14.04.2010
BAYREUTH. Musik ist ihr Leben, Musiktheater ihre Passion: Eva Wagner-Pasquier, älteste Tochter des am 21. März verstorbenen Wolfgang Wagner, feiert am heutigen Mittwoch ihren 65. Geburtstag.
Während andere in diesem Alter ihrem Rentenbescheid entgegenfiebern, hat Eva Wagner-Pasquier gerade erst eine Mammutaufgabe übernommen: Gemeinsam mit ihrer Halbschwester Katharina (32) ist die international agierende Musikmanagerin vom Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele am 1. September 2008 zur gleichberechtigten Leiterin der Bayreuther Festspiele berufen worden. Kurios: Bereits im Jahre 2001 war sie schon einmal als künftige Festspielleiterin auserkoren worden. Mit 22:2 Stimmen votierte seinerzeit der Stiftungsrat für Wagner-Pasquier als am besten geeignete Nachfolgerin Wolfgang Wagners. Allein: Ihr Vater, seinerzeit noch im Besitz eines lebenslang gültigen Vertrags als Festspielleiter, lehnte dieses Votum ab. Und weil Wolfgang Wagner nicht weichen wollte, kam seine Tochter nicht zum Zuge.
Festspiele = Familienalltag
Für Eva Wagner-Pasquier, geboren kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in Oberwarmensteinach, wohin die Familie Wagner aufgrund heftiger Luftangriffe auf Bayreuth umgezogen war, war das
Unternehmen Festspiele nie ein Fremdkörper, sondern Teil ihrer Jugend. Die Scheune am Hügel gehörte fast schon zum Familienalltag. Weshalb Eva Wagner auch mithalf, wo Hilfe
gebraucht wurde. Und so immer mehr Einblicke in die Abläufe dieses außergewöhnlichen Kulturunternehmens gewann. So wirkte sie beispielsweise auch beim späteren
„Jahrhundert-Ring“ mit, indem sie sich der Probenplangestaltung annahm und um Besetzungsfragen kümmerte. Auch die Entdeckung des Startenors Peter Hofmann wird ihr
zugeschrieben.
Im Jahre 1976 folgte ein jäher Einschnitt in der mittelfristigen Wagner’schen Unternehmensplanung. Aufgrund der Trennung des Vaters von Eva Wagners Mutter Ellen Drexel
(1919–2002) und der im gleichen Jahr folgenden Hochzeit mit Gudrun Mack (1944–2007), die bis dahin im Pressebüro der Festspiele arbeitete, kam es zum Bruch zwischen Vater und
Tochter. Eva Wagner erkannte, dass sie unter den neuen Umständen keine Zukunft mehr haben würde – und zog von Bayreuth weg. Allerdings blieb sie ihren Schwerpunkten Musik und
Theater treu. Zunächst als Assistentin von August Everding oder Otto Schenk, später als Mitarbeiterin der Firma Unitel, für die sie zahlreiche Opern- und Konzertfilme betreute.
Unterwegs in der Opernwelt
Weitere Schritte auf der Karriereleiter: 1984 wurde die Wagner-Urenkelin Direktorin am Opernhaus Covent Garden in London, 1987 erfolgte die Ernennung zur Programmdirektorin der Pariser
Bastille-Oper. Zudem war Wagner-Pasquier künstlerische Beraterin des Festivals in Aix-en-Provence, des Teatro Real in Madrid und der Metropolitan Opera in New York tätig. Bei der Jagd
nach den besten Stimmen verbrachte Wagner-Pasquier viel Zeit im Ausland – und fast noch mehr im Flugzeug. Ihr erster Wohnort aber blieb Paris. Dort lebte sie gemeinsam mit dem
französischen Filmkaufmann Yves Pasquier, den sie 1977 geheiratet hatte, und ihrem Sohn Antoine Amadeus (geboren 1982), der im kommenden Jahr in Bayreuth Franz Liszts einzige Oper „Don
Sanche“ in Szene setzen wird.
Nach dem überraschenden Tod Gudrun Wagners Ende 2007 kam es dann noch zur familiären Aussöhnung. Nachdem sich Eva und Katharina mehrfach getroffen hatten, fanden zunächst die
beiden Halbschwestern wieder zueinander. Und auch der Jahrzehnte währende Bruch mit dem Vater konnte geheilt werden. Was schließlich dazu führte, dass Wolfgang Wagner sich
bereiterklärte, den Weg für eine einvernehmliche Nachfolgeregelung frei zu machen. Freilich nur unter der Maßgabe, dass seine beiden Töchter zum Zuge kommen. Als ihm dies
versichert worden war, legte Wolfgang Wagner sein Amt zum 31. August 2008 nieder. Gleichzeitig übernahmen Eva und Katharina Wagner die Festspielleitung.
Eva Wagner-Pasquiers Rolle in dieser Doppelspitze? Sehr zum Leidwesen (nicht nur der Medien) hält sie sich in der Öffentlichkeit sehr zurück. Sie arbeitet lieber im Stillen. Die
Nachrichtenagentur dpa beschreibt Eva Wagner-Pasquier denn auch als „extrem medienscheu“. Und: Sie „meidet das Licht der Öffentlichkeit. Das Reden überlässt sie
der 33 Jahre jüngeren Katharina“. Dies natürlich auch deshalb, weil es das schwesterliche Organigramm zur Leitung der Festspiele so vorsieht.
Bewährungsproben
Nachdem im Jahr eins der neuen Doppelspitze vor allem inhaltlich-organisatorische Dinge verändert und Neuerungen im Bereich des Marketings eingeführt wurden, stehen die künstlerischen Bewährungsproben erst noch bevor. Wobei die Planungen für die kommenden Jahre (Hans Neuenfels’ Neuinszenierung des „Lohengrin“ in diesem Jahr, 2012 der neue „Tannhäuser“, inszeniert von Sebastian Baumgarten, dirigiert von Thomas Hengelbrock) planerisch noch in die Ära Wolfgang Wagner fielen. Mit Spannung wartet denn die Kulturwelt darauf, wen die neue Bayreuther Festspielleitung 2013, im Jahr des Richard-Wagner-Doppeljubiläums (200. Geburtstag am 22. Mai, 130. Todestag am 13. Februar), mit der Regie des „Rings“ beauftragt. Denn das wird die erste wichtige Personalentscheidung der beiden Schwestern sein. Wer auch immer es sein wird – eines steht schon jetzt fest: Die Messlatte liegt hoch.
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