14.03.2010, 13:55 Uhr
Von Jürgen Schott
BAYREUTH. Bauch, Beine, Po, Brust, Rücken und Schultern trainiert Manuel Lauterbach. Überall sollen Muskeln sein, kein Gramm Fett.
Trainingssucht
„Jeder starrt dich an“ Diese Muskelmasse wird bewertet, ihre Symmetrie, die Vaskulösität (Hervortreten der Venen) ebenso. „Da starrt dich jeder an – furchtbar!“, kommt von Lauterbach ein bemerkenswerter Satz. Und was ist mit der Lust, bewundert zu werden ob einer traumhaften Figur? „Ach wo, ich muss nicht ständig damit angeben, bin im Sommer auch höchstens dreimal im Freibad. Ich mache diesen Sport für mich, weil er mir Spaß macht. Diese Lust aufs Training – das ist fast schon eine Sucht“, gesteht der Flaschner („13 Jahre bei derselben Firma“, wie er anmerkt).
Zwei Wochen Pause habe er sich mal gönnen wollen – läppische zwei Tage sind herausgekommen, dann hat ihn die Sucht wieder im Griff gehabt. „Jede Pause wirft dich zurück“, kommentiert der Sportler dies. Seit acht Jahren trainiere er täglich jeweils rund 90 Minuten. Mit Bankdrücken und Hanteln werden dann Brust, Bi- und Trizeps gestärkt. Das alles geschieht im Fitnessstudio, der Crosstrainer daheim ist dazu da, um dank Bewegung Wasser und Fett im Körper zu reduzieren.
Fünf Monate Diät
Die kaum drei Prozent Körperfettanteil bringt Lauterbach ja auch nicht immer, sondern nur zu den Wettkämpfen. Und um von weit über 100 auf die 86 Kilo zu kommen, ist eine fünfmonatige Diät nötig: erst fast ohne Kohlenhydrate, dann wird literweise Wasser hineingeschüttet, um schließlich die Flüssigkeitszufuhr einzustellen und löffelweise Reis zu futtern. „Der hat den Effekt, dass die Muskeln stärker hervortreten und ein pralles Aussehen bekommen“, erklärt der Athlet.
Ob das alles gesund ist? „Das mag ich nicht beurteilen“, antwortet Lauterbach. „Der Arzt sagt jedenfalls, dass meine Blutwerte völlig okay sind.“ Und über die aktuellen Salatpreise ist er während seiner Diätphasen auch immer bestens informiert . . . Wäre auch eine andere Sportart für ihn infrage gekommen? „Fußball habe ich ausprobiert, das liegt mir nicht so.“ Und Basketball war auch nichts. „Ich bin eben kein Teamsportler, ich mache lieber was für mich allein“, sagt der Athlet.
"Anfangs unsicher beim Präsentieren"
Wettkämpfe aber – er startet im Verband NAC Germany – müssen sein, um dem geliebten Training einen Sinn zu geben. Und dann hat sich eben auch ein Manuel Lauterbach bei der Kür eine Minute lang allein auf der Bühne zu präsentieren, damit die Kampfrichter einen Eindruck bekommen und vergleichen können. „Anfangs war ich dabei sehr unsicher. Diese Zeit kommt einem dann wie eine Ewigkeit vor“, sagt der Bayreuther.
Er sagt aber auch: „Deutscher Gesamtsieger in der Kategorie Athletik und das gegen den Mister Universum von 2008, Thomas Häge – das wird man nicht einfach so“, und ist stolz auf seine Erfolge in seiner erst zweiten Wettkampfsaison, zu denen auch ein siebter Platz bei der WM 2009 und Rang sechs beim Wettbewerb „Mrs. & Mr. Universum“ zählt.
Muskeln auch ohne Doping
In den nächsten Jahren soll es natürlich noch höher hinaus gehen. „Wobei bei uns im Amateurbereich nicht das große Geld zu verdienen ist. Dieser Sport wird, obwohl man ihn mit enormer Disziplin und großen Anstrengungen betreibt, wohl immer im Hintergrund bleiben.“ Weil gedopt wird? Lauterbach: „Natürlich unterstellen uns das viele. Aber ich entgegne: Man kann solche Muskeln auch mit harter Arbeit und Disziplin aufbauen.“
Arbeit, die bisweilen in Verbindung mit dem Hungern für schlechte Laune sorgt und sich negativ aufs Privatleben auswirken kann. „Wer mit einem Bodybuilder zusammen ist, braucht viel Geduld“, formuliert es der 30-Jährige. „Deshalb ein großes Dankeschön an alle, die mich unterstützen und es mit mir aushalten.“
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