Donnerstag 09.02.2012, 00:47 Uhr
E-Mail: Passwort:



18.04.2010, 15:11 Uhr

 

Zunder im Pullunder

Von Jakob Struller

BAYREUTH. Eine barocke Festspielstadt von Weltrang hat er erwartet, bekommen hat er einen „hermetisch abgeriegelten Kulturbunker“. Olaf Schubert ist anspruchsvoll und war mit seinem Auftrittsort, dem Zentrum, am Samstagabend nur mäßig zufrieden. Aber, so bekundete der selbst ernannte Wel...

 

Foto: Harbach
Foto: Harbach
Bild 1 von 4 Zoom
weitere Bilder
Foto: Harbach
Foto: Harbach
Foto: Harbach
Foto: Harbach
nach oben scrollen
 
nach unten scrollen

Eine barocke Festspielstadt von Weltrang hat er erwartet, bekommen hat er einen „hermetisch abgeriegelten Kulturbunker“. Olaf Schubert ist anspruchsvoll und war mit seinem Auftrittsort, dem Zentrum, am Samstagabend nur mäßig zufrieden. Aber, so bekundete der selbst ernannte Weltverbesserer und Humorist „jetzt sind wir schon mal da, jetzt zieh’n wir’s durch“.

„Während die meisten Menschen in ihrem Leben nur einen Kampf haben und daran in der Regel scheitern, verteilt Olaf Schubert seine Kräfte auf mehre Kämpfe“, so moderierte der eigens mitgebrachte Laudator und später Bassist Bert Stephan den Kabarettisten und „größten Gedankengigant der Gegenwart“ an. Der kam sogleich auf die Bühne, wie immer mit nur spärlich von einem Karopullunder bedeckten Oberkörper. Nicht zu überhörendes Sächsisch, vorgetragen von einer hohen Stimme, damit kämpft Olaf Schubert gegen alles Böse in der Welt. Und so heißt sein aktuelles Programm auch „Meine Kämpfe“. Die ficht er an so vielen verschiedenen Fronten aus, dass es ihm kaum gelingt, sie alle aufzuzählen.

Den Anfang macht sein steter Kampf mit der eigenen Gesundheit. Als „Spross alten sächsischen Amputationsadels“, also einer Chirurgenfamilie befasst er sich leidenschaftlich, nicht ohne persönliche Betroffenheit, mit medizinischen Themen. 150 Prozent aller Deutschen – und das ist schließlich jeder eineinhalbte, haben Rückenprobleme, weiß Schubert zu errechnen. Seine Lösung: Die richtige Körperhaltung. „Kopf hoch, Brust raus, Becken raus, Stirn sowieso, wie ich es mir angewöhnt habe.“ Witze auf Kosten der eigenen schütteren Haarpracht kommen im Laufe des Programms noch öfter. Und immer gut an beim Publikum im nahezu voll besetzen Europasaal.

Gewollt unrhythmisch

Musik ist auch immer dabei. Gemeinsam mit dem Bassisten Bert Stephan und dem Gitarristen Jochen Barkas singt er zwischen den Redepassagen von sich selbst, seiner Umwelt und wie immer: all seinen Kämpfen. Gewollt unrhythmisch kommen die meistens Song daher. Die Texte präsentieren sich mehr oder weniger absurd. „Es müssen Maßnahmen eingeleitet werden“, trällert er zum Beispiel „die ich jetzt nicht näher auflisten möchte, weil das rhythmisch unsolider rüberkommen würde“. Unnötig hinzuzufügen, dass schon diese Mitteilung selbst nur ansatzweise mit dem Rhythmus in Einklang steht.

Natürlich ist es nicht nur die Gesundheit, mit der Olaf Schubert zu kämpfen hat. Manchmal, so scheint es, hat er sogar mit seiner Wasserflasche zu kämpfen, aus der er hin und wieder einen Zug nimmt und sich dazu ausladend nach hinten beugt. Als brauche er einen tiefen Schluck, um das, was da kommen mag, zu überstehen. Gegen „Mittelmäßigkeit und Unterwürfigkeit“, kämpft er, mit Problemen en masse hat er sich herumzuschlagen. Die Krise, der Konflikt im Nahen Osten und die Atomproblematik sind zwar dabei, erhalten aber nur verhältnismäßig kurze Würdigung in Schuberts Programm. Im Lied „Ich bin Ich“ sieht er ein: „Ich würde auch kämpfen gegen Atomkraft und laute Nachbarn, aber das liegt leider nicht im Rahmen des zeitlich Machbaren.“ Wichtiger ist da schon der „Konflikt auf Ceranbasis“, der Kampf der Geschlechter, ausgetragen meist in der Küche, an dem er die mit Abstand härteste Front vermutet. „Warum wird die Frau seit 5000 Jahren unterdrückt?“, fragt er und antwortet selbst mit der abgegriffenen Pointe: „Weil es sich bewährt hat.“ Das Publikum johlt, Schubert distanziert sich zwar gleich wieder von der Aussage des Kalauers, bleibt dann aber einige Zeit niveautechnisch nah an ihm dran. Weibliche Soldaten, vermutet er, würden im Krieg mit Sicherheit kratzen, schubsen und den Gegner totquatschen, die Waffe der Frau war früher die Bratpfanne, jetzt ist es der „Leib himself“. Schubert erntet Lacher für das, was er da zum Besten gibt, wird seinem Anspruch als Weltverbesserer in dieser Passage allerdings gar nicht und dem als Humorist allenfalls durch die Verwendung aberwitziger Wortkonstruktionen gerecht.

Das Spiel mit der Sprache

Besser ist Schubert bei anderen Themen. Wenn er nach der Pause von Ungerechtigkeit, Überalterung und Sprachverschandelung klagt. Am besten ist er aber, wenn er mit ebendieser Sprache spielt. Je mehr Neologismen, Partizipialkonstruktionen und aberwitzige Betonungen er in seine Ausführungen einbaut, desto witziger ist er. Er „möchte ein Problematom verprangern“ wenn ihm etwas nicht passt. Wenn sein Bassist mal wieder nicht, wie ihm aufgetragen, auf der Bühne steht, ist der „okkulten Verbleibs“. Bei Schubert ist man sich nicht einig, „es herrscht Konsens“. Und manchmal wird es so absurd, dass selbst der Rezitator bekennen muss: „Da kann ich jetzt auch nur vermuten, was ich damit meine.“ Aber: „Wie ich mich kenn, wird’s schon stimmen.“ Mit Wortspielen und Sprachakrobatik bombardiert Schubert das Publikum. Das ist manchmal flach, aber witzig. Meistens aber ist es durchdacht und richtig witzig. Und gut genug, dass er flache Frauenwitze eigentlich nicht nötig hätte.

Umwelt und Ordnung

Themen zur Auswahl hat er schließlich genug. Mit Umweltproblemen hat er zum Beispiel auch zu kämpfen. In 30 Jahren, da ist sich „das Wunder im Pullunder“ sicher, wird, wer noch Öl im Keller hat, vom „Dschihad, ähm, dem G.I.“ aufgesucht. Das Öl wird konfisziert werden und ins Museum gebracht, in besagtem Keller wird eine Demokratie errichtet. Und weil „die in Deutschland herrschende soziale Kälte nicht ausreicht, um die Klimaerwärmung zu kompensieren“, muss auch hier Schubert, der selbst ernannte Mahner und Erinnerer, ran. Verhältnismäßig gut bestellt ist es noch, findet er, um die lokalen Problemchen. Gerade in Bayreuth ist die Welt noch in Ordnung. Denn „hier sind ja alle verwandt“. Auch das Festspielhaus und die Altstadt stehen noch, weil „schlampig gebombt“ wurde. Wenn wir Bayreuther also Probleme wollten, müssten wir uns drum kümmern.

Aber selbst dabei könnte uns sicherlich Olaf Schubert helfen. Denn in seinem letzten Lied versichert er: „Will man dich betrügen auf der Insel Rügen, schmeckt dein Kaffee bitter in Salzgitter, will man sich mit dir zanken in Oberfranken, wenn deine Frau einen anderen erfreut in Bayreuth – Ich bin bei dir!“.




Artikel posten

Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Webnews Bookmark bei: Icio Bookmark bei: Oneview Bookmark bei: Favoriten Bookmark bei: Favit Bookmark bei: Linksilo Bookmark bei: Readster Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Reddit Bookmark bei: StumbleUpon Bookmark bei: diigo Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Digg Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Shortnews Bookmark bei: Google Bookmark bei: Facebook mit Twitter versenden




Kommentare

Dies ist eine Nachricht aus unserem Archiv.
Es können daher keine neuen Kommentare verfasst werden.


mehr zum Thema
zurück   weiter


KURIER-NEWSTICKER
SONDERTHEMEN

Kurier-Liveticker

Ankommen in Bayreuth

Kurioses

Aus der Schatz-Truhe

Kurier-Model

1

KURIER-TV
BT24 - Die Region von A-Z
null
null
null
BAYERISCHER RUNDFUNK
Rundschau News
BayernwetterVerkehr in Bayern

 




MONEYSPECIAL
Facebook - Twitter - Mobil
DIGITALE BEILAGEN
Tschakka-Bay Ku-Leserreisen Kinder-Kurier 08 Kurier Card Ratgeber Gesundheit FZ Baumagazin 211 Modernisieren 2011 Wonneproppen 2011 Kurier Shop 2011 Weihnachtliches BT Kurier Card FZ Baumagazin 211 Wirtschaft 10 2011 Weihnachtliches BT Bauen und Wohnen Ausbildungsmesse in Bayreuth 6.City-Autosalon Pegnitz Ratgeber Gesundheit Service-König 2011 Heimat-Kurier Maisels FunRun Heimat-Kurier Kurier Shop Bauen u.Wohnen 2011 Leserreisen BBC-Magazin Umwelt u. Energie
Tschakka- Bay
Ku-Leser- reisen 11-2011
Kinder-Ku 01-2012
Genießer- pass 2012
Ratgeber Gesundh. 2012
Faszina- tion 3D 2011
Moderni- sieren 11-2011
Wonne- proppen 2011
Kurier Shop 2011
Weihnachtl. Bayreuth 2011
Ku-Card 11-2011
FZ Bau- magazin 2011
Wirtschaft 10-2011
Ortsport. Bindlach 2011
Bauen u. Wohnen 09-2011
Ausbildungsmesse in Bayreuth
Autosalon Pegnitz 2011
Top-Arbeit- geber
Service- König 2011
VG Mistelbach 05-2011
Maisels FunRun
Heimat-Ku 02-2011
Kurier Shop
Baumesse 2011
Leser- reisen
BBC- Magazin 2010
Umwelt u. Energie
UMFRAGE

Der Winter kam doch noch. Draußen ist es bitterkalt. Gefällt Ihnen das Wetter oder hätten Sie es lieber wärmer?

Minus 19 Grad? Spitze! Das ist das perfekte Wetter für den Januar...
Brrrrrr... Das ist mir viel zu kalt. Ich bin für Temperaturen über null Grad!
Die Temperaturen sind mir egal! Aber etwas mehr Schnee könnten wir noch vertragen!
Ich will, dass der Winter jetzt vorbei geht! Ich will Sommer, Sonne, Kreuzsteinbad...
Info
Medienführerschein
1
KINO-NEWS

WEITERE ONLINEPORTALE

zum Seitenanfang
www.bayreuth.de | www.festspiele.de | www.bt24.de