09.03.2010, 17:57 Uhr
BERLIN. Sie ist eine Karrierefrau und zahlte dafür mit einem Hörsturz. Miriam Meckel war die jüngste Professorin Deutschlands, Regierungssprecherin und Staatssekretärin, heute lehrt sie in der Schweiz. Sie hat Bücher geschrieben, geforscht, gelehrt, Kongresse bereist und nebenher eine Talkshow moderiert. 15 Jahre lang hat die Medienwissenschaftlerin Karriere gemacht, buchstäblich bis der Arzt kam. Die Diagnose: Burnout. Sie ist vollkommen überreizt.
Über diese Erfahrung und den Aufenthalt in der Klinik hat die 42- Jährige ein analytisches und persönliches Buch geschrieben: „Brief an mein Leben“. Dass Meckel auch
als Freundin von Anne Will bekannt ist, wird einige Leser neugierig machen. Eine große Rolle spielt es nicht.
Meckel hat in „Das Glück der Unerreichbarkeit“ (2007) noch vor Frank Schirrmacher die Tücken des Handyzeitalters und des „Multitasking“, des
Alles-auf-einmal-schaffen-Wollens, beschrieben. Die moderne Welt und der ständige Stress, in der Informationsflut etwas zu verpassen, sind schwer zu meistern. Das weiß sie, aber:
„Zwischen Wissen und Anwenden klafft im Leben häufig eine tiefe Kluft.“
Medizinischer Stubenarrest
Das Leben war für Meckel eine einzige logistische Herausforderung. Um vier Uhr nachts aufzustehen, um Mails zu schreiben – das kann nicht gesund sein. So klappt die Karrierefrau eines
Tages zusammen. Der Körper rebelliert. Das Brummen kommt nicht von der Heizung, es ist in ihrem Kopf. Die Kommunikationsexpertin, die alles aufsaugt und sogar an der Warteschlange an der
Kasse liest, landet in einer Klinik im Allgäu beim „medizinischen Stubenarrest“. So beginnt das Buch: mit der Erfahrung, wie es ist, nichts zu tun, nichts zu hören und zu
lesen. Wie es ist, wenn die Welt aus Müsli mit Dinkelflocken und Rehen vor dem Fenster besteht.
dpa
Dies ist eine Nachricht aus unserem Archiv.
Es können daher keine neuen Kommentare verfasst werden.
| BBC-Spieler Ekene Ibekwe trifft jungen Fan 08.02.2012 |