Donnerstag 09.02.2012, 12:02 Uhr
E-Mail: Passwort:



19.04.2010, 10:00 Uhr

 

„Wir brauchen die Studienbeiträge“

BAYREUTH. Seit April 2009 steht Professor Rüdiger Bormann als Präsident an der Spitze der Universität Bayreuth. Sinkende Mittel für Lehre und Forschung, Studentenproteste zum Jahreswechsel und die Vorbereitung auf den doppelten Abiturjahrgang 2011. Keine leichten Bedingungen. Bormann macht sein Job dennoch Spaß, wie er Kurier-Redakteur Christian Martens im Gespräch zum Start des Sommersemesters sagte.

 

Foto: Lammel

Frage: Sie haben ihr Amt vor einem Jahr übernommen. Macht der Job als Präsident der Uni Bayreuth Spaß?

Bormann: Ja, eindeutig. Ich bin sehr freundlich und konstruktiv aufgenommen worden. Das ist nicht selbstverständlich, da ich ja als Externer gekommen bin. Im ersten Jahr habe ich die Universität noch nicht vollständig, aber in vielen Bereichen kennengelernt.

Frage: Bayreuth ist nicht Hamburg: Haben Sie den Wechsel schon einmal bereut?

Bormann: Nein. Ich wollte mich auf neue Dinge einlassen, das motiviert mich. Ich wusste, dass es hier keine dicken Schiffe gibt und die Elbe nicht durch Bayreuth fließt. Die hügelige Landschaft, die Seen, die Fränkische Schweiz und die Umgebung von Bayreuth gefallen mir wirklich sehr gut.

Frage: Zum Semesterstart: Wie entwickelt sich die Studierendenzahl?

Bormann: Die Zahlen der Einschreibung zum Sommersemester 2010 werden getrennt nach erstem Fach- und erstem Hochschulsemester sowie der Gesamtzahl an Studierenden geführt. Aktuell liegt die Zahl der ersten Hochschulsemester bei 155. Das ist natürlich eine andere Größenordnung als im Wintersemester, weil im Sommer weniger Studiengänge beginnen. Die Erwartung ist, dass die Zahlen nicht unter denen des vergangenen Sommersemesters liegen.

Frage: Ist das Soll für die Zielvereinbarung zur Ausbauplanung damit erreicht?

Bormann: Die vereinbarten Zahlen beziehen sich auf das gesamte Jahr. Entscheidend für die Mittelvergabe ist dabei die Summe der ersten Hochschulsemester. Die Sollgröße in Sommer- und Wintersemester liegt bei 1998 Studierenden. Ich bin optimistisch, das Ziel zu erreichen. In der Vergangenheit lagen wir immer über der Vorgabe.

Frage: Wie bereitet sich die Uni auf den Ansturm des doppelten Abiturjahrgangs vor?

Bormann: Wir werden zusätzliche Studiengänge, aber auch Vorbereitungskurse für das anschließend im Winter beginnende Studium anbieten. Hierfür werden weitere Mittel vom Freistaat zur Verfügung gestellt. Welche Studiengänge im Sommersemester 2011 angeboten werden, legen wir mit Rücksicht auf die begrenzten Mittel Ende April zusammen mit den Dekanen fest.

Frage: Welche Einstellung erwarten Sie von einem Studienanfänger?

Bormann: Ich hoffe, dass die Studierenden sich genau überlegt haben, was sie studieren und warum sie studieren wollen. Die Studierenden sollten das Studium sowohl als persönliche Bildung als auch als wissenschaftliche Ausbildung begreifen. Dabei geht es nicht nur um die Qualifikation für eine Hochschullaufbahn, denn viele suchen später einen Beruf außerhalb der Universität. Durch die Bologna-Reform hat sich der Ausbildungsaspekt deutlich verstärkt. Hilfreich bei der erfolgreichen Studienwahl sind deshalb Eignungstests, die nach der persönlichen Motivation und dem Berufsvorstellungen fragen.

Frage: Trifft die Studenten heute die Härte des Lebens schon im Studium?

Bormann: Es ist nicht die Härte, sondern die Freude des Lebens, die die Erstsemester erwartet. Wenn die Ziele sinnvoll gewählt worden sind, kann die Ausbildung auch Freude machen. Das Studium ist dafür da, die Entwicklung der Studierenden dahingehend zu unterstützen, dass sie später einen Beruf ausüben können, der ihnen Spaß macht und ihr Leben mit Sinn erfüllt.

Frage: Die Proteste im Winter waren Ausdruck der Unzufriedenheit der Studenten. Können Sie Anfängern die Angst vor Leistungs- und Prüfungsdruck nehmen?

Bormann: Ich habe mit vielen Studierenden gesprochen, und ich habe den Eindruck, dass die Proteste nur von einer geringen Zahl inhaltlich voll geteilt werden. Die meisten fühlen sich wohl und empfinden das Studium als eine positive Herausforderung. Dazu gehören auch Prüfungen, die den Studierenden ermöglichen, ihren Leistungsstand realistisch einzuschätzen. Beim Übergang von der Schule an die Universität und beim Beginn eines neuen Lebensabschnitts versuchen wir jungen Studierenden durch gute Betreuung zu helfen.

Frage: Sie wollen die Lehre verbessern. Wie können die Studenten die Qualität der Lehre beurteilen?

Bormann: Der Erfolg guter Lehre lässt sich vor allem daran messen, dass die jungen Menschen sich persönlich und fachlich weiterentwickeln und nach dem Studium gute Berufsaussichten haben. Gleichzeitig muss es so sein, dass sich die Studierenden motiviert fühlen, eigenständig zu lernen und sich zu engagieren. Neben der Zufriedenheit der Studierenden ist deshalb die Abbrecherquote ein wichtiges Kriterium.

Frage: Wie sehen sie mit einigen Monaten Abstand, dass die Studenten in ganz Deutschland auf die Straße gegangen sind und Hörsäle besetzt haben – auch in Bayreuth?

Bormann: Ich finde die Reaktion der Studierenden auf die Unterfinanzierung der Hochschulen nach wie vor richtig. Faktisch sind die Mittel für Lehre und Forschung in den letzten beiden Jahren um 17 Prozent reduziert worden. Das ist eine bedenkliche Entwicklung, die Probleme aufwirft. Dass dies die Studierenden unangenehm zu spüren bekommen, kann ich gut nachempfinden.

Frage: Falsch aber ist aus Ihrer Sicht die Forderung zur Abschaffung oder Senkung der Studiengebühren.

Bormann: Es ist klar, dass gute Rahmenbedingungen für die Lehre auch Geld kosten. Tutorenprogramme werden beispielsweise zum Teil aus Studienbeträgen bezahlt. Die Grundlast wird vom Ministerium gedeckt, aber für eine weitere Verbesserung der Lehre brauchen wir die Studienbeiträge. Eine Abschaffung oder auch Senkung der Beiträge würde dazu führen, dass sich die Studien- und Lehrbedingungen verschlechtern würden. Deswegen halte ich diese Forderung zu diesem Zeitpunkt für nicht zielführend.

Frage: Die Mehrheit der Bayreuther Studenten wünscht sich dennoch die Senkung von 500 auf 300 Euro.

Bormann: Ich habe bisher wenig sachlich fundierte Argumente für eine Reduzierung gehört. Zudem basierte die Forderung auch auf der Voraussetzung, dass der Differenzbetrag vom Staat kompensiert wird. Hier sehe ich im Moment aber wenig Chancen die fehlenden 200 Euro vom Ministerium zu bekommen. Eine Entscheidung über den Antrag der Studierenden fällt frühestens im Juni im Senat der Universität. Übrigens: An den Abstimmungen, die zu der Forderung nach einem Absenken der Studienbeiträge geführt hatten, hat sich ein Viertel der Studierenden der Universität Bayreuth beteiligt.

Frage: Sie verstehen die Verwendung von Studienbeiträgen als Standortvorteil. Sollte das Geld der Studenten auch zum Bau von Gebäuden ausgegeben werden?

Bormann:
Das Land wird immer versuchen, alle notwendigen Baumaßnahmen zu finanzieren. Zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten für selbstständiges Lernen werden aber ein Thema sein, das uns zunehmend beschäftigen wird. Ich wünsche mir hier die Unterstützung der Studierenden durch eigene Initiativen.

Frage: Wenn die Kritik berechtigt war: Was sind die zählbaren Ergebnisse des Bildungsstreiks an der Uni Bayreuth?

Bormann: Ein Hauptkritikpunkt war die hohe Prüfungsdichte. Dem gehen wir weiter nach. Es muss eine Balance gefunden werden zwischen dem hilfreichen Feedback, wo die Studierenden jeweils stehen, und der persönlich als zu hoch empfundenen Belastung – auch für die Lehrenden. Die Kommission hat nun die Aufgabe, ein studiengangspezifisches Gleichgewicht zu finden – und muss dabei auch die Auswirkungen auf die Mobilität während der Studienzeit berücksichtigen.

Frage: Wie weit bringen sich die Streikenden heute noch ein?

Bormann:
Ich habe immer gefordert, dass sie ihre Vorschläge in das Studierendenparlament einbringen und dass diese dort besprochen werden müssen. Sie können nicht als separate kleine Gruppe auftreten und beanspruchen, die Meinung aller Studierenden zu vertreten.

Frage: Bayreuth brennt war das Motto des Streiks. Lodert das Feuer aus ihrer Sicht noch?

Bormann: Wir brauchen die Erfahrungen und Anregungen der Studierenden bei der weiteren Verbesserungen der Lehr- und Studienbedingungen. Das ist ein Jahre langer Prozess und ich werde deshalb dafür sorgen - um im Bild zu bleiben - , dass die Energie erhalten und nicht verschwendet wird. Wir wissen aus anderen Zusammenhängen, dass Energieverschwendung Auswirkungen auf das Klima hat. Ich möchte, dass das konstruktive Klima an unserer Universität erhalten bleibt.




Artikel posten

Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Webnews Bookmark bei: Icio Bookmark bei: Oneview Bookmark bei: Favoriten Bookmark bei: Favit Bookmark bei: Linksilo Bookmark bei: Readster Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Reddit Bookmark bei: StumbleUpon Bookmark bei: diigo Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Digg Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Shortnews Bookmark bei: Google Bookmark bei: Facebook mit Twitter versenden




Kommentare

Dies ist eine Nachricht aus unserem Archiv.
Es können daher keine neuen Kommentare verfasst werden.


mehr zum Thema
zurück   weiter


KURIER-NEWSTICKER
SONDERTHEMEN

Kurier-Liveticker

Ankommen in Bayreuth

Kurioses

Aus der Schatz-Truhe

Kurier-Model

1

KURIER-TV
BT24 - Die Region von A-Z
null
null
null
BAYERISCHER RUNDFUNK
Rundschau News
BayernwetterVerkehr in Bayern

 




MONEYSPECIAL
Facebook - Twitter - Mobil
DIGITALE BEILAGEN
Tschakka-Bay Ku-Leserreisen Kinder-Kurier 08 Kurier Card Ratgeber Gesundheit FZ Baumagazin 211 Modernisieren 2011 Wonneproppen 2011 Kurier Shop 2011 Weihnachtliches BT Kurier Card FZ Baumagazin 211 Wirtschaft 10 2011 Weihnachtliches BT Bauen und Wohnen Ausbildungsmesse in Bayreuth 6.City-Autosalon Pegnitz Ratgeber Gesundheit Service-König 2011 Heimat-Kurier Maisels FunRun Heimat-Kurier Kurier Shop Bauen u.Wohnen 2011 Leserreisen BBC-Magazin Umwelt u. Energie
Tschakka- Bay
Ku-Leser- reisen 11-2011
Kinder-Ku 01-2012
Genießer- pass 2012
Ratgeber Gesundh. 2012
Faszina- tion 3D 2011
Moderni- sieren 11-2011
Wonne- proppen 2011
Kurier Shop 2011
Weihnachtl. Bayreuth 2011
Ku-Card 11-2011
FZ Bau- magazin 2011
Wirtschaft 10-2011
Ortsport. Bindlach 2011
Bauen u. Wohnen 09-2011
Ausbildungsmesse in Bayreuth
Autosalon Pegnitz 2011
Top-Arbeit- geber
Service- König 2011
VG Mistelbach 05-2011
Maisels FunRun
Heimat-Ku 02-2011
Kurier Shop
Baumesse 2011
Leser- reisen
BBC- Magazin 2010
Umwelt u. Energie
UMFRAGE

Der Winter kam doch noch. Draußen ist es bitterkalt. Gefällt Ihnen das Wetter oder hätten Sie es lieber wärmer?

Minus 19 Grad? Spitze! Das ist das perfekte Wetter für den Januar...
Brrrrrr... Das ist mir viel zu kalt. Ich bin für Temperaturen über null Grad!
Die Temperaturen sind mir egal! Aber etwas mehr Schnee könnten wir noch vertragen!
Ich will, dass der Winter jetzt vorbei geht! Ich will Sommer, Sonne, Kreuzsteinbad...
Info
Medienführerschein
1
KINO-NEWS

WEITERE ONLINEPORTALE

zum Seitenanfang
www.bayreuth.de | www.festspiele.de | www.bt24.de