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08.03.2010, 17:05 Uhr

 

Richard-Wagner-Museum kauft Handschriften zu „Lohengrin“ und „Parsifal“

Von Christina Knorz

BAYREUTH. Am Montag hat Museumsdirektor Dr. Sven Friedrich zwei wertvolle Neuerwerbungen im Richard-Wagner-Museum vorgestellt.

 

Regierungspräsident Oberfrankens Wilhelm Wenning, der Geschäftsführer der Oberfrankenstiftung in Bayreuth Eckard Wiltsch, Dr. Sven Friedrich als Leiter der Richard-Wagner-Gedenkstätte und Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl am Montag in der Villa Wahnfried. Fotos: Lammel
Regierungspräsident Oberfrankens Wilhelm Wenning, der Geschäftsführer der Oberfrankenstiftung in Bayreuth Eckard Wiltsch, Dr. Sven Friedrich als Leiter der Richard-Wagner-Gedenkstätte und Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl am Montag in der Villa Wahnfried. Fotos: Lammel
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  Der Bestand wächst. Am Montagnachmittag hat Museumsdirektor Dr. Sven Friedrich zwei wertvolle Neuerwerbungen im Richard-Wagner-Museum Bayreuth vorgestellt. Mit finanzieller Unterstützung der Oberfrankenstiftung konnten Blatt 13 aus der Kompositionsskizze des „Lohengrin“ von 1846 und ein Skizzenblatt zu „Parsifal“ vom 13. November 1877 erworben werden.

„Ich bin sehr froh, dass wir diese Blätter für Wahnfried sichern konnten“, sagte Friedrich im Beisein von Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl, Regierungspräsident Wilhelm Wenning und Eckhard Wiltsch, Geschäftsführer der Oberfrankenstiftung. Es gehe darum, der Wissenschaft einen Dienst zu erweisen und die Handschriften für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Originale lagern zwar im Tresor, Mikrofilme sind aber der Forschung zugänglich, zudem werden sie philologisch ausgewertet. In Privatsammlungen seien solche Stücke verloren, sagte Friedrich. Sie gehörten der Allgemeinheit.

Erst Bleistift, dann Tinte

Das 13. Blatt der Kompositionsskizze des „Lohengrin“ ersteigerte Friedrich bei einer Auktion in Wien für knapp 35.000 Euro. Das Blatt war der Forschung bekannt, galt aber als verschollen. Siegfried Wagner hatte es einer nicht näher bekannten Privatperson geschenkt, was öfters vorkam, so Friedrich. Auf dem Blatt notierte Wagner die Gesangsstimme der fünften Szene im zweiten Akt, nebst der Orchesterskizze. Vage zu erkennen ist Wagners Arbeitsweise, erst mit Bleistift und danach mit Tinte zu schreiben.

Bereits vor zwei Jahren konnte der Museumsdirektor ein „Lohengrin“-Blatt erwerben. Damals allerdings für knapp 47.000 Euro, da von der Existenz des Blattes bis dahin niemand wusste. „Immer wieder tauchen Blätter auf“, sagte Friedrich. „Ich weiß nicht, was sich noch alles in der Familie oder im Umkreis befindet.“ Er warte immer noch auf das fünfte Blatt der Kompositionsskizze, die im Privatbesitz von Adolf Hitler gewesen sei. „Wenn wir das haben, finden wir auch die Partituren“, ist Friedrich überzeugt. „Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass sie vernichtet wurden.“

Bei dem „Parsifal“-Blatt handelt es sich um ein Notat, eine Vorstudie auf einem „Schmierzettel“, wie sie Wagner überall herumliegen hatte, so der Museumsdirektor. Auf ihm ist der Anfang der Orchesterbegleitung des stummen Gebets Gurnemanz’ notiert sowie der Anfang der Orchesterbegleitung seiner Erzählung. Durch Cosima Wagners Tagebuchaufzeichnungen wisse man genau, wann Wagner in Wahnfried diese Themen mit lila Tinte notierte: Am 13. November 1877 präsentierte Wagner seiner Frau das Blatt mit den beiden Themen. Auf der Rückseite finden sich noch einige Themen, die Wagner nicht für den „Parsifal“ brauchte. „Es war nicht einfach herauszufinden, aber es sind Sinfoniethemen“, sagte Friedrich. „Er wollte sie offenbar später noch verwenden.“

Inspirationsmoment dokumentiert

Besonders ist das Blatt für das Richard-Wagner-Museum nicht nur, weil es genau an Ort und Stelle entstand – ein Ziel des Museums ist es schließlich die Sachen zusammenzutragen die für Bayreuth wichtig sind – das Blatt ist auch deshalb reizvoll, weil es den Moment der Inspiration dokumentiere, so Friedrich. „Sobald ihm etwas einfiel, notierte er es. Und dies hier ist mit Sicherheit die erste Notation der beiden Themen.“

Große Dankbarkeit bezeugten Hohl und Friedrich der Oberfrankenstiftung. „Ohne sie können wir keinen Schnaufer mehr tun“, sagte Friedrich. Da das Museum kaum mehr über einen eigenen Anschaffungsetat verfüge. Hohl dankte der Stiftung für ihre „großartige Unterstützung“. Sie trage zum Ruhm des Hauses und der Leistungsfähigkeit des Archivs bei. Das „Parsifal“-Blatt kaufte Friedrich für gut 27.000 Euro vom Stuttgarter Antiquar Dr. Ulrich Drüner, der den Fund für Bayreuth zurückgehalten hatte.




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