28.05.2010, 18:00 Uhr
Von Christina Knorz
BAYREUTH. Sie stehen tatsächlich in der Tradition Richard Wagners. Denn Helmut Bieler und Wolfram Graf machen wirklich Neues und nicht nur das Alte immer wieder. Sie machen Neue Musik und laden dafür weltbekannte und anerkannte Komponisten, ausgezeichnete Ensembles und Solisten nach Bayreuth ein.
Das ist zwar jedes Jahr nur eine Handvoll – für mehr reicht das Budget nicht –, aber sie wollen nur die Guten, und das kostet eben. Ganz abgesehen davon, dass sie ohne die
Unterstützung der Stadt und der Klaviermanufaktur Steingraeber keinen modernen Pieps von sich geben könnten. Denn das Festival ist zwar in Fachkreisen anerkannt und wöchentlich
gehen Anfragen bei Bieler ein, hier auftreten zu können, doch ist das Publikum fast ebenso handverlesen wie die Musiker. Dabei kann man für diese Veranstaltungen etwas garantieren, was
nicht oft der Fall ist: höchste Qualität und akustische Neuigkeiten.
Versprochen: Keine Düsenjets
Vom 17. bis 26. Juni lädt die 23. Zeit für Neue Musik in den Kammermusiksaal bei Steingraeber und die Schlosskirche ein. Vorwissen braucht niemand, auch keine Angst vor einem Septett
aus Düsenjets mit Zahnarztbohrern. Seit einigen Jahren tendieren die modernen Komponisten wieder hin zur Tonalität. Wofür man sich vor 30 Jahren geschämt hätte, wird
heute wieder geschrieben.
Ein ganz großer Komponist wird am 18. Juni an der Aufführung eines seiner jüngsten Werke teilnehmen. Peter Michael Hamel hat ganz früh das gemacht, was heute als Weltmusik
bezeichnet wird. Er beschäftigte sich in den 70er Jahren mit fernöstlichen Gesangsstilen und Tonsystemen und trat als Pianist, Organist, Sänger und Live-Elektroniker mit
Stegreifimprovisationen auf. Er arbeitet über alle Genregrenzen hinweg – mit John Cage und Terry Riley genau so wie mit Carl Orff. In der Szene der Neuen Musik war Hamel nicht
unumstritten, weil er sich nie an die gerade angesagte Strömung anschloss. Jetzt ist Hamel Musikprofessor in Hamburg.
Termine: Die Reihe „Zeit für Neue Musik“ erlebt dieses Jahr ihre 23. Auflage und hat vom 17. bis 26. Juni fünf Konzerte im Programm:
17. Juni: Werke von Robert Schumann, Horst Lohse, Helmut Bieler, Wolfram Graf und Dimitri Schostakowitsch spielen der dänische Cellist Tobias van der Pals und Wolfram Graf am Klavier um
19.30 Uhr bei Steingraeber.
18. Juni: Der weltbekannte Komponist Neuer Musik, Peter Michael Hamel, steht im Mittelpunkt dieses Konzerts. Das Rodin-Streichquartett mit Professor Siegfried Mauser am Klavier und in der
Moderation spielt ein neues kammermusikalisches Werk Hamels, das erst tags zuvor in München uraufgeführt wird. Es ist dem Komponisten Hans Otte gewidmet, der vor drei Jahren verstarb.
Mauser spielt außerdem von Hans Otte aus dem Klavierzyklus Stundenbuch OWV 62. Das Konzert findet um 19.30 Uhr bei Steingraeber statt, der Komponist ist anwesend.
21. Juni: Zum 30. Geburtstag des Ensembles Musica Viva spielen Helmut Erdmann (Flöten), Bernd Kremling (Percussion), Helmut Bieler (Klavier) mit der Sopranistin Marie Schmalhofer
Höhepunkte aus drei Jahrzehnten ab 19.30 Uhr bei Steingraeber.
23. Juni: Die Konzertlesung „Das Hohelied der Liebe“ mit Sprecher Jan Burdinski vom Fränkischen Theatersommer und Organist Christoph Krückl beginnt um 19.30 Uhr in der
Schlosskirche.
26. Juni: Das Berliner Saxophon-Quartett Clair Obscure spielt Neue Musik von klassisch-virtuos bis funky um 19.30 Uhr bei Steingraeber.
Karten und Programmheft gibt es bei der Klaviermanufaktur, Friedrichstraße 2. Vorbestellung ist unter der Nummer 09 21/6 40 49 möglich.
red
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