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30.05.2010, 14:01 Uhr

 

Abgestandene Altherrenkomik

Von Frank Piontek

BAYREUTH. Es stinkt – nach Räucherstäbchen. Da steckt schon der Fehler drin, denn das Vorspiel müffelt auch konzeptionell. Wieso sollten die drei buddhistischen Höflinge nur – wie in der ersten Szene gezeigt – widerwillig den weltabgewandten Pakt eingehen, da sie doch alle drei als ernsthafte Zen-Schüler eingeführt werden? Bei Shakespeare liest man’s anders: also richtig.

 

Foto: Regina Fettköther

Gespielt wird nämlich ein Stück, das unter einem definitiv falschen Autornamen seit Samstagabend im Theater der Eremitage läuft: „Verlorene Liebesmüh“, ein Stück von Horst Jüssen nach wenigen Ideen von Shakespeare, verfasst also vom „Klimbim“-Schauspieler nach einigen wenigen Motiven der Komödie „Love’s labours lost“, die, vermutlich, Edward de Vere, der 17. Earl of Oxford als wahrer „Shake-Speare“ um 1580 geschrieben hat. Von Oxfords Komödie ist hier keine einzige Zeile übrig geblieben, Jüssen hat neun Rollen – darunter einige Hauptrollen wie den unvergleichlichen Don Armado – ersatzlos rausgeworfen, er hat auch sämtliche (in Klammern: sämtliche) Sprachwitze gestrichen, um derentwillen das intelligente Stück auch von den Shake-Speare-Liebhabern geliebt wird.

Das, was nun als „Liebes-Handlung“ übrig geblieben ist, ist die völlig vereinfachte, um wichtige Handlungsstränge, um den falschen Moskowiterbesuch und das „Heldenspiel“ der Narren (der „Sommernachtstraum“ ist immerhin nicht fern) gekappte, allzu simple Handlung, die im zweiten Teil mit ihren primitiven Missverständnissen und „Verwicklungen“ so vorhersehbar ist, dass er schier spannungslos verläuft.

Mit einem Wort: zur Aufführung kommt ein Etikettenschwindel, der unter dem Tarnnamen „Shakespeare“ antritt, also ein Stück des mitnichten geschickten „Bearbeiters“.

Das Publikum, das soll nicht verschwiegen sein, ist begeistert und gibt gelegentlich Szenenapplaus, Rosaline hätte vielleicht den „nicht’gen Beifall“ bemerkt, „den schal Gelächter stets dem Narren zollt“. Für ein Stück von Horst Jüssen mag das „ganz nett“ sein; für das angekündigte, doch ausgefallene Stück von Shake-Speare ist es definitiv zu wenig.




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