14.04.2010, 14:50 Uhr
Von Sönke Remmert
BAYREUTH. Zwei selten gespielte Werke Max Regers standen am Dienstag auf dem Programm eines Konzerts im Orgelsaal der Hochschule für Evangelische Kirchenmusik. Das Konzert fand im Rahmen des diesjährigen Regerforums der Musikhochschule Bremen statt. Beide Kompositionen des Abends tragen den gleichen Titel: „Introduktion, Passacaglia und Fuge“. Die eine ist für zwei Klaviere konzipiert, die andere für Orgel. So liegt es nahe, dass beide Werke viel Gemeinsames haben.
Dies trifft auch durchaus zu. Vorbild beider Kompositionen ist Johann Sebastian Bachs berühmte „Passacaglia und Fuge“ c-Moll BWV 583. Dementsprechend hängt bei beiden
Kompositionen das thematische Material aller drei Teile eng miteinander zusammen.
Während im Klavierzyklus sich das Tasteninstrument einer orgelmäßigen Vorstellung nähert, steigert sich in der Orgel-Trias der Klang eines einzelnen Instruments zum teils
Bruckner- oder Wagner-nahen Orchester-Gefühl. Hat die Klavier-Fuge stellenweise den Anschein eines witzigen Kehraus, so begegnet uns in der Orgel-Fuge ein hochkomplexes, an Bruckner
erinnerndes Gebilde, das sich gegen Ende zu einer Doppelfuge steigert.
Grandioses Zusammenspiel
In Bayreuth konnte man geniale Interpretationen dieser beiden Werke erleben: Der Klavier-Zyklus Op. 96 wurde von Kurt Seibert, der seit 2000 in Bayreuth aus den Projekt-Konzerten im
Steingraeber-Haus her bekannt ist, gemeinsam mit seinem Sohn Christian Seibert dargeboten. Grandios war das detailgenau aufeinander abgestimmte Zusammenspiel dieser beiden Pianisten, besonders
angesichts der Komplexität speziell der Fuge, aber auch der Passacaglia.
Im Orgelzyklus Op. 127 konnte man den ersten öffentlichen Konzertauftritt von Mareile Schmidt als neue Bayreuther Orgelprofessorin bewundern. Die 27-Jährige zeigte sich als
ausgesprochen vielversprechende Organistin. Hervorzuheben ist ihre stupende Registrierkunst und die geschickt eingesetzten Tempowechsel. Mareile Schmidt ging mit der Orgel in diesem sehr
symphonischen Werk so souverän, so differenziert um, wie es Wilhelm Furtwängler Mitte des 20. Jahrhunderts bei Beethoven und Wagner mit dem Orchester tat. Man kann sehr gespannt sein,
wie Mareile Schmidt künftig in der Hochschule für Kirchenmusik andere Großmeister wie Bach oder Messiaen präsentieren wird.
Die Veranstaltung zeigte: Wer aufgeschlossen ist für eine strenge, stark von Chromatik und großer Polyphonie geprägte Musik, für den gibt es bei dem aus dem Fichtelgebirge
stammenden Reger noch enorm viel zu entdecken.
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