26.05.2010, 15:09 Uhr
Von Christina Knorz
BAYREUTH. Kult trifft auf Kultur: Ein echtes Stück Kunstrasen des 1. und immer noch erstklassigen FC Nürnberg spielt eine tragende Rolle im neuen Stück der Studiobühne. Ab Samstag wird er von hochhackigen Damenpumps platt getreten. Ob die neun Spieler unter Regisseurin Birgit Franz die Herzen der Zuschauer gewinnen oder vom Vorplatz des Römischen Theaters in der Eremitage gepfiffen werden, zeigt sich ab 20 Uhr bei der Premiere von – Nomen ist hoffentlich nicht Omen – „Verlorene Liebesmüh“.
Es treten an: vier selbstbewusste Damen aus Frankreich gegen vier wankelmütige Herren aus dem Reich Navarra, einem kleinen, baskischen Königreich. Wie Shakespeare dem Zuhörer der weniger bekannten Komödie weis machen will, hat der König von Navarra einen Krieg gegen das mächtige Nachbarland Frankreich gewonnen, weshalb die Damen nach Jahresfrist nach Navarra reisen, um die Kriegsschuld zu bezahlen. Vor allem aber, um sich in einen neuen Kampf zu werfen – auf Ehe oder Verderben! Sie wollen die tapferen Recken wiedersehen, die ihnen in Frankreich den Kopf verdreht haben. Sie rücken an zum Rückspiel. Allein der König ist beleidigt und droht die Begegnung platzen zu lassen.
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"Verlorene Liebesmüh" |
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Die Komödie „Verlorene Liebesmüh“ (Love’s Labour’s Lost) von William Shakespeare in der Bearbeitung von Horst Jüssen hat am kommenden Samstag, 29. Mai, um 20 Uhr im Römischen Theater der Eremitage Premiere. Regie: Birgit Franz; Bühne und Kostüme: Barbara Seyfried; Licht und Ton: Ronald Kropf; es spielen: Heike Hartmann, Annette Lauckner, Cindy Mikosch, Michaela Proebstl-Kraß, Michael Pöhlmann, Valentin Pretzer, Hinrich Rehwinkel, Hans Striedl, Johannes Werner. Weitere Spieltermine am 5., 11., 12., 15., 22., 25., 26. und 30. Juni sowie am 1., 8., 9., 14., 16., 17. Juli jeweils um 20 Uhr, am 20. Juni um 18 Uhr. |
Das Stück beginnt mit einem Schwur der Männer, sich drei Jahre lang von den Frauen ab und der Wissenschaft zuzuwenden. Dumm nur, dass die ehemals Angebeteten just vor dem Tor stehen,
als die Tinte unter dem Mir-san-mir-Vertrag der Männer trocken ist. Der König stiftete seine Freunde dazu an, aus Trotz, da die Prinzessin alle seine Geschenke postwendend
zurücksandte.
Aber jetzt sind die Holden da – und die Männer wanken in ihrem Entschluss. Denn Katharina ist so zart, Marie so fein, Rosaline so schön und die Prinzessin gar ein Diamant!
Mithilfe des alten Dieners Schädel wollen die Herren die Damen heimlich gewinnen, ohne dass die anderen ihren Treuebruch mitbekommen. Dass das nicht klappt, gehört zur shakespearschen
Dramaturgie. Man kennt das: Briefe kommen in falschen Hände, Duelle werden angedroht, böse Verdächtigungen machen die Runde. 90 Minuten plus Verlängerung zanken, zoffen und
flirten die vier Pärchen, bis sie sich – das sollte nicht überraschen – in den Armen liegen.
Gestrafft, konzentriert, pointiert
Die Studiobühne spielt eine Bearbeitung von Horst Jüssen, nicht die originale Stückvorlage von Shakespeare und man kann ihnen dafür dankbar sein. Die Handlung ist gestrafft,
die Personnage konzentriert, die Dialoge pointiert.
Den Fußballrasen trieb übrigens Ausstatterin Barbara Seyfried über eine Nürnberg-Connection auf. Mein Tipp für Samstagabend: 4:0 für die Damen, natürlich. Aber
für die Studiobühne wird es auf jeden Fall ein Heimspiel.
red
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