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28.05.2010, 17:44 Uhr

 

Whitney Houston auf Gnadentour in Nürnberg

Von Andreas Bär

NüRNBERG. Es war kein Desaster. Und damit nicht das, was man nach den vernichtenden Kritiken aus London und Berlin erwarten musste. Das fränkische Publikum ließ die von Exzessen gezeichnete Sängerin ohne Buh-Rufe in Gnade von der Bühne. Einige Fans feierten sie wie einst, auch wenn ihre Leistungen nur noch in Ordnung waren. Andere verließen am Donnerstagabend kopfschüttelnd die Nürnberger Arena.

 

Es war nicht Fisch, nicht Fleisch, was die mittlerweile 46-Jährige auf die Bühne zauberte. Konditionelle Defizite waren schnell offensichtlich: Denn die alternde Diva schwitzte nach noch nicht einmal zwei Liedern, in denen sie sich nur spärlich tapsend bewegte, wie andere nach einem Marathonlauf. Doch eine vor Selbstsicherheit strotzende Sängerin lässt sich von so etwas nicht aus der Fassung bringen. Immer wieder verhedderte sie sich in schier endlosen Monologen, um nach den Liedern durchschnaufen zu können.

Spuren der Drogenexzesse


Aber eins steht fest: Rein stimmlich weiß sie immer noch zu überzeugen. Zwar hat ihre einstige Vier-Oktaven-Stimme merklich gelitten und die hohen Töne von früher kann man sich nur noch auf Tonträgern anhören. Dennoch erweist sie sich in ihrem neuen Spektrum als stilsicher und hat nur selten Probleme, die Töne zu halten. Weniger ist manchmal mehr – nach diesem Motto macht sie ihre Sache nicht schlecht.

Gut, von der einstigen Schönheit ist nicht mehr viel übrig geblieben: Jahrelange Drogenexzesse haben deutliche Spuren hinterlassen. Die Figur litt zuletzt ebenfalls – ob sie nun schwanger sein mag oder nicht. Einzig die Beine – neidvoll blickt so mancher Hobbysportler auf die drahtigen Muskeln, verpackt im silbernen (und später schwarzen) Minirock – scheinen den Alterungsprozess nicht mitgemacht zu haben.

Dankbare Franken


Die Franken sind ein dankbares Publikum. Im Gegensatz zu anderen Städten wird ihr in Nürnberg verziehen, dass die alten Klassiker stark verkürzt sind, dass sie bei ihrem All-Time-Klassiker „I will always love you“ wieder einmal abbrechen muss und dass sie stimmlich nicht mehr die ist, die sie mal war. Drei Balladen insgesamt singt sie nur verkürzt, in den letzten 20 Minuten lässt sie zunehmend ihre Backround-Sängerinnen den Refrain übernehmen, und beteiligt sich nur noch sporadisch.

Am Ende weiß keiner so recht, ob sie es noch tun sollte. Auf die Bühne zu gehen, erfordert manchmal mehr als nur eine gute Stimme. Von ihrem einstigen Glanz, den sie noch vor zehn Jahren versprühte, ist nicht mehr viel übrig. Eigentlich schade. Auch wenn es weit weniger schlimm war, als von vielen Gazetten berichtet.

Foto: Picture Alliance




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