Das Neue Schloss im Herzen Bayreuths. In Zelten stehen hier und da bereits Männer und Frauen in prächtigen Roben und trinken Sekt. 60 junge Menschen der Schule für Hotel- und
Tourismusmanagement Wiesau und der Hotelfachschule Pegnitz reichen den Ankömmlingen Antipastiteller, außerdem Pfifferlingssülze mit fränkischem Wasabi, Geflügellebermus mit
geräucherter Entenbrust, Forellenmus, Meeresfrüchte. Verkehrsminister Peter Ramsauer tritt auf, am Eingang wird man Blitzlichtgewitter und Beifall gewahr.
Eine Frau: Das ist aber spärlicher Applaus.
Ein Mann: Dann kann das nur Horst Seehofer sein, wenn die so wenig klatschen. (Beide recken die Hälse, um einen Blick auf die Politprominenz zu erhaschen, die nach der
Premiere zum Staatsempfang drängt).
Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl und seine Frau in einem Kleid aus fließendem, roten Stoff kommen den roten Teppich entlang, gleich dahinter Edmund Stoiber und Horst Seehofer,
jeweils mit Gattinnen, diese in apricotfarbenen Kleidern. Sie drängen mit weiteren Politikern auf ein Podest, durch ein rotes Band vom Volk getrennt. Fotografen knipsen
eifrig.
Eine Frau:(murmelt) Da sieht man ja gar nichts vor lauter Fotografen.
Joachim Sauer: (mischt sich, sich von seiner Frau Angela Merkel entfernend nach hinten tretend, unter die Menge. In der einen Hand ein Glas Wasser, in der anderen ein Glas Wein. Er trinkt
abwechselnd aus beiden.)
Eine Frau:(blickt verwundert zu Sauer)
Sauer: Ich mag keine faulen Kompromisse, deshalb schütte ich das Wasser nicht in den Wein. (Trinkt weiter abwechselnd aus beiden Gläsern.)
Reporter: Herr Sauer, wie hat Ihnen denn die Inszenierung gefallen?
Sauer: Das verrate ich Ihnen nicht.
Seehofer:(tritt ans Mikrofon, spricht hinein) Dieser „Lohengrin“ lässt keinen kalt! Wir haben heute eine der besten Premieren gehört. Der
„Lohengrin“ ist in mancher Hinsicht auch sehr mutig. Aber das gehört zu Bayreuth! Was wir heute gehört haben, war Weltspitze. Die Bayreuther Festspiele sind die
künstlerischen Kronjuwelen Bayerns. Wir wollen heute aber auch an die Angehörigen der Opfer von Duisburg denken und kurz innehalten für ein Gebet. (Stille) Ich danke Ihnen.
Ah, ich sehe gerade, die Bundeskanzlerin gibt mir ein Zeichen, ich soll abtreten. Dann mach’ ich das mal.
Ein Fotograf(versucht über die Absperrung zur Politprominenz zu klettern)
Ein Sicherheitsbeauftragter: Sie können hier nicht weiter.
Ein Fotograf: Aber ...
Ein Sicherheitsbeauftragter:(hebt das Bein des Fotografen zurück über die Kordel)
Zweiter Aufzug
Derselbe Schauplatz. Es ertönt Musik aus „Lohengrin“, dritter Akt, dritte Szene. Die Sicherheitskräfte bahnen den Künstlern einen Weg über den roten Teppich.
Unter ihnen Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner. Diese trägt in Anspielung auf den Schwanenritter schwarze Federn im Haar. Regisseur Hans Neuenfels fehlt. Es werden Rahmpfifferlinge mit
Klößen, Räucherlachs mit Reibekuchen, Wildragout, Sauerbraten gereicht. Beifall brandet auf.
Abgeordnete Ulrike Gote:(klatscht) Bravo! (Deutet auf Tenor Jonas Kaufmann, schwärmerisch) Er singt nicht nur fantastisch, sondern sieht auch fantastisch
aus!
Horst Seehofer:(tritt ans Mikrofon und spricht hinein) Wir erleben heute eine Welturaufführung. Zum ersten Mal spricht Kanzlerin Angela Merkel bei einem Empfang der
bayerischen Staatsregierung! (nach hinten ab)
Angela Merkel:(dankt wortreich allen Wagner-Generationen) Danke an Hans Neuenfels, der ein paar Buhrufe organisiert hat. (Ab)
Katharina Wagner:(tritt ans Mikrofon, weil sie mit Eva geknobelt hat, wer reden muss, und verloren hat) Ich wünsche Ihnen guten Appetit.
Fünf Japanerinnen:(lassen sich abwechselnd mit Schauspieler Sebastian Koch fotografieren, anschließend, breit lächelnd) Wir finden ihn so toll! Wir haben
ihn in „Das Leben der anderen“ gesehen. Er ist so toll! (kichern).
Jonas Kaufmann: (lässt sich ebenfalls mit fanatischen Fans fotografieren, kokettiert) Ich habe nicht zum letzten Mal in Bayreuth gesungen, wenn es nach mir geht. Aber jetzt
werde ich erst einmal sehr gemütlich feiern. Ich trink’ ein Bier und bekomme hoffentlich etwas zu essen. (Eilt den anderen Künstlern hinterher, die sich bereits in die oberen
Räume verzogen haben.)
Dritter Aufzug
Immer noch derselbe Schauplatz. Jedoch mit deutlich weniger Menschen, dafür mit viel schmutzigem Geschirr. Es werden noch Käse, Eis, Obst und Törtchen gereicht. Außerdem Kaffee.
Die Wagner-Schwestern mischen sich unter das Volk im Hoheitengärtchen.
Ein angeheiterter Gast:(ruft einem vorbeischreitenden Chorsänger nach, drängend) Herr Kaufmann, Herr Kaufmann! Ein Foto bitte!
Chorsänger:(pikiert) Ich bin nicht Herr Kaufmann.
(Allmählicher Anbruch des vollen Tages.)
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