23.02.2010, 10:00 Uhr
FRANKFURT/NÜRNBERG. Nach nur einem Tag wird der Pilotenstreik bei der Lufthansa ausgesetzt.
Darauf einigten sich gestern Abend das Unternehmen und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) vor dem Arbeitsgericht Frankfurt. Der Flugverkehr soll bereits heute wieder aufgenommen werden. Der Sonderflugplan bleibt allerdings vorerst in Kraft, mit Beeinträchtigungen ist noch zu rechnen. Die VC verpflichtete sich, den Streik bis zum 8. März auszusetzen.
"Wieder ins Gespräch kommen"
Damit ist der von Unternehmen und Passagieren befürchtete größte Streik in der Geschichte der deutschen Luftfahrt vorerst abgewendet. Cockpit hatte Streiks bis Donnerstag angekündigt. Nach dem Sonderflugplan der Lufthansa wären ohne die Einigung bis dahin rund 3200 Flüge ausgefallen. „Das ist unser Versuch, wieder ins Gespräch zu kommen“, sagte der Vorsitzende der VC-Tarifkommission, Thomas von Sturm. Die Gewerkschaft hatte bei der von der Lufthansa angestrengten Gerichtsverhandlung zudem eine Forderung in Bezug auf die Lufthansa Italia fallengelassen. Die Lufthansa hätte nach Vorstellungen von Cockpit Millionen zahlen sollen, sobald ein Jet ihrer Tochtergesellschaft von einem Piloten außerhalb des Konzerntarifvertrags geflogen wird.
Nun soll ausschließlich über Entgelte und Arbeitsbedingungen der Piloten gesprochen werden. Arbeitsrichterin Silke Kohlschitter hatte den Kompromiss vorgeschlagen, dass sich die Tarifpartner möglichst schnell und ohne Vorbehalte wieder an den Verhandlungstisch setzen sollten. Der Vergleich gilt für die bestreikten Gesellschaften Lufthansa, die Lufthansa Cargo und Germanwings.
Zahl der Flüge fast halbiert
Zuvor hatten die Lufthansa-Piloten am Montag große Teile des Flugverkehrs in Deutschland lahmgelegt. Die Zahl der Flüge hat sich fast halbiert. Zehntausende Passagiere waren betroffen. Die VC hatte mehr als 4000 Piloten in den Ausstand gerufen. Auf dem Flughafen Nürnberg fielen zehn der 50 geplanten Starts und Landungen aus, in München waren es rund 50 Prozent.
Nach einer Auswertung der Deutschen Flugsicherung (DFS) wurden am Montag zwischen 0.00 Uhr und 16 Uhr 1014 Flüge der Lufthansa im deutschen Luftraum gezählt. An einem vergleichbaren Montag waren es 1947 Lufthansa-Flüge.
Die Regionalpartner der Lufthansa waren von dem Streik nicht betroffen. Die Lufthansa hatte einen Ersatzflugplan aufgestellt, der unter anderem mit Hilfe von Piloten aus dem Management etwa ein Drittel des Flugverkehrs aufrechterhalten sollte. Die ebenfalls bestreikte Lufthansa-Tochter Germanwings teilte mit, drei Viertel aller Flüge hätten stattgefunden.
Das befürchtete Chaos an den Flughäfen blieb aus. Passagiere wurden teils auf andere Fluggesellschaften oder bei innerdeutschen Strecken auf die Bahn umgebucht. Die Bahn, die einige Zusatzzüge einsetzte, zählte aber nur geringfügig mehr Reisende auf den Strecken.
dpa
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