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05.02.2010, 16:30 Uhr

 

"Jetzt rette ich Seelen"

Von Alexander Gradl

BAYREUTH. Schlagerstar Semino Rossi kommt am Dienstag in die Oberfrankenhalle. Wir verlosen vier Deluxe-Editionen seiner CD.

 

Schlagerstar Semino Rossi verrät, wann er das letzte Mal ein Leben gerettet hat. Foto: nk

KURIER online: Herr Rossi, auf Ihrer Tour begleiten Sie wieder viele Leute, die Ihre Tournee vorher auch schon organisiert haben. Weiß jeder noch seine Handgriffe?
Semino Rossi: Ja, die Vorbereitungen laufen optimal. Wir sind eine große Truppe, mehr als 100 Leute, 35 Künstler auf der Bühne, ich habe diesmal Tänzer aus Argentinien mitgebracht, dazu eine Gruppe Mariachi aus Mexiko. Es wird eine tolle Show, die für jedes Publikum ein großes Repertoire an deutschen und spanischen Liedern liefern wird.

KURIER online: Der Auftakt ist am 9. Februar in der Bayreuther Oberfrankenhalle. Steigt die Spannung schon?
Rossi: Auf die Premiere in der Oberfrankenhalle freue ich mich sehr, da die Premiere immer etwas ganz besonderes ist. Ein bisschen Nervosität ist sicher auch dabei, aber auch Freude, dass die Tour losgeht. Und natürlich auch Spannung, da niemand weiß, wie das Publikum auf das neue Programm regieren wird. Der erste Auftritt ist der allerwichtigste Moment.

KURIER online: Können Sie sich an die Oberfrankenhalle noch von Ihren letzten Tourneen erinnern?
Rossi: Ja, wir waren schon öfter in Bayreuth und ich kann mich an ein sehr treues  und dankbares Publikum erinnern. Ich hoffe, dass viele Menschen wieder dabei sind, die auch die vergangenen Konzerte schon besucht hatten.

KURIER online: Hatten Sie auch die Möglichkeit, andere Seiten Bayreuths zu sehen, oder kennen Sie nur die Oberfrankenhalle und Hotel.
Rossi: Ich bin ehrlich gesagt fast immer nur im Hotel geblieben und habe lediglich eine kurze Runde durch die Stadt gedreht, da möchte ich Sie nicht anlügen. Im Tourneestress haben wir zwar die Möglichkeit, viele Städte kennen zu lernen, aber manchmal gibt die Zeit einfach nicht mehr her, denn wir fahren von einer Stadt zur anderen. So bleibt wenig Zeit, um mit großer Intensität eine Stadt zu erforschen. Höchstens an freien Tagen.

KURIER online: Am 9. Februar 2004, also vor genau sechs Jahren, ist Ihr erstes Album „Alles aus Liebe“ erschienen. Sind Sie seitdem voll und ganz in die Schlagerwelt eingetaucht?
Rossi: Ich bin froh und dankbar, dass ich in diese Schlagerwelt eintauchen durfte. Ich habe zwanzig Jahre spanische Lieder gesungen, in Hotels für Touristen irgendwo in Österreich. Seit ich Deutsch singe, habe ich das große Glück, dass ich in fünf Jahren Karriere 3,5 Millionen Platten verkauft und die große Tür aufgestoßen habe. Mein großer Traum ist in Erfüllung gegangen. Ich wollte in großen Hallen und Theatern für Menschen und singen, letztes Jahr haben mich 110.000 Leute gesehen und dieses Jahr sind bereits 130.000 Karten verkauft.

KURIER online: Warum hat es mit der deutschen Sprache geklappt?
Rossi: Ich denke die Musik ist ein Gefühl, die die Seele des Menschen berührt, die Sprache ist lediglich eine Nebensache. Ich hatte das Glück, dass im deutschsprachigen Raum die Leute das Gefühl kapiert haben, das in jedem Lied und jeder Interpretation von mir steckt. Dieses Gefühl hat keine Sprache und keine Grenze, ich glaube um das geht es, egal in welcher Sprache man singt. Man muss immer sein Gefühl interpretieren.

KURIER online: Ist der Grund, warum Sie trotzdem auch noch Lieder auf Spanisch singen der, dass Sie Sie sich gerne an die alte Zeit erinnern?
Rossi: Ich komme ja aus Argentinien und meine Muttersprache ist Spanisch. Zum Glück ist die spanische Sprache eine sehr beliebte Sprache. Die Lieder, die aus Spanien nach Deutschland und den Rest Europas gekommen sind, sind sehr beliebt, daher singe ich diese auch gerne. Wenn ich zum Beispiel „Granada“ oder eine spanische Version von „Spanish Eyes“ singe, dann kennen die Menschen die Songs und erinnern sich an schöne Momente, die sie mit diesen Liedern bereits verbracht haben.

KURIER online: Ist es so, dass man sich in seiner eigenen Sprache besser ausdrücken kann?
Rossi: Nein, ich verstehe ja die deutsche Sprache und weiß also, wovon ich singe. Ich bekomme bei „Tausend Rosen für Dich“ ebenso Gänsehaut wie bei „La canción de la paz“. Das Gefühl, das ich auf Deutsch ausdrücken kann, ist dasselbe wie auf Spanisch.

KURIER online: Sie haben es geschafft: vom Straßenmusiker auf die großen Bühnen. Welchen Einfluss hat dieser Werdegang auf Ihre Musik?
Rossi:  Ich habe vieles in dieser anderen Welt als Straßenmusiker gelernt und ich garantiere Ihnen, dass jedes Mal, wenn ich auf die Bühne trete und vor mir tausende Menschen sitzen und auf mich und meine Stimme warten, ich dankbar bin und ich mich an die Zeit erinnere, in der ich auf der Straße für ein paar wenige Leute gesungen habe. Das erste, was ich mir innerlich immer sage ist: „Danke lieber Gott, dass du mir diese Gelegenheit geschenkt hast, meinen Traum zu verwirklichen.“ In jedem Lied steckt also auch mein Dank.

KURIER online: Sie haben gesagt „Danke lieber Gott“. Sind sie ein sehr religiöser Mensch?
Rossi:  Ich bin kein sehr religiöser Mensch, aber ich glaube an Gott und das ist wichtig für mich. Ich denke, dass wir an Gott glauben müssen. Es gibt sicher etwas, das größer als wir ist und unseren Weg vorbereitet hat.

KURIER online: Zur Musik. Sie arbeiten seit sechs Jahren mit demselben Produzenten, Alfons Weindorf. Wie wichtig ist er für Sie und Ihre Arbeit?
Rossi: Um Erfolg zu haben, ist es wichtig, im Team zu arbeiten. Ich habe Alfons Weindorf vor sechs Jahren kennen gelernt und empfinde ihn als sehr professionell, ein sehr lieber Mensch mit viel Gefühl. Wir verstehen uns sehr gut, er weiß genau was ich will, welche Art von Liedern ich gerne mag, daher sind keine Kompromisse nötig. Dasselbe gilt für meinen Texter Bernd Meininger. Es ist einfach ein großartiges Team, das ich unbedingt behalten will. Heutzutage schafft es alleine kein Mensch mehr, man muss im Team arbeiten. Nur zusammen sind wir stark.

KURIER online: Wie läuft die Arbeit mit Bernd Meininger ab? Erzählen Sie ihm, wovon Sie singen wollen, was Sie denken, und er textet dann?
Rossi:  Manchmal schicken Fans Briefe, in denen Sie mir aus ihrem Leben erzählen, zum Beispiel dass sie ihren Mann verloren haben. Mit solchen Themen gehe ich zu Bernd und bitte ihn, ein Lied für Menschen zu schreiben, die einsam sind. Das Lied soll ihnen Hoffnung geben, dass irgendwann wieder ein neuer Mensch in ihr Leben treten wird. So entsteht ein Lied wie „Für jeden der einsam ist“. Oder ich sagte einmal zu Bernd, ich hätte gerne einen Song für jede Mama dieser Welt, und er hat „Tausend Rosen für Dich“ getextet. Es gibt auch Texte, die von ihm selbst kommen, da brauche ich ihm nicht einmal etwas erzählen, denn er weiß genau, was die Leute hören möchten. Er hat viel Erfahrung, weil er sehr viele Jahre im Geschäft ist.

KURIER online: Und Erfahrung ist sicherlich ein wesentlicher Bestandteil des Geschäfts. Immer wieder ist die Liebe Thema ihrer Lieder. Haben Sie nicht das Gefühl, irgendwann alles über die verschiedenen Facetten der Liebe gesungen und gesagt zu haben?
Rossi: Ich frage mich, wie oft ich zu meiner Frau „Ich liebe dich“ gesagt habe. Die Liebe hat keine Grenzen, der Ausdruck eines jeden Menschen ist anders. Daher denke ich, dass das Gefühl, das bei einem Liebeslied ankommt, stets von Interpret zu Interpret anders ist. Du kannst tausend Mal „Ich liebe dich“ sagen, jedes Mal wird es anders sein.

KURIER online: Sie reden mit riesiger Begeisterung von Ihrem Beruf, ein Rückzug aus dem Showgeschäft ist derzeit nicht vorstellbar?
Rossi:  Nein, ich habe 20 Jahre auf diesen Moment gewartet und ich möchte ihn so lange behalten, wie es mir das Publikum erlaubt, auf der Bühne zu stehen. Ich bin überglücklich, dass ich auf Bühnen für Publikum singen darf.

KURIER online: Schön, dass der Plan, den Sie innerlich geschmiedet hatten, so in Erfüllung gegangen ist. Eine letzte Frage noch: Sie sind ausgebildeter Rettungsschwimmer, haben in Argentinien an Flüssen und in Schwimmbädern gearbeitet. Wann haben Sie das letzte Mal einem Menschen das Leben gerettet?
Rossi (lacht): Das ist bereits sehr lange her, ich bin heute 47, also wohl vor etwa 20 Jahren. Jetzt rette ich Seelen.




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UMFRAGE

Nach der Loveparade in Duisburg werden Diskussionen um die Sicherheit auf derartigen Großveranstaltungen laut. Daher wollen wir von Ihnen wissen: Trauen Sie sich noch auf Massenevents oder bleiben Sie lieber zu Hause?

Ein mulmiges Gefühl werde ich sicherlich haben, aber das hält mich nicht vom Feiern ab. Es wird beim nächsten Mal schon nichts passieren.
Ich gehe davon aus, dass die Sicherheit bei zukünftigen Events stärker geprüft wird. Daher habe ich keine Bedenken, Großveranstaltungen zu besuchen.
Ich bleibe lieber zu Hause. Die Ereignisse haben mal wieder klar gemacht, dass die Sicherheit der Besucher nicht an erster Stelle steht.
Schon vor dieser Tragödie habe ich keine Großveranstaltungen besucht. Ein gewisses Risiko lässt sich nie ausschließen.
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