25.06.2010, 09:30 Uhr
Von Gert-Dieter Meier
BAYREUTH. Sie nennen sich stolz „eine der größten und finanzstärksten Mäzenatengesellschaften in Deutschland“, zählen über 5000 Mitglieder in aller Welt und haben nur einen Daseinszweck: die Richard-Wagner-Festspiele zu fördern. In diesem Ziel war sich die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth über Jahrzehnte einig. Doch in den letzten Monaten knirscht es mächtig hinter den „Freunde“-Kulissen. Anonyme Schreiben machen die Runde, Vorwürfe werden laut. Aus Freunden werden Feinde.
Am Samstag tagt in Dresden das Kuratorium der Freunde von Bayreuth. Eine Routinesitzung. Und doch wieder nicht. Denn erstens müssen die Freunde dort ihre neue Rolle als Mitgesellschafter der Festspiele einerseits und als Mäzenatenvereinigung andererseits klären. Zweitens soll eine Personalie behandelt werden, die im Kreise der Freunde für erhebliche Unruhe sorgt. Nach dem Rücktritt von Peter Gloystein und der Bestallung von Dr. Georg Freiherr von Waldenfels als Freunde-Vorsitzender zum 1. Januar 2010 soll nun der Dreiervorstand um eine Person aufgestockt werden. Vorgeschlagen für diesen Posten: der Unternehmer Dr. Wolfgang Wagner, gleichzeitig Präsident der oberfränkischen Industrie- und Handelskammer in Bayreuth.
Bedenken der Freunde
Genau diese Personalie will nicht allen Freunden schmecken. In einem anonymen Schreiben, das dem Kurier vorliegt, heißt es wörtlich: „Wie wir erfahren, soll nun der Parteifreund
von Waldenfels, Dr. Wolfgang Wagner, bei der kommenden Kuratoriumssitzung als weiteres Vorstandsmitglied durchgesetzt werden. Dr. Johann – er ist Vorsitzender des Freunde-Kuratoriums, Anm.
d. Red. – nimmt keine Rücksicht auf die schwebenden Verfahren ... und schadet somit möglicherweise dem Ansehen beider, der Gesellschaft und auch dem Ansehen des
Auserwählten.“ Eine klare Anspielung auf das bevorstehende Verfahren um Subventionsbetrug der hiesigen IHK-Akademie. Wobei natürlich nicht etwa Wolfgang Wagner angeklagt wird,
sondern der frühere Geschäftsführer und der Prokurist der Akademie. Wagner war aber Aufsichtsratsvorsitzender dieser Einrichtung. Und die Frage, ob er als solcher Mitverantwortung
tragen und dadurch der Gesellschaft indirekt schaden könnte, treibt einige Freunde offenbar um. Vor allem der Zeitpunkt der Bestellung Wagners wird kritisch gesehen. Auch im engsten
Freundeskreis werden deshalb Stimmen laut, eine Wahl Wagners zum jetzigen Zeitpunkt auszusetzen.
Georg von Waldenfels hat derlei Bedenken nicht. Gegenüber dem Kurier beteuert er, dass die Berufung Wagners, der dem Kuratorium bereits angehört, keinesfalls strittig sei: „Es
würde mich wundern, wenn es am Samstag Gegenstimmen gibt.“ Es sei gut für die Gesellschaft, einen verdienten Bayreuther in den eigenen Reihen zu haben. Wagner selbst war gestern
nicht zu erreichen.
In einem weiteren Schreiben, das nach Kurier-Informationen allen Kuratoriumsmitgliedern vorliegt, nimmt ein langjähriges Freunde-Mitglied insbesondere den Vorsitzenden des Kuratoriums, Dr.
Heribert Johann, ins Visier. Dieser habe die Erweiterung des Vorstands „vorbereitet, ohne die Vorstandsmitglieder Grüschow und Vogt einzubeziehen. In der Auseinandersetzung
hierüber hat er Herrn Grüschow überdies persönlich beleidigt ... Das ist ein in unserer Gesellschaft bislang nie da gewesener Vorgang“.
Übereinstimmend konstatieren mehrere Freunde-Mitglieder, dass die Stimmung im Kreise der Bayreuth-Unterstützer denkbar schlecht sei. Sie kritisieren, dass sich die Führungsgremien
seit Monaten „überwiegend mit sich selbst“ beschäftigen, anstatt die Zusammenarbeit mit den Festspielen zu vertiefen.
Verwundert rieben sich denn auch einige Freunde die Augen, als von Waldenfels unlängst in einem Focus-Interview plötzlich davon sprach, dass es keinen Automatismus geben könne bei
der Unterstützung von Bautätigkeiten auf dem Grünen Hügel. Wozu sonst, fragen Mitglieder erbost, seien die Freunde denn da? Wenn die Festspielleitung nachweislich eine neue
Probebühne brauche, dann sollten die Freunde handeln. Schließlich haben sie genügend Geld auf der hohen Kante – ein Insider berichtet von einem Guthaben von neun
Millionen Euro! Und dieses Vermögen generieren sie nicht nur über Spenden, sondern auch über den Verkauf von üppigen Festspielkarten-kontingenten an ihre Mitglieder. Deshalb
sei es nur recht und billig, wenn die Freunde nicht lange fackeln, sondern mit ihrem Geld – im Sinne ihrer eigenen Satzung – für bessere Probenbedingungen beitragen.
Kein Hopplahopp
Das genau geschehe auch, betont von Waldenfels. Es gebe keinen Paradigmenwechsel und keinen Zweifel daran, dass die Freunde unverändert zu Bayreuth und der Festspielleitung stehen.
Allerdings sei der Vorstand Treuhänder für die Gelder der Mitglieder. Weshalb er jede Maßnahme zu prüfen habe. Waldenfels: „Wir sind nicht gegen eine Probebühne
– aber gegen jedes Hopplahopp.“ Waldenfels will deshalb die Plausibilität jeder Investition prüfen, bevor die Freunde Geld herausrücken. Und immer häufiger auch
den Verwaltungsrat der Festspiele einbeziehen. Dieses Gremium werde nach seinem Dafürhalten „immer wichtiger“. Die Zeiten jedenfalls, da der frühere Festspielleiter Wolfgang
Wagner den Freunden „quasi per Zuruf“ ein paar Milliönchen entlockt hat, scheinen endgültig vorbei.
Waldenfels vermag nach knapp fünfmonatiger Tätigkeit als Freunde-Chef nicht zu erkennen, dass die Stimmung in der Freunde-Familie schlecht sei: „Natürlich gibt es
hie und da ein Grummeln, es gibt auch Diskussionen und unterschiedliche Ansätze. Insgesamt aber arbeiten wir zielführend.“ Das freilich sehen nicht alle Freunde so, wie der
Schlusssatz eines Freunde-Brandbriefes belegt. Wörtlich steht da: „Ohne Vertrauen innerhalb unserer Gremien und ohne Vertrauen zwischen der Festspielleitung und uns ruinieren wir nicht
nur unsere Gesellschaft, sondern schaden auch den Festspielen“.
Markige Worte ...
Foto: Lammel/Archiv
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