24.04.2010, 16:50 Uhr
SANTIAGO DE CHILE. Der frühere Chef der sektenähnlichen Siedlung Colonia Dignidad, Paul Schäfer, ist im Alter von 88 Jahren gestorben.
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Paul Schäfer
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Schäfer wurde am 4. Dezember 1921 in Siegburg bei Bonn geboren. Von Nationalsozialismus und Einsatz bei der Wehrmacht geprägt, glaubte er nach dem Krieg, einer persönlichen religiösen Mission folgen zu müssen. Die Versuche, als Jugenderzieher in kirchlichen Institutionen zu arbeiten, schlugen fehl. Mehrfach wurde er wegen homosexueller Beziehungen zu Minderjährigen entlassen. Der Prediger mit dem wirren rechten Weltbild gründete 1956 in Siegburg seine "Private Sociale Mission". Auch hier wurde bald wegen Missbrauchs gegen ihn ermittelt. Zusammen mit 250 Getreuen setzte sich Schäfer dann 1961 nach Chile ab und gründete in Parral südlich der Hauptstadt Santiago die "Colonia Dignidad". Die Siedlung wird zu einem befestigten Lager mit sektenähnlichen Strukturen ausgebaut und von Schäfer autoritär geführt. Widerspruch seiner wie Arbeitssklaven gehaltenen Untergebenen ließ er hart bestrafen. |
Mord, Folter, sexueller Missbrauch, etc.
Er war wegen Mordes, Folter, sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und anderer Verbrechen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Schäfer hatte die inzwischen in Bayrisches Dorf umbenannte landwirtschaftliche Siedlung im Süden Chiles bei Parral fast drei Jahrzehnte geleitet. Er spielte sich zum Herren über alle Lebensbereiche der Anfang der 1960er Jahre aus Deutschland eingewanderten Siedler auf und riegelte das riesige Anwesen hermetisch gegen die Umwelt ab.
Während der Diktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) diente die Siedlung auch als Folterlager der Geheimpolizei. Nach dem Ende der Diktatur kamen die Verbrechen ans Licht. Schäfer tauchte zunächst unter, konnte aber 2005 festgenommen und später vor Gericht gestellt werden.
dpa
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