Der Gralskönig Amfortas, der an einer schmerzenden Wunde dahinsiecht, wird von seinem Gefolge an einen Waldsee gebracht. Als der alte Gralsritter Gurnemanz bemerkt, wie Kundry, die gerade mit
einem für Amfortas bestimmten Heilbalsam herbeigeeilt ist, von zwei Knappen grundlos beschimpft wird, greift er beschwichtigend ein und erklärt ihnen die geheimnisvollen
Zusammenhänge, die zum anscheinend nicht heilbaren Leiden des Gralskönigs geführt haben: Einst waren Titurel, dem Vater Amfortas', himmlische Boten erschienen und wiesen ihm die
Lanze, mit dem der Kriegsknecht die Seite des Heilands geöffnet hatte sowie den heiligen Gral zu, jene Schale, aus der Jesus beim letzten Abendmahl getrunken hatte und in der das Blut
aufgefangen wurde, das dem Gekreuzigten aus seiner Wunde floss. Um die Heiligtümer zu schützen, errichtete Titurel die Burg Monsalvat und versammelte dort eine Ritterschar, die, im Geiste
strenger Keuschheit lebend, seither ihren Dienst für den Gral versieht, denn nur wer der sinnlichen Liebe zu entsagen vermag, erwirbt die Würde, den Gral zu finden, seiner Wunderkraft
teilhaftig zu werden, dessen Weisungen zu erkennen und diese ausführen.
Nach sündigem Lebenswandel wollte auch Klingsor in den Kreis der Ritter aufgenommen werden, wurde jedoch verächtlich abgewiesen, weil er, um dem Keuschheitsgebot des Grals zu
genügen, sich selbst entmannt hatte. Aus Rache errichtete Klingsor in einer Wüste nahe der Gralsburg ein Zauberschloss, umgeben von einem üppigen Blumengarten, wo schöne
Mädchen den Gralsrittern auflauern und viele schon zum Bruch ihres Gelübdes verführt haben.
Auch Kundry verfiel der Macht Klingsors und wurde zum Werkzeug seiner Rache. Sie hatte einst die Reinheit des leidenden Heilands verhöhnt. Sein Blick weckte zwar Reue in ihr, doch
unfähig, ihrem Verlangen nach sinnlicher Lust zu entsagen, irrte sie weiter ruhelos durch die Welt. Nur wer ihrer Schönheit und Verführung widersteht, vermag sie von ihrem Fluch zu
erlösen. Voller Selbsthass und Verzweiflung verrichtet sie, in eine Gestalt von abstoßender Hässlichkeit verwandelt, auch Dienste für die Gralsritter, ohne sich jedoch der
Gewalt Klingsors entziehen zu können.
Als Amfortas die Herrschaft auf Monsalvat übernahm, zog er mit den Rittern in Klingsors Reich, um dessen verhängnisvollem Treiben ein Ende zu machen, doch auch der Gralskönig erlag
der Verführung. Klingsor raubte Amfortas den heiligen Speer und schlug ihm damit jene Wunde, die sich seither nicht schließen will. Nach Weissagung des Grals - so schließt
Gurnemanz seinen Bericht - müsse Amfortas auf die Erlösung von seinen Schmerzen warten, bis ein reiner, durch Mitleid wissend gewordener Tor den heiligen Speer zurückbringe.
Plötzlich entsteht ein Tumult. Ritter und Knappen bringen Parsifal herbei, der mit seinem Bogen einen Schwan erlegt hat. Auf Gurnemanz' vorwurfsvolle Belehrung, dass er sich im Gebiet des
heiligen Grals befinde, wo Tiere nicht getötet werden dürfen, zerbricht Parsifal reumütig seine Waffe. Als Parsifal nicht zu sagen vermag, wer er sei, woher er komme und wie sein
Vater heiße, glaubt Gurnemanz, den vom Gral angekündigten Toren vor sich zu haben, macht sich mit ihm auf den Weg zur Burg, wo der Gral enthüllt werden soll, und ermuntert Parsifal,
aufmerksam zu verfolgen, was sich dort ereignen würde.
Amfortas weigert sich, als Sünder des heiligen Amtes zu walten, und will, um seine Leiden zu beenden, lieber sterben, als durch den Anblick des Grals wieder neue Lebenskraft zu erhalten, gibt
jedoch schließlich dem Drängen der Ritter und Titurels nach und enthüllt die heilige Schale. Staunend, doch ohne zu begreifen, schweigt Parsifal zu allem, was er sieht.
Enttäuscht und verärgert weist Gurnemanz ihn aus der Burg.
Zweiter Aufzug
Klingsor sieht, als er in einem Zauberspiegel das Herannahen Parsifals gewahrt, die Gelegenheit gekommen, endlich sein Rachewerk zu vollenden. Er ruft Kundry herbei und befiehlt ihr, den reinen
Toren zu verführen. Parsifal ist in den Zaubergarten eingedrungen, widersteht jedoch lachend den Liebkosungen und zärtlichen Verlockungen der Blumenmädchen. Plötzlich hört
er seinen Namen. Kundry erscheint in betörend schöner Gestalt, schickt die Mädchen fort und gewinnt Parsifals Vertrauen, indem sie ihm von seiner Herkunft und Kindheit erzählt.
Als Parsifal erfährt, dass seine Mutter starb, weil er sie verließ, empfindet er zum ersten Mal ein Gefühl tiefer Schuld und sinkt vor Schmerz und Trauer überwältigt zu
Kundrys Füßen nieder. In dem Glauben, ihr Ziel fast schon erreicht zu haben, verheißt sie ihm Tröstung durch die Liebe. Parsifal erkennt jedoch, als Kundry ihn umarmt und
küsst, plötzlich den Zusammenhang zwischen der in ihm erwachten Leidenschaft und dem Siechtum des Amfortas. In jähem Bewusstsein seiner Erlösungsmission stößt
Parsifal Kundry zurück. Sie verflucht ihn und ruft Klingsor zu Hilfe. Der schleudert den heiligen Speer nach Parsifal, doch die Waffe bleibt über dessen Kopf schweben. Er ergreift den
Speer und schlägt mit ihm ein Kreuz. Klingsors Macht ist gebrochen; sein Schloss und der Zaubergarten versinken.
Dritter Aufzug
Jahre sind verstrichen. Alt und entkräftet, da Amfortas, um das Ende seiner Leiden herbeizuzwingen, schon lange nicht mehr den Gral enthüllt hat, warten die Ritter in Monsalvat noch immer
vergeblich auf den verheißenen Erlöser. Titurel ist gestorben und Gurnemanz, der greise Gralsritter, hat sich in eine Einsiedelei zurückgezogen. Am Morgen eines Karfreitags:
Gurnemanz folgt einem dumpfen Stöhnen in der Nähe seiner Hütte und findet Kundry, die wie tot unter einem Gestrüpp liegt. Es gelingt ihm, sie ins Leben zurückzuholen. Ihre
frühere Wildheit ist von ihr gewichen, und sie hat nur noch das Verlangen, in Demut zu dienen. Plötzlich erscheint ein schwarz gewappneter Ritter mit geschlossenem Visier und einem Speer
in der Hand. Als er auf Gurnemanz' Ermahnung, dass es sich nicht zieme, auf geheiligtem Boden und dazu am Karfreitag Waffen zu tragen, Helm und Panzer ablegt, erkennt Gurnemanz in ihm den
törichten Jüngling von einst, der jetzt nach langer Irrfahrt den Gral wiedergefunden hat und den heiligen Speer zurückbringt.
Kundry kniet vor Parsifal nieder, wäscht seine Füße und trocknet sie mit ihrem Haar. Darauf salbt Gurnemanz ihn zum Gralskönig und Kundry empfängt von Parsifal die heilige
Taufe. Gemeinsam machen sie sich sodann auf den Weg nach der Burg Monsalvat, wo zur Totenfeier für Titurelder Gral enthüllt werden soll. Abermals will Amfortas sein Amt nicht verrichten
und fleht die Ritter verzwei¬felt an, sein Leben mit dem Schwert zu beenden. Unbemerkt tritt Parsifal hinzu und berührt mit dem Speer die Wunde, die sich sogleich schließt. Als er
den Gral enthüllt, sinkt Kundry entsühnt zu Boden und stirbt. Die Ritter huldigen ihrem neuen König, der verkündet, dass der Gral künftig nicht mehr verschlossen sein
soll.
Florian Zinnecker
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