BAYREUTH. Seit inzwischen 13 Tagen haben die streikenden Studenten der Uni Bayreuth ihre Zelte auf dem Rondell mitten auf dem Campus aufgeschlagen. Die kleine Dreiergruppe denkt sogar über eine freiwillige Verlängerung der ungewöhnlichen Aktion nach – unabhängig von der bereits vor den Weihnachtsferien beschlossenen Wiederbesetzung des Hörsaals H 26.
Seit knapp zwei Wochen halten Manuel Hasch, Patrick Fricke und Phillip Thern unter freiem Himmel die Stellung der protestierenden Studenten, die vor den Weihnachtsferien mehrere Wochen den
Hörsaal H 26 besetzt hatten. Auf Druck und mit dem Ziel, eine Eskalation zu vermeiden, hatten sie den Hörsaal am 23. Dezember geräumt. Seitdem haben sie ihr Lager auf dem zentralen
Platz des Unigeländes eingerichtet. Mit einer Plane und einem Stapel Brennholz haben sie sich direkt neben der brennenden Tonne einen Unterstand gebaut. Dort ruhen sie auf drei mit Decken
ausgelegten Holzpaletten aus.
In Deutschland einmalig
„Ob minus fünf Grad oder minus 15 Grad – das macht keinen Unterschied“, sagt Patrick Fricke, der mit der kalten und nassen Witterung kein Problem hat. „Regen wäre
schlimmer“, sieht er den zentimeterhohen Schnee und Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt gelassen. Den Streik und die damit verbundene Kritik am gesamten Bildungssystem mit der Aktion
über die Weihnachtsferien am Leben gehalten zu haben, lohne den Aufwand. Und auch die ermutigenden Reaktionen von Studenten aus anderen Städten bestärken die drei Camper darin,
durchzuhalten. In Bayern – und Fricke vermutet in ganz Deutschland – ist die Bayreuther Gruppe die einzige, die auf diese Weise das Protestmotto der brennenden Universitäten
umsetzt.
Den Jahreswechsel haben die drei, zusammen mit einigen Kommilitonen, die zwischenzeitlich zu Besuch waren, unter freiem Himmel verbracht. „Wir haben ganz normal gefeiert“, sagen sie. Es
wurde getrunken, geböllert und zur Feier des Tages eine Pizza bestellt. „Der Pizzadienst kennt die Adresse bereits“, so der 21-jährige Hasch, der Geoökologie studiert.
Mit dem nahenden Ende der Uniferien nehme in den vergangenen Tagen auch die Zahl der Besuche anderer Studenten zu. Allein gelassen fühlt sich die Gruppe nicht, aber natürlich hätten
sie sich mehr aktive Unterstützer gewünscht, um ihren Forderungen nach gerechterer Bildung, einer Abschaffung der Studiengebühren und einer Reform der Bachelor- und
Masterstudiengänge Nachdruck zu verleihen. Fricke nennt das ungewöhnliche Engagement „eine Politik der kleinen Schritte“.
Bis Mitte Januar sind in Vollversammlungen der einzelnen Fakultäten alle Studenten aufgerufen, über eine Absenkung der Studiengebühren auf zunächst maximal 300 Euro abzustimmen.
So lange geht der Protest weiter, „um zu informieren und die Leute aufmerksam zu machen“. Aus gleichem Grund könnten – unabhängig von der geplanten Wiederbesetzung des
Hörsaals – die Zelte bis Freitag stehen bleiben.
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