05.05.2010, 17:10 Uhr
Von Christian Martens
BAYREUTH/MüNCHEN. Für bessere Einkommens- und Arbeitsbedingungen sind Hebammen am Mittwoch auf die Straße gegangen.
"Steigende Haftpflichtprämien und unzureichende Vergütung zwingen Hebammen zum Aufgeben der Geburtshilfe“, heißt es in einer Petition des Deutschen Hebammenverbands an den Bundestag.
Netto-Lohn 7,50 Euro
180 Euro bleiben der selbstständigen Hebamme Ute Zenglein für jede sogenannte Beleggeburt, bei der sie eine Schwangere zur Entbindung im Krankenhaus betreut. Elf Stunden sind für
eine Geburt mit Vor- und Nachsorge an zeitlichem Aufwand geplant. Rund 50 Geburten begleitet Ute Zenglein jährlich. Wenn sich wie geplant die Haftpflichtprämie ab 1. Juli auf 3689 Euro
erhöht, kommen künftig, so Zengleins Rechnung, 20 Kinder mit ihrer Hilfe zur Welt, ohne dass sie einen Cent daran verdient. Der Umsatz einer freiberuflichen Hebamme liegt im Schnitt pro
Jahr bei 23.300 Euro, nach Abzügen bleibt ein Netto-Stundenlohn von 7,50 Euro.
Ute Zenglein kommt aus Bamberg. Als stellvertretende Bezirksvorsitzende des bayerischen Hebammen-Landesverbands vertritt sie die Interessen der oberfränkischen Hebammen. Geburtshilfe ist
neben Beratung, Vorbereitung, Wochenbettbetreuung, Rückbildungsgymnastik und Stillberatung nur ein, aber für den Beruf ein eben sehr zentrales Aufgabenfeld. „Es wäre
unheimlich schade, wenn ich die Geburtshilfe aufgeben müsste, nur weil uns Steine in den Weg gelegt werden“, sagt Zenglein. An der Demonstration gestern in München konnte sie
nicht teilnehmen – wegen eines Geburtstermins. Hunderte Hebammen aus ganz Bayern sind in München für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen. Mit Trommeln und
Trillerpfeifen zogen sie durch die Innenstadt und verteilten „Lohntüten einer Hebamme“. Der Inhalt: ein Apfel und ein
Grüne Hilfe
Die Grünen im bayerischen Landtag unterstützen nach eigener Mitteilung die Hebammen-Proteste. Sie verlangten von der Staatsregierung eine Auskunft, wie sie die gescheiterten
Verhandlungen zwischen dem Deutschen Hebammenverband und den Krankenkassen über den Ausgleich der Haftpflichtprämienerhöhung auffangen wolle.
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