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08.02.2010, 11:58 Uhr

 

Angehende Deutschlehrer versuchen sich an Gedichten

BAYREUTH. Sechs Damen, zwei Herren – dies ist das Personal. „Aus den Stuben über Sterne. Traumwelten bei Jean Paul und anderen Dichtern“, dies ist der Titel. Arrangiert hat die Stunde in der Studiobühne Marieluise Müller, beteiligt sind acht Studenten, die sich allesamt (wieder) auf die Schule, auf den Deutschunterricht, aufs weitere Leben vorbereiten. Dass man Lyrik, will man sie recht verstehen, laut lesen, ja spielen kann, besser: muss, was sie auch mit dem Theater verbindet – diesen Beweis treten sie am Sonntagnachmittag an.

 

Jean Paul steht im Mittelpunkt, aber nicht weniger gewichtig sind Novalis und Edgar Allan Poe und E. T. A. Hoffmann. Die „Romantik“ schillert mächtig; sie führt nicht nur in die poetischen Höhen des oberfränkischen Dichters, in die Welten des „Titan“ und des „Quintus Fixlein“, in denen einem schon beim Zuhören fast schwindlig wird. Sie weist nicht nur ins Himmelblau und zur Blauen Blume, zur schönen Sehnsucht zwischen Wald und Strom, Baum und Wasser, Höhle und Quell, zu Bildern zwischen Tag und Traum. Sie wird auch zum Alb-Traum, wenn Hoffmanns Kinderschreck Coppelius nach frischen Augen verlangt oder Poes nächtlicher Erzähler den Schattengespinsten der Nacht erliegt. „Tiefes Schwarz auf Schwarz geschichtet“, dazu passt die schwarze, durch rote Elemente ergänzte Kleidung der Studenten. Alles nicht so lustig, oder doch? Am Ende gibt’s einen Nachschlag mit Ringelnatz: „Ein Sternschnüppchen pflanzen“, auch das kann so ein Traum sein.

Gedichte und poetische Prosa lesen ist eins, Gedichte spielen ein anderes, besseres. Dabei muss es durchaus nicht überpointiert zugehen. Das Gespräch zwischen dem schwärmerischen Heinrich von Ofterdingen und seinem, dem rationalen Kalkül vertrauenden Vater zeigt, wie nicht nur anschaulich, sondern auch subtil, große Texte der Literatur vermittelt werden können: pädagogisch durchaus nicht kompliziert, doch sinnfällig. Man braucht „nur“ zwei einigermaßen begabte Sprecher, man braucht für die „Rolle“ des Heinrich von Ofterdingen nicht einmal einen männlichen Interpreten.

Der Rest ist Ausdruck und eine angemessen pathetische Betonung, die klar macht, dass die Leser und Leserinnen wissen, was und warum sie hier lesen – und was gut für die zukünftigen Schüler sein wird, die durch Literatur lernen könnten, was die Begriffe „Ausdruck“, „Sprache“ und „Sinn“ – das Zweideutige, das Nichtzuendelesbare – bedeuten. Eine leise, doch merkliche Spannung entsteht plötzlich zwischen dem Publikum (sie sind wieder zahlreich zu Marieluise Müller gekommen) und den Sprechern. „Inniglich“ nennt man das, so heißt auch der Gedichtband von Bodenski (Michael Boden), aus dem frau ein eindrückliches Gedicht liest, nein: verwirklicht. Wer träumt wen? Die Frage, versehen mit dem doppelten Boden einer neuen Romantik, gebt verloren; es genügt an diesem kurzen, dichten Nachmittag, dass sie verstanden wird.



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