12.07.2010, 16:36 Uhr
KEMNATH. Eine tolle Überraschung hatten sich Konrektor Josef Teufel und Realschullehrer Joachim Marek für den Abschluss des Festakts zum 60-jährigen Bestehen der Kemnather Realschule ausgedacht. Um einen möglichst prägnanten Eindruck aus der Entstehungszeit der Schule zu vermitteln, befragten sie unter dem Motto „aus dem Schulleben geplaudert“ als „Zeitzeugen“ zwei Pensionisten, die sie als Gäste zu der Feier eingeladen hatten.
Zusammen mit dem pensionierten Realschullehrer Hans Richter nahm Josef
Teufel in einer alten Schulbank Platz. Hans Richter ist ein Mann der allerersten Stunde. Er war einer der 48 Schüler, die im Herbst 1950 ihr Schülerdasein an der neu gegründeten
„Kemnather Mittelschule“ begannen. Dass er 1971 als Lehrer an die Kemnather Realschule zurückkehren konnte, empfindet er heute noch als besonderen Glücksfall.
„Der Schulbetrieb an der Kemnather Mittelschule begann am 17. Oktober 1950 in einem provisorischen Schulraum, nämlich der ehemaligen Garage des Kemnather Fuhrunternehmers Eugen Zeitler
in der Erbendorfer Straße“, begann Richter seine Erzählung, „das Mobiliar bestand aus geliehenen Wirtshaustischen und –stühlen.“
Pavillonsystem
Weil die Raumfrage das vordinglichste Problem war, beschlossen Vertreter des Landratsamtes, des Stadtrates und der Volksschulen in Kemnath noch im gleichen Monat, ein ebenerdiges Gebäude
nach dem Pavillonsystem zu errichten, das nach und nach erweitert werden konnte. „Im zweiten Schuljahr wurden bereits drei Räume für zwei Knaben- und eine Mädchenklasse
benötigt“, erinnerte sich Richter.
„Das Schulleben an der Kemnather Mittelschule war in den fünfziger Jahren geprägt durch einen 24-stündigen Unterricht in den Kernfächern, die zusätzlichen acht
Sunden in den Wahlpflichtfächern wie Rechnen, Buchführung, Kurzschrift, Maschinenschreiben und durch Wahlfächer wie Zeichnen oder Geigenunterricht, den Hermine Müller
erteilte“, berichtete der ehemalige Realschullehrer. Direktor Sorgner, er immer um den guten Ruf der Schule besorgt war, führte in den 60er Jahren eine spezielle
Unterrichtsviertelstunde mit dem Namen „Der gute Ton“ ein. In diesem „Fach“ gab es zwar keine Noten, aber die Schüler lernten, wie sie sich in der guten Gesellschaft
zu benehmen hatten.
„Natürlich gab es damals keine Schulbusse“ wusste Richter aus eigener Erfahrung zu berichten, „die Realschüler mussten den oft sehr langen Schulweg entweder zu
Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.“
Hosen standen vor Dreck
„Als Schulkleidung trugen wir Buben braune Lederhosen“, schmunzelte Hans Richter, „die waren so steif, dass sie abends beim Ausziehen vor dem Bett stehen blieben.“
Die neue Damenmode wie Petticoats oder später die Miniröcke, bereitete in den 60er Jahren nicht nur den Realschullehrern Kopfzerbrechen. Wie die Pädagogen an anderen Schulen,
führten sie einen verzweifelten Kampf gegen schädliche Einflüsse von außen und die angebliche Verwahrlosung der Jugend. Comics galten als Schmutz- und Schundliteratur, die den
Schülern erbarmungslos abgenommen wurden.
Als zweiter Zeitzeuge wurde Werner Höppel befragt. Der bewarb sich 1963 um eine Planstelle in dem „bayerischen Sibirien“ wie die nördliche Oberpfalz früher
verächtlich genannt wurde. „Aber mir gefiel es hier sehr gut“ bekannte der Realschullehrer, der 1979 Konrektor geworden war und von 1990 bis 1997 die Schulleitung übernommen
hatte.
Auch er plauderte sehr unterhaltsam aus dem Nähkästchen und würzte die Entwicklung der Kemnather Realschule mit humorvollen Anekdoten.
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