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27.07.2010, 17:18 Uhr

 

Bayreuther Mäzene verärgert über Festspielleitung

BAYREUTH. Zoff am "Grünen Hügel": Die Mäzene fühlen sich von den Wagner- Schwestern brüskiert. Die Festspielleiterinnen erschienen nicht zur Versammlung der "Freunde von Bayreuth", die dennoch weiter als "Geldbeschaffungsmaschine" für die Festspiele dienen werden.

 

Vorstand Wolfgang Wagner, Georg Freiherr von Waldenfels und Stephan Götzel von der Gesellschaft der Freunde (von links). Fotos:Karl Heinz Lammel
Vorstand Wolfgang Wagner, Georg Freiherr von Waldenfels und Stephan Götzel von der Gesellschaft der Freunde (von links). Fotos:Karl Heinz Lammel
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Vorstand Wolfgang Wagner, Georg Freiherr von Waldenfels und Stephan Götzel von der Gesellschaft der Freunde (von links). Fotos:Karl Heinz Lammel
Regisseur Hans Neuenfels hat am Dienstag ein neues Buch vorgestellt.
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Die Stimmung am "Grünen Hügel" ist gereizt. Mit Unverständnis und Buhrufen quittierten die Mäzene von Bayreuth am Dienstag, dass weder die beiden Festspielleiterinnen noch "Lohengrin"-Regisseur Hans Neuenfels an der Mitgliederversammlung der "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth" teilgenommen haben.

Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier begründeten ihre Absage mit gesundheitlichen Problemen - die eine hatte Nasenbluten, die andere Kreislaufprobleme. Neuenfels stellte zeitgleich sein neues Buch vor.

Mäzene finanzieren weiter

Ungeachtet dessen signalisierten die Mäzene ihre Bereitschaft, die dringend notwendige neue Probebühne mitzufinanzieren. Die Kosten betragen gut fünf Millionen Euro. Die "Freunde von Bayreuth" haben nach eigenen Angaben seit den 60er Jahren rund 55 Millionen Euro an Spenden und Mitgliedbeiträgen an die Festspielleitung überwiesen. "Das ist ein Zeichen unseres Engagements, und das wird auch so bleiben", versicherte der neue Vorsitzende Georg von Waldenfels ungeachtet der Dissonanzen. Noch deutlicher wurde der Tenor Manfred Jung. "Ohne die Mäzene gäbe es keine Festspiele mehr; das Festspielhaus wäre längst in sich zusammengebrochen."

Anhaltenden Beifall gab es für die wiederholt geäußerte Kritik, dass die Festspielleitung die langjährige Freundschaft heute nicht mehr so pflegt wie der im März gestorbene langjährige Festspielleiter Wolfgang Wagner. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Freunde, Heribert Johann, würdigte Wagner in einer Gedenkminute als die väterliche Kerngestalt für die Künstler und als Theaterprinzipal im wahrsten Sinne des Wortes. "Wir wurden alle von seiner Begeisterung für die Festspiele angesteckt; er hat unsere Herzen berührt", sagte Johann.

Der frühere bayerische CSU-Finanzminister von Waldenfels und der ehemalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) plädierten dafür, dass sich auch der Bund und der Freistaat Bayern an den Kosten für die Probebühne beteiligen. Auf Initiative der Freunde war zunächst ein städtebauliches Gesamtkonzept für die Neuordnung des Probenareals am "Grünen Hügel" erstellt worden. Diese große Lösung wurde aber wegen der geschätzten Kosten von mehr als 20 Millionen Euro schnell wieder zu den Akten gelegt.

Neuenfels freut sich über Inszenierungs-Reaktionen

"Lohengrin"-Regisseur Neuenfels nimmt die teils heftigen Abwehrreaktionen auf seine Bayreuther Inszenierung ernst. Er habe über die positiven Reaktionen ebenso gefreut wie über "die irre Resonanz" auf seine Arbeit, sagte der 69-Jährige bei seiner Buchvorstellung am Dienstag in Bayreuth. Er werde den beiden Festspielleiterinnen vorschlagen, Publikumsdiskussionen in Bayreuth zu arrangieren. "Denn trotz aller Eitelkeiten eines Künstlers ist das Publikum doch das Entscheidende. Das ist kein Anbiedern, sondern das lebenswichtige Fundament unserer Arbeit."

Zu seiner Inszenierung sagte Neuenfels: "Ich erzähle vor allem eine große Geschichte der Liebe, vom Wagnis der Liebe und der Frage nach der Identität eines Menschen, was Lohengrin zunächst verweigert." Sein erstes Fazit als Bayreuth-Debütant: "Hier ist ein großes Abenteuer möglich in einem Geist, der sogar die eingeschränkten Probenbedingungen noch einigermaßen rechtfertigt."dpa




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