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09.06.2010, 11:00 Uhr

 

Herzattacke mit Folgen

Von Manfred Scherer

BAYREUTH. Eine herzkranke, 74-jährige Bayreutherin, die Mitte Mai in Rufweite zum Klinikum einen Herzanfall erlitt, wurde zum Pflegefall. Ihr Sohn ist verbittert, dass die Erste Hilfe für seine Mutter trotz der unmittelbaren Nähe zum Klinikum nicht frühzeitig genug gekommen sei. Beim zuständigen Rettungsdienst hieß es auf Anfrage dazu: Man habe das Bestmögliche für die Patientin getan.

 

„Wir sind die Strecke abgegangen“, sagte der Sohn der Patientin auf Anfrage des Nordbayerischen Kuriers: „Es sind 350 Schritte von der Notaufnahme des Klinikums bis in die Klinikumallee 47.“ Seine Mutter war am 19. Mai mit einer Bekannten Einkaufen gewesen und brach im Auto vor der Haustüre zusammen. Der Sohn: „Die Nachbarin hat sofort telefonisch die Rettung angerufen, aber der Notarzt war erst nach zwölf Minuten da.“

Die Herzattacke hatte tragische Folgen: Seine Mutter habe durch eine zu lang dauernde Sauerstoffunterversorgung des Gehirns eine mittlere Hirnschädigungen erlitten und liege jetzt im Wachkoma: „Sie hätte innerhalb von fünf Minuten Hilfe bekommen müssen. Jetzt wird wie wohl ein kompletter Pflegefall bleiben.“

Der Notruf ging am 19. Mai bei der Rettungsleitstelle des Roten Kreuzes in der Hindenburgstraße ein. Dietmar Kasel, der Leiter des Rettungsdienstes erklärte auf Anfrage: „Wir haben das Bestmögliche getan.“ Der damals Dienst habende Notarzt sei bei einem anderen Einsatz gebunden gewesen, so dass die Rettungsleitstelle zunächst einen Rettungswagen aus der Hindenburgstraße losschickte und dann entschied, das nächst mögliche Notarztteam zu alarmieren: Es handelte sich um den Notarzt, der an diesem Tag Dienst im Rettungshubschrauber Christoph 20 tat. Der Hubschrauber befand sich zum Zeitpunkt der Alarmierung nicht in der Luft. Laut Kasel ist in den Einsatzberichten der Leitstelle dokumentiert, dass der Rettungswagen von der Hindenburgstraße sechs Minuten brauchte, um zu der Patientin zu kommen: „Das Christoph 20-Notarztteam fuhr mit einem Privatauto zur Klinikumallee. Näher geht es nicht. Das kann keine zwölf Minuten gedauert haben.“ Die gesetzliche Hilfsfrist in Bayern für Rettungswagen sei zwölf Minuten. Für Notärzte gelte diese Frist nicht.



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