08.03.2010, 13:19 Uhr
Von Heike Schwandt
BAYREUTH. Es war das – vorerst – letzte Mal, dass die Studiobühne Bayreuth zu einer Lesung der Tragikomödie „Indien“ in den Theaterkeller eingeladen hatte. Dennoch war es so etwas wie eine kleine Premiere, denn erstmals stieß Wolfram Ster zu dem bewährten Duo Markus Leclaire und Dominik Kern und übernahm die Rolle des Sprechers und der Nebenrollen.
Bekannt geworden ist das Stück der beiden österreichischen Kabarettisten Josef Hader und Alfred Dorfer durch den 1993 gedrehten gleichnamigen Film, der mit großem Erfolg in den
deutschsprachigen Kinos lief. Der Streifen entstand aus dem Theaterstück „Indien“ von 1991, aus dessen Manuskript Leclaire, Kern und Ster am Sonntagnachmittag lasen.
Die beiden Hauptfiguren – der kleinbürgerliche, bestechliche, versoffene und zu Gewalt neigende Heinz Bösel und der ewig plappernde, im Grunde aber biedere Kurt Fellner mit seinem
selbst gebastelten Yuppie-Touch – sind durch die Autoren und Darsteller des Films, Hader und Dorfer, so prägnant besetzt, dass es schon einer guten Portion an Mut bedarf, sie neu in
Szene zu setzen. Zumal der österreichische Zungenschlag und die vielen Dialektausdrücke eine weitere Herausforderung darstellen. Umso mehr Lob ist Leclaire und Kern zu zollen, die mit
Verve und Spielfreudigkeit diese ebenso gescheiterten wie komischen Charaktere interpretierten und nicht versuchten, zu imitieren.
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