25.02.2010, 14:44 Uhr
Von Frank Piontek
BAYREUTH. Joachim Schultz hat mit seinen Studenten zahlreiche Proben des „l’esprit francais“ gesammelt.
Joachim Schultz hat zusammen mit seinen Studenten zahlreiche Proben des „l’esprit francais“, des „französischen Geistes“ zusammen gesammelt, übersetzt und innerhalb der an der Universität Bayreuth herausgegebenen Reihe HAGEL, d.h. der Hefte für angewandte Literaturwissenschaft zum Druck befördert. Der Titel sagt nicht alles, aber viel: „Zwischen Ironie, Satire und Zynismus“.
Die Kollektion der Aphorismen und Maximen, also der kleinen geistreichen Sprüche und Leitsätze, gehört natürlich zu jener Kulturwissenschaft, die auch darin wertvoll ist, als dass sie uns – in einer höchst fröhlichen Anthropologie – Wesentliches über den Menschen mitzuteilen vermag: über den, der spricht, wie über den, der charakterisiert wird.
Zwei Sammlungen als Grundlage
Grundlage waren den Studenten zwei Aphorismensammlungen, die nicht nur die bekannten Moralisten des 17. und 18. Jahrhunderts enthält. Wir begegnen auf dem zynischen, gesellschaftlich leicht
schlüpfrigen Terrain bekannten Autoren der Ironie wie Jules Renard, Gustave Flaubert, Sascha Guitry, Balzac, Cocteau, Baudelaire und Cioran, aber auch hierzulande unbekannten
Größen: Alphonse Allasi („Die Statistik belegt, dass die Sterblichkeitsrate in der Armee in Kriegszeiten erheblich ansteigt“), Malcolm de Chazal („Der Teufel ist die
vierte Dimension der Kirche“) und Edouard Herriot („Kultur ist, was bleibt, wenn wir alles vergessen haben“).
Besonders entzückend und spitz sind die Auszüge aus dem „Kleinen Wörterbuch der Geistesblitze ... und der Gemeinheiten“, das 1878 von Adrien Decourcelle
veröffentlicht wurde. Beigegeben wurden die originalen Zeichnungen von Bertall, einem typisch französischen Karikaturisten des 19. Jahrhunderts. Die Sammlung erscheint daher, sehr
passend, zur derzeit laufenden Ausstellung im Plakatmuseum. Hier geht es um die satirische Tradition Frankreichs: von Honoré Daumier zu Anne Reiser.
Das alles ist sehr ironisch, also sehr wahr. Ironie: das wären, schrieb Decourcelle, die „Krallen des Lobs.“ Insofern mag auch diese kleine Besprechung des schlicht, aber
liebevoll gemachten Bandes nichts als ironisch sein, oder, um es mit einem der Lieblingsworte des Rezensenten abzuschließen: „Entzückend!!! Ah! Man könnte meinen, dass gerade
etwas Boshaftes gesagt wurde.“
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