06.07.2010, 17:13 Uhr
Von Christian Martens und Ulrike Sommerer
BAYREUTH. „Ich würde auch Deutschland den Sieg gönnen“, sagt Pedro Martinez Garcia, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Bayreuth, sportlich fair.

Die Flagge kommt raus
Das Spiel schaut sich der 27-Jährige aus Valladolid in der Region Kastilien mit seiner Frau, spanischen und deutschen Freunden in einem Café oder in einer Kneipe in der Innenstadt an.
Ein rot-gelbes Trikot seiner Elf trägt er nicht, aber: „Ich habe eine Flagge. Die packe ich alle zwei Jahre aus.“
Martinez bezeichnet sich selbst nicht als Fußballfan. Dennoch: Die Spiele der spanischen Mannschaft und die großen Auftritte des FC Barcelona verfolgt er schon. Das Geheimnis des
Erfolgs der Spanier sieht er in der mannschaftlichen Geschlossenheit. Natürlich gebe es eine Reihe internationaler Topspieler, doch einen Star wie etwa Messi bei Argentinien, um den sich
alles dreht, gebe es nicht.
Ähnliche Spielweise
Die deutsche und die spanische Elf spielen einen ähnlichen Stil, sagt Martinez. Spanien versuche den Ball mit schnellem Passspiel in den eigenen Reihen zu halten. Geprägt sei das Spiel
von den zahlreichen Spielern, die beim FC Barcelona unter Vertrag stehen. Den Ursprung der erfolgreichen Spielweise verbindet er mit dem Holländer Johan Cruyff, der 1974 als Spieler mit
Barcelona Meister wurde und als Trainer Anfang der 90er Jahre große Erfolge feierte. „Deswegen wäre ein Finale Spanien gegen Holland toll“, sagt Martinez.
Früher habe Spanien gute Klubs und eine gute Liga gehabt, aber das Spiel der Nationalmannschaft habe Wünsche offen gelassen, meint Martinez, der seit 2005 am Bayreuther Lehrstuhl
für Geschichte der Frühen Neuzeit arbeitet. Das habe sich seit ein paar Jahren und spätestens seit dem Europameistertitel 2008 geändert. Auch das deutsche Team demonstriert
mannschaftliche Geschlossenheit, spielt schnell und attraktiv. Aber: „Spanien gewinnt. Wir haben mit der Spielweise mehr Erfahrung“, lacht Martinez und er weiß genau: „Es
ist doch nur Fußball.“
Das Herz schlägt spanisch
Der spanische Teil des Herzens von Dolores Longares-Bäumler wird Mittwochabend ein bisschen schneller schlagen. Die Halbspanierin ist bei der Caritas zuständig für Migrationsberatung. Und am Mittwoch ein bisschen mehr Spanierin, als Deutsche.
Dolores Longares-Bäumler beschreibt das „komische Gefühl“, das sie hat, wenn im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft die spanische auf die deutsche
Nationalmannschaft treffen wird. Auch wenn sie sich sonst als Deutsche fühlt – sie ist in Deutschland geboren und in Deutschland aufgewachsen –, bei sportlichen Ereignissen
gewinnt die spanische der beiden Seelen in ihrer Brust.
Deshalb wird sie am Mittwoch auch vorbereitet zum Fußball-Gucken bei Freunden erscheinen: In spanischem Shirt und mit spanischer Flagge. Letztere liege längst in ihrem Auto bereit und
lässt ihren salomonischen Wunsch („möge der Bessere gewinnen“) ein klitzekleines Bisschen unglaubwürdig klingen ...
Tipp: Verlängerung
Zu einem endgültigen Tipp lässt sie sich dann aber auch nicht hinreißen. Ihre Vermutung: Nach einem 2:2 gibt es Verlängerung und dann gewinnt der Bessere. „Wenn wir
verlieren“ – und mit „wir“ meint sie Spanien – „dann wird Deutschland Weltmeister.“
Longares-Bäumler pflegt ihre spanischen Wurzeln. Zweisprachig aufgewachsen beherrscht sie die Sprache. Das kommt ihr bei der Migrationsberatung zugute. Und einmal pro Jahr reist sie nach
Spanien „um auch diesen Teil von mir zufrieden zu stellen. Ich liebe dieses Land und ich brauche diese Sprache.“
Dann schmunzelt sie: „Ich komme am Mittwoch jedenfalls ganz sicher auf meine Kosten.“ Denn ob nun Deutschland oder Spanien gewinnt – Dolores Longares-Bäumler gehört in
jedem Fall zu den Siegern.
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