Vieles hat sich seit dem Einzug der Götter in Walhall ereignet. Fafner, der Besitzer des Ringes, hat sich in einen Drachen verwandelt und bewacht - fern von der Götterburg in einer Höhle - den Nibelungenhort. Alberich sinnt weiterhin auf Rache und hat mittlerweile einen Sohn gezeugt. Dieser, Hagen, soll ihm helfen, den Ring zurück zu gewinnen.
Foto: Lammel
Tief beunruhigt über die Weissagung des Untergangs der Götter ist Wotan, um mehr über die Zukunft zu erfahren, zu Erda hinabgestiegen. Sie gebar ihm die Walküre Brünnhilde,
die mit ihren acht Schwestern gefallene Helden von den Schlachtfeldern nach Walhall bringen und dort zu einem Heer versammeln soll, das Wotan gegen seine Feinde schützt.
Da er selbst nicht in den Besitz des Ringes gelangen kann, ohne die Verträge zu brechen, auf die seine Herrschaft sich gründet, zeugte Wotan, in der Hoffnung auf einen Helden, der ohne
Götterhilfe aus eigenem Willen den Ring erwirbt und den Rheintöchtern zurückgibt, das Geschlecht der Wälsungen: die Zwillinge Siegmund und Sieglinde. Diese lebten mit ihrer
Mutter einsam im Wald. Als Siegmund einst vom Kampf heimkehrte, fand er die Hütte zerstört, die Mutter erschlagen und die Schwester geraubt.
Erster Aufzug
Von Feinden verfolgt, sucht Siegmund während eines wilden Gewittersturmes Zuflucht in der Hütte Hundings. Sieglinde, Hundings Frau, erfrischt den Erschöpften und fasst sofort tiefe
Zuneigung zu ihm. Als Hunding heimkehrt und den Fremden nach Namen und Herkunft befragt, erkennt er in ihm bald den Todfeind seiner Sippe. Das Gastrecht achtend, gewährt er ihm Unterkunft
für die Nacht, fordert ihn jedoch für den nächsten Tag zum Zweikampf.
Alleingelassen - Sieglinde musste Hunding zur Nachtruhe folgen - erinnert sich Siegmund, der seine Waffe im Kampf verlor, dass sein Vater ihm einst ein Schwert verhieß, das er finden werde,
wenn er in höchste Not gerate. Sieglinde hat ihren Mann unterdessen mit einem betäubenden Trank in tiefen Schlaf versetzt, kehrt zu Siegmund zurück und zeigt ihm ein Schwert im Stamm
der Esche, um die das Haus gebaut ist. Sie erzählt, dass bei ihrer traurigen Hochzeit, zu der sie von Hunding gezwungen wurde, plötzlich ein Greis eingetreten sei, das Schwert bis zum
Heft in den Baum gestoßen und demjenigen zugedacht habe, der es herauszieht. Siegmund und Sieglinde erkennen sich als Geschwister und verfallen einander zugleich in leidenschaftlicher Liebe.
Triumphierend reißt Siegmund das Schwert aus der Esche und stürmt mit seiner Schwester und Geliebten in die Frühlingsnacht hinaus.
Zweiter Aufzug
Wotan gibt Brünnhilde den Auftrag, Siegmund im Kampf gegen Hunding beizustehen. Fricka jedoch, Hüterin der Ehe, fordert dessen Tod als Sühne für den doppelten Frevel des
Wälsungenpaares: Ehebruch und Inzest. Vergeblich sucht Wotan seinen Sohn vor Fricka zu verteidigen und behauptet, Siegmund handle aus eigenem Willen. Doch Fricka durchschaut ohne Mühe,
dass Siegmund nicht der freie Held ist, für den Wotan ihn ausgibt, sondern bloß dessen Werkzeug, bezichtigt ihren Mann des Selbstbetruges und zwingt ihn, seine Entscheidung zu
widerrufen. In tiefer Verzweiflung befiehlt er Brünnhilde, Siegmund ihren Schutz zu entziehen. Sie trifft die Geschwister auf ihrer Flucht vor Hunding bei einer Rast im Wald und
verkündet, wie Wotan befahl, Siegmund den Tod. Überwältigt von der Liebe des Paares beschließt Brünnhilde jedoch, sich Wotan zu widersetzen und Siegmund zum Sieg über
Hunding zu verhelfen. Voll Zorn über den Ungehorsam Brünnhildes greift Wotan selbst in den Kampf ein und lässt Siegmunds Schwert an seinem Speer zersplittern. Siegmund fällt,
von Hunding getroffen; dieser wird von Wotan niedergestreckt. Brünnhilde rafft hastig die Schwertstücke zusammen und wendet sich vor Wotans Rache mit Sieglinde zur Flucht.
Dritter Aufzug
Vergeblich bittet Brünnhilde die Walküren, sie vor Wotans Wut zu schützen. Bevor dieser erscheint, rät sie Sieglinde, in Fafners Wald zu fliehen, wo sie vor Wotan sicher ist.
Brünnhilde übergibt ihr das zerbrochene Schwert Siegmunds, das sie für Siegfried, den sie gebären wird, aufheben soll, und erwartet ihre Strafe. Wotan nimmt ihr die Gottheit,
verbannt sie aus Walhall und will sie in tiefen Schlaf versenken. Auf Brünnhildes Flehen, sie nicht dem ersten Mann zu überlassen, der sie schutzlos am Wege findet, lässt Wotan sich
jedoch bewegen, den Felsen, auf dem sie schläft, mit einer Feuerlohe zu umgeben, die nur der mutigste Held zu durchschreiten vermag. Tief erschüttert nimmt Wotan Abschied von seinem
Lieblingskind.
Florian Zinnecker
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