BAYREUTH. Kann man ehrenamtlicher Opernsänger sein? Anscheinend schon. Denn das Opernstudio Oberfranken ist Dach für „professionelle Sänger, die einem bürgerlichen Beruf nachgehen“, erklärt Anneliese Meyer-Adam, die vor 15 Jahren die Vereinsgründung vorantrieb. Gestern feierte das Opernstudio sein 15-jähriges Bestehen im Auktionshaus Boltz mit vielen ehemaligen und aktiven Sängern, Politikern und Freunden.
„Allen Unkenrufen zum Trotz gibt es uns noch“, rief Meyer-Adam in den Applaus der Festgäste. Jährlich eine Oper oder Operette auf die Beine zu stellen, Ausstattung und
Kostüme zu fertigen, Probenräume zu finanzieren und die Sänger für mehr als ordentliche Leistungen auszubilden, wurde ihnen offenbar nicht immer von allen Seiten
zugetraut.
In die Knie ging der Verein nur einmal vor einigen Jahren, als unbekannte Stücke eines weniger bekannten Komponisten auf dem Programm standen. „Tolle Musik, aber was das Publikum nicht
kennt, will es nicht hören“, weiß Meyer-Adam jetzt. Der Verein stand kurz vor der Pleite. Durch eine private Initiative schaffte es das Studio. Und lernte aus der Misere: Sie
bleiben nun bei den Kassenschlagern, auch wenn es viel Schönes jenseits der bekannten Pfade gibt. Aber Musiktheater koste eben gar nicht wenig, erinnerte Vorsitzender Dr. Harald Rehm gestern
Landrat Hermann Hübner und Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl. Die Vereinsmitglieder werden das nicht vergessen haben. Vor allem die nicht, die sich ungezählte Stunden im Jahr
unentgeltlich um die Musik kümmern, Auftritte organisieren, Ordnung in den Fundus bringen, Kostüme schneidern oder stundenlang Schnittchen für einen Empfang schmieren – eben
Vereinsarbeit machen.
Das Risiko aber ist ständiger Begleiter. Denn die jährlich ausverkaufte Vorstellung in der Stadthalle und der Besucheransturm in Trebgast werden zu Beginn der Produktion bereits
einkalkuliert und verplant. Ein Scheitern darf es da nicht geben. Aber bis auf das eine Jahr hatte der 45-köpfige Verein nicht nur Glück, sondern auch Erfolg. 15 Sänger schafften
über das Opernstudio die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule, einer sogar gleich die Festanstellung an der Hamburger Staatsoper – und das als gelernter Schlosser und
36-jähriger Quereinsteiger in den Sängerberuf. Wer am Sonntag Karl Schineis die Hand gab, merkte ihm am schraubstockartigen Händedruck noch das gelernte Handwerk an. Manchmal
vermisse er noch das Flexen und Schweißen, gibt der Tenor zu, aber er habe den Wechsel nie bereut.
Mathematiker und Angestellte, Ärzte und Beamte führt die ausgebildete Sängerin und Gesangsdozentin an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik im Opernstudio zum
professionellen Gesang. Zehn Jahre braucht es, betont Meyer-Adam, bis man einem Sänger eine Oper zutrauen könnte. Sie ist froh, dass viele ihrer Schützlinge aus den Anfangsjahren
noch dabei sind. „Die können das jetzt.“ Am 18. Juli kann sich jeder davon selbst ein Bild machen. Dann ist Premiere für Mozarts „Cosi fan tutte“ in der
Stadthalle. Dem Vereinsziel Kultur in den ländlichen Raum zu bringen, bleibe das Opernstudio selbstverständlich auch treu.
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