BAYREUTH. Die Bayreuther Festspiele machen Ernst mit der Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte. Bei der Pressekonferenz im Vorfeld der gestrigen „Lohengrin“-Premiere gaben Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier bekannt, dass der Historiker und Journalist Peter Siebenmorgen gemeinsam mit Professor Wolfram Pyta vom Lehrstuhl Neuere Geschichte der Universität Stuttgart dieses Projekt leiten werden.
Siebenmorgen (Foto) betonte, dass seine bisherigen Erfahrungen mit der aktuellen Festspielleitung sehr positiv gewesen seien. Zwar habe auch er sich zunächst gefragt: „Meinen die das
ernst?“, mittlerweile sind die Wissenschaftler aber offensichtlich davon überzeugt, dass die Leitung der Festspiele Aufklärung suche. Er jedenfalls habe sehr viel Offenheit
gespürt, man sei sehr konstruktiv miteinander umgegangen. Zumindest für die Vorbereitungsphase stellte denn der Wissenschaftler Bayreuth auch ein gutes Zwischenzeugnis aus:
„Vorbildlich“ sei das, wie man an das Projekt herangehe.
Auf die Frage, wie dieses Projekt finanziert werde, betonte Siebenmorgen, dass man derzeit dabei sei, Anträge über Anträge („fast ein halbes Buch“) zu schreiben, um
Mittel an Land zu ziehen. Eines aber werde sicher nicht passieren: dass nämlich die Festspiele die wissenschaftliche Aufarbeitung bezahlen. Siebenmorgen gestern vor der Presse: „Wir
wollen genau wie die Festspielleitung jeden Zweifel vermeiden, dass wir in irgendeiner Abhängigkeit zu den Festspielen stehen könnten.“
In einem ersten Schritt sollen nun möglichst viele Materialien gesichtet werden – was laut Siebenmorgen nicht unbedingt ein leichtes Unterfangen sei, weil das Material „relativ
weit verstreut“ ist. Der Wissenschaftler kündigte in diesem Zusammenhang an, dass das Projektteam bei seiner Arbeit auf große Transparenz Wert lege. Und sich in Abständen auch
immer wieder an die Öffentlichkeit wenden werde.
Katharina Wagner schloss gestern vor den Medienvertretern bei der Frage, wer 2013, im Jahr des Wagner-Doppeljubiläums, den „Ring“ inszenieren werde, nicht aus, dass die vier Teile
der Tetralogie an vier verschiedene Regisseure vergeben werden könnten. Das sei eine „denkbare Variante“. Für diesen Fall kündigte „Lohengrin“-Regisseur Hans
Neuenfels schon mal vorsorglich an, gemeinsam mit Reinhard von der Thannen zum „Ring“-Quartett gerne einen Beitrag leisten zu wollen.
Neuenfels lobte bei der gestrigen Pressekonferenz Bayreuth ausdrücklich dafür, dass man sich ausschließlich – in großer Offenheit und Professionalität – um
das Werk Wagners und dessen „circensische Urform“ kümmere. Er empfinde die Vertiefung dieses Phänomens, diesen „dialektischen Aufprall“ auf „dieses
Kaff“ als sehr erfrischend: „Das ist Wagner“, frohlockte Neuenfels. Bühnen- und Kostümbildner Reinhard von der Thannen ergänzte, ganz ernsthaft: „Wenn man das
Theater mit einem Pferd gleichsetzt, dann ist Bayreuth der Vollbluthengst, das Rennpferd.“ Und: „Durch die lange Vorbereitungszeit wird hier eine Perfektion erreicht, die an anderen
Häusern schwer zu schaffen ist.“
Eva Wagner-Pasquier beteuerte, dass die Zusammenarbeit mit ihrer Schwester hervorragend klappe: „Wir haben uns als Team gefunden.“ „Bedingt durch den Generationsunterschied kommen
wir zu guten Ergebnissen“, lobte die 65-Jährige die Kooperation mit ihrer 32 Jahre alten Schwester. Auf die Frage, was sie nach dem Tod Wolfgang Wagners ändern beziehungsweise
bewahren wollten, sagte Wagner-Pasquier: „Es wird hier oben ganz sicher kein anderer Komponist als Richard Wagner gespielt.“
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