21.01.2010, 10:04 Uhr
Von Thomas Erbe
BAYREUTH. Die vorliegenden Akten des IM „Frank Weber“ (Peter Emmerich) geben unter anderem Aufschluss über die Bereitschaft von Emmerich, für die Stasi zu arbeiten.
So heißt es in einem Bericht der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Dresden vom 18. August des Jahres 1977: E. war bei der ersten Begegnung sehr aufgeschlossen und vertrat zu unserem Anliegen eine positive Meinung. E. besitzt einen gefestigten Standpunkt und begriff sofort in welcher Form die Unterstützung zu erfolgen hatte. Ohne große Fragen zu stellen, erklärte er sich bereit mit uns in Verbindung zu treten.“
Im Bericht über die erfolgte Anwerbung heißt es am 13. Oktober: „In der weiteren Folge gab der IM (gemeint ist Peter Emmerich) einen Überblick zur Situation in der Landesbühne Sachsen. Bis zur Einberufung arbeitete er dort als Ankleidehilfe. Unter den Künstlern und dem übrigen Personal gibt es keine Mitglieder der SED, so dass sich die bürgerliche Ideologie breitmachen kann (Wiedergabe seiner eigenen Worte).
Von einigen Künstlern werden sehr verschrobene Ansichten vertreten, die ihren Ursprung in westlichen Kanälen erkennen lassen. Besonders heftig diskutiert werden die Vorkommnisse vom 7. Oktober in Berlin.“ (Gemeint sind hier die Jugendkrawalle zum 28. Jahrestag der DDR, es gab eine mehrstündige Straßenschlacht zwischen Jugendlichen und der Volkspolizei, 83 Menschen wurden verletzt und 468 festgenommen. Anmerkung der Redaktion.)
Kleinigkeiten aus dem Alltag protokolliert
Für seine Berichte wurde Emmerich auch entlohnt. Ob dies regelmäßig der Fall war, ist offen. In den Unterlagen finden sich zumindest zwei Quittungsbelege über je 50 Mark. Quittiert wurde mit dem Decknamen Frank Weber. Die vorliegenden handschriftlichen Berichte des Frank Weber sind vor allem ein Zeugnis über die Schnüffelwut der Stasi.
Ein Beispiel aus dem März des Jahres 1978: „Am 6. März 1978 wurde in der Soldatenunterkunft Zi. 209 ein Kollektiv beim Hören von Feindsendern durch den Hauptfeldwebel auf frischer Tat erwischt. Das Radio gehört dem Soldaten … (Name in der Akte geschwärzt). Dieser war aber nicht anwesend. Soweit mir bekannt waren unter den Anwesenden die Soldaten … und … Der Vorfall fand um 11 Uhr statt. Ich weiß allerdings nicht, wie lange vorher der Sender bereits eingestellt war.“
Erschreckende Detailgenauigkeit
Festgehalten werden Kleinigkeiten, der Alltag bei den Grenztruppen der DDR. Es ist nichts Großes – und doch ist erschreckend, was da alles aufgeschrieben worden ist. Mal hat Weber beobachtet, wie die Kaserne fotografiert worden ist, ein andermal, dass sich Soldaten über ihre Führungskräfte abfällig äußern oder dass im Zimmer 209 und 308 Alkohol getrunken wird.
Selbst die Übertragung des Endspiels der Weltmeisterschaft im Eishockey zwischen der CSSR und der UdSSR führt zu einem Bericht des IM Weber: „Im Spiel waren die letzten Minuten angebrochen. Uffz (Unteroffizier) … äußerte laut sein Missfallen am zu erwartenden Sieg der sowjetischen Mannschaft. Als beispielsweise einige sowjetische Spieler eingewechselt wurden, sagte er: ‚Die müssen doch eine heimliche Luke im Eis haben. Da kommt schon wieder so ein Rudel Russen.‘
"Viehische Visage"
Als die Kamera einen Spieler zeigte, meinte er: ‚Wenn man den Kerl sieht, kann einen ja wirklich der Appetit vergehen. Der hat ja eine viehische Visage.‘ Der Bericht des IM Weber von diesem Tag endet mit: „Uffz … verließ auch noch vor Ablauf des Spiels den Fernsehraum, wobei er durch den Ausdruck ‚Scheiße das Ganze‘ seine Meinung zum Spiel noch einmal bekräftigte.
Festspiele: Pressesprecher Emmerich früher Stasi-IM
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