr. Gisela Janetzke, Professor Dr. Andreas Fery, Professor Dr. Vladimir Tsukruk mit Gattin und der Präsident der Universität Bayreuth, Professor Dr. Rüdiger Bormann (von links).
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Sie machten die erste Humboldt-Lecture auf Schloss Goldkronach zu einem Erfolg: Staatssekretär Hartmut Koschyk, die stellvertretende Generalssekretärin der Alexander von Humboldt Stiftung, Dr. Gisela Janetzke, Professor Dr. Andreas Fery, Professor Dr. Vladimir Tsukruk mit Gattin und der Präsident der Universität Bayreuth, Professor Dr. Rüdiger Bormann (von links).
Vladimir Tsukruk. Fotos: UBT
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Wie intensiv Tsukruk von der Natur lernt, davon konnten sich knapp 100 Zuhörer überzeugen, die der Einladung der Alexander von Humboldt-Stiftung, des Alexander von Humboldt Kulturforums Schloss Goldkronach und der Universität Bayreuth gefolgt waren.

Biologische Strukturen in ihrer Funktionsweise zu verstehen und sie künstlich nachzubauen: Das ist Bioinspiration - und das ist das bevorzugte Forschungsgebiet des internationalen Top-Wissenschaftlers Professor Dr. Vladimir Tsukruk, der als Humboldt-Preisträger in den vergangenen Monaten an der Universität Bayreuth forschte. Am Beispiel des blinden Höhlenfisches verdeutlichte Tsukruk jetzt bei seiner Humboldt-Lecture, wie er von der Natur lernt.
Höhlenfische erspüren mit gel-überzogenen Härchen feinste Strömungen im Wasser und orientieren sich auf diese Weise. Dieses Prinzip hat Vladimir Tsukruk (Bild) auf künstliche Systeme übertragen, die inzwischen fünfmal leistungsfähiger als ihr natürliches Vorbild sind. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig – ein Beispiel: Mit passiven Detektionssystemen lässt sich in der Schifffahrt das unter Umweltaspekten problematische Sonar vermeiden.

Tsukruks Abschiedsvorlesung

Sein Vortrag war für Vladimir Tsukruk zugleich eine Art Abschiedsvorlesung. Der Wissenschaftler, der mit Unterstützung der Alexander von Humboldt-Stiftung vom Georgia Institute of Technology an die Universität Bayreuth gekommen war, beendet seinen Aufenthalt in Bayreuth in diesen Tagen.

Zu Beginn der Humboldt-Lecture hatte der Hausherr auf Schloss Goldkronach, der Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk (CSU), vor Gästen aus Politik und Wirtschaft, aus Verwaltung, Universität und Universitätsverein auf Alexander von Humboldts Wirken als Modernisierer des Bergbaus in Goldkronach in den Jahren 1792 und 1797 hingewiesen. Im Mai 2008 hatte Koschyk gemeinsam mit einem Initiativkreis das Alexander von Humboldt Kulturforum gegründet. Dieses Forum hat sich auf die Fahnen geschrieben, an Humboldt und die für ihn glücklichen Jahre in Goldkronach zu erinnern. Die erste Humboldt-Lecture, so Koschyk, sei dafür eine geradezu ideale Plattform. Er hoffe, dass weitere Vortragsveranstaltungen dieser Art folgen werden.

„Der Forschungsraum ist längst global geworden – und das hat die Forschung deutlich bereichert“, erklärte der Präsident der Universität Bayreuth, Professor Dr. Rüdiger Bormamn, in seinem Grußwort. Die Universität Bayreuth sehe ihre weitere Internationalisierung als strategische Aufgabe, an der man mit Nachdruck arbeite. Um nachhaltig erfolgreich zu sein, setze die Universität eine Internationalisierungsstrategie um, die auf vier Eckpunkten beruhe:

„Die kollegiale Kooperation auf Arbeitsebene muss funktionieren“, so Bormann. „Denn sie ist häufig die Keimzelle für institutionelle Zusammenarbeit.“

Zudem müssten Forschungsstrukturen die Lehre einbeziehen – in der Praxis bedeute dies nicht zuletzt die Einrichtung von internationalen Graduate Schools. Wie gut diese funktionieren können, zeige das Beispiel der Bayreuther International Graduate School of African Studies (BIGSAS). „Diesen Weg wollen wir weiter ausbauen – auf dem Master- und PhD-Level, aber auch mit Joint Colleges und Double Degrees.“

Bayreuth mit guter Infrastruktur

Das International Office und das von der Alexander von Humboldt-Stiftung geförderte Welcome Centre für ausländische Wissenschaftler. Das Internationale Gästehaus und der Internationale Club: Die Universität Bayreuth verfügt bereits über eine gut ausgebaute Infrastruktur. An der, so Bormann, gelte es dennoch weiter zu arbeiten. Er unterstütze die Ansiedlung einer Internationalen Schule und hoffe künftig auf ein kooperatives Ausländeramt im Rathaus der Stadt Bayreuth.

„Am Ende geht es vor allem um die Menschen“, so der Universitätspräsident weiter. Der persönliche Austausch von Studierenden und Forschenden sei unerlässlich. Bormann würdigte ausdrücklich das Engagement des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes, der Goethe-Institute, der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit „und für die Universität Bayreuth in Sonderheit der Alexander von Humboldt Stiftung“. Die Universität Bayreuth habe in den vergangenen Jahren bei der Bewilligung von Stipendien und Preisen der in Bonn ansässigen Stiftung stets Spitzenplätze erreicht.

Insgesamt 72 Humboldtianer, Stipendiaten und Preisträger also, waren in den zurückliegenden fünf Jahren an die Universität Bayreuth gekommen. Darauf wies die stellvertretende Generalsekretärin der Alexander von Humboldt Stiftung, Dr. Gisela Janetzke, hin. In einem fairen Ranking, das die Zahl der Wissenschaftler einer Universität in Relation zu den Gastwissenschaftlern setze, gehörte die Universität Bayreuth demnach in allen Fachdisziplinen zu den Top Fünf der von der Stiftung unterstützten Hochschulen. Dies belege, dass die Universität Bayreuth mit ihrer Internationalisierungsstrategie auf dem richtigen Weg sei. Und: „Es ist durchaus eine Ehre für gastgebende Universitäten, wenn sich hochqualifizierte ausländische Wissenschaftler in diesem Maß für sie interessieren“, so Dr. Gisela Janetzke. Die Humboldt-Lecture bezeichnete die stellvertretende Generalssekretärin als einen „Volltreffer“, der den Vereinszweck des Alexander von Humboldt Kulturforums in bestem Sinne widerspiegele.

Professor Dr. Andreas Fery Inhaber des Lehrstuhls Physikalische Chemie I an der Universität Bayreuth, lobte ausdrücklich die Art, wie die Alexander von Humboldt Stiftung internationalen Austausch fördert: „Da wird unbürokratisch und performanceorientiert gearbeitet“, so Fery. „Das ist gut für die Forschung. Und das ist gut für uns.“ Fery hatte gemeinsam mit Professor Dr. Thomas Scheibel (Biomaterialien) Vladimir Tsukruk für einen Humboldt-Forschungspreis vorgeschlagen.


Hintergrund:
Die Alexander von Humboldt Stiftung ist eine Mittlerorganisation des Auswärtigen Amtes. Sie hat den Auftrag, die auswärtige Kulturpolitik durch internationale Forschungsförderung zu unterstützen. Mit Forschungsstipendien und Forschungspreisen können exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Deutschland kommen, um ein selbst gewähltes Forschungsprojekt mit einem Gastgeber und Kooperationspartner durchzuführen. Wissenschaftler aus Deutschland können mit Unterstützung der Stiftung im Ausland ein Forschungsprojekt als Gast bei einem von weltweit über 24.000 Humboldtianern, den Alumni der Humboldt-Stiftung, verwirklichen.





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