10.03.2010, 12:42 Uhr
Von Christina Knorz
BAYREUTH. Ihre Bilder haben Sogwirkung: Wenn sich Raïssa Venables einen Schrank, eine Treppe oder einen Saal vor die Linse ihrer Kamera holt, verwandeln sie sich. Alltägliches wird magisch, lebendig, aber auch gruselig. Die New Yorkerin lockt den Betrachter wie das weiße Kaninchen bei „Alice im Wunderland“ in das geheime Eigenleben von Räumen, sobald der Mensch sie verlassen hat. Gestern besuchte sie die Villa Wahnfried, um sie zu fotografieren. Am 21. Oktober zeigt die Campus Galerie ihre Arbeiten.
Die Künstlerin ist fasziniert von Räumen als Körper, ihrer Textur, ihren Linien und Farben. Durch die digitale Bearbeitung einzelner Fotografien und deren Zusammensetzung werden
die Räume zu Organismen. Begonnen hat Raïssa Venables nach ihrem Kunststudium mit Innenaufnahmen eines Hauses, das sie aus Kindertagen kannte. Es gehörte einer Malerin und
Bildhauerin, die ihr Zuhause in ein Kunstwerk verwandelt hatte. Sie tapezierte Decken, fügte winzig kleine Fenster am Boden ein. Aus dem Badezimmer konnte man zum Beispiel durch eine winzige
Tür am Boden auf den kleinen Fischteich im Foyer des Hauses gucken. Der Aufnahme von privaten, intimen Räumen – Badezimmern, Betten, Schränken – folgten Bilder
öffentlicher Gebäude. New Yorks Grand Central Station hat sie in etlichen Einzelteilen fotografiert und mit leichter Verzerrung der Bildlinien wieder zusammengesetzt. Kirchen sind
darunter, Häuserschluchten und nun auch die Villa Wahnfried.
Die 31-Jährige ist für eine Woche auf Foto-Tour durch Deutschland, um sich Material für neue Bilder zu besorgen. Aber auch um Lücken zu schließen in Bildern, die bereits
in Arbeit sind. In die Dresdner Frauenkirche will sie noch mal, das Fasanenschloss in Moritzburg in Sachsen reizt sie – dort soll es einen Raum mit Tierköpfen an den Wänden geben.
Die Villa Wahnfried interessiert sie als Tempel Richard Wagners. „Dieses Haus ist eine Bühne, es ist voller wertvoller Erinnerungen und das gibt ihm eine besondere Atmosphäre und
die Räume sind visuell sehr interessant.“ Am Dienstag gab ihr Museumsdirektor Dr. Sven Friedrich eine Tour durch alle Zimmer und erklärte ihre Funktion. Gestern verbrachte die
Fotokünstlerin den ganzen Tag dort.
Zurück in New York wird sie die Bilder ausdrucken, beschneiden und in Vorstudien zusammenkleben. Wenn ihr gefällt, was sie sieht, geht es am Computer an die Feinarbeit. Ihre Bilder
enthalten am Ende zwischen vier und 60 Einzelaufnahmen. Ob Raïssa Venables Wahnfried als Kunst-Foto im Herbst mit zu ihrer Ausstellung nach Bayreuth bringen wird, steht noch nicht fest. Aber
sie ist optimistisch. „Die Halle und der Saal sind großartig. Das wird bestimmt was.“
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