13.03.2010, 17:00 Uhr
Von Hemut Ölschlegel
BAMBERG. Jean Michel Jarre, elektronischer Musiker der ersten Stunde, hat am Freitag seine Laser-Sound-Collagen präsentiert.
Auf seiner Tournee „2010“ begibt sich der Multivisionskünstler seit Anfang März erstmals bewusst auf eine Welttournee durch die großen Hallen zahlreicher Städte. Bamberg ist dabei zwischen der Color Line Arena in Hamburg und der Olympiahalle in München der kleinste Auftrittsort auf seiner Reise durch fünf deutsche Städte. Gabi Heyder vom Veranstaltungsservice Bamberg freute sich deshalb besonders, dass es gelungen ist, diesen Ausnahmekünstler nach Bamberg zu holen, auch wenn es finanziell zum Draufzahlgeschäft wurde.
„Godfather of Electronic Music“
In der Jako-Arena lud der Pionier der Synthesizermusik - von seinen Verehrern als „Godfather of Electronic Music“ bezeichnet - mit dem „Intro L´ouverture“ sein Publikum dazu ein, eine Reise in sein eigenes Universum voll mystischer Klänge und Visionen zu unternehmen und ganz in seine Welt aus „Les Chants Magnetiques“ voll elektronischer Musik und fantastischen Bildern einzutauchen. Laserblitze durchzuckten die Halle und faszinierende Lichtkörper zauberten optische Effekte zu sphärischen Klängen mit raffiniert inszenierten Tonbild-Collagen – zauberhaft seine Laserharfe.
Zwar zelebrierte der Multiinstrumentalist seine Musik mit drei weiteren Musikern - Francis Rimbert (synth.), Dominique Perrier (key.) und Claude Samard (dr., b.) - auf der Bühne live, doch unter Zuhilfenahme vorprogrammierter Loops und computeranimierter Sounds. Verschiedenartige Keyboards dienten dazu, über die zahlreichen, übereinander gelegten Samples Melodien einzuspielen, die vielfach vorarrangiert waren, aber zum Teil auch frei improvisiert erschienen.
Avantgarde von gestern
Jarres Anspruch war es, seine neue Hallenproduktion mit der Energie seiner Makro-Konzerte und den darin enthaltenen Emotionen zu verbinden, was ihm in Bamberg phasenweise gelang. Zeitkritisch anspruchsvoll sein „Statistics Adagio“. Auf Dauer konnten jedoch seine flirrenden optischen Effekte und komplexen Soundcollagen auch anstrengend wirken. Was einst Staunen hervorrief, wirkt heute mehr wie Avantgarde von gestern. Hier schieden sich auch die Geschmäcker zwischen handgemachter Instrumentalmusik und künstlichen Keyboardsounds zu Computer-Elektronik deutlich voneinander.
Das Repertoire des französischen Exzentrikers erstreckte sich auf Versatzstücke seines Lebenswerks, von seinem erfolgreichen Debut „Oxygène“ aus dem Jahre 1976 über „Equinoxe”, „Magnetic Fields” bis zu den „Souvenirs of China“ von 2004 mit vielen Windungen und Wendungen, wie sie sich auch im Laufe seiner Karriere im Wechsel seiner Plattenfirmen, seiner musikalischen Mitstreiter als auch seiner Lebenspartnerinnen niederschlugen. Die Fülle der künstlich erzeugten visuellen Reize und akustischen Signale hinterließen am Ende einige Ambivalenzen zwischen Bewunderung und Skepsis.
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