09.12.2009, 12:50 Uhr
Von Christian Martens
BAYREUTH. Sie wollen nicht nur die Studiengebühren abschaffen und stellen die Umsetzung des Bologna-Prozesses in Frage: Für die Besetzer des Hörsaals 26 an der Uni Bayreuth geht es um die Bildungssituation in ganz Deutschland – von der Kinderkrippe bis zur Hochschule. Ihre Forderungen, die die Uni Bayreuth betreffen (der KURIER berichtete), haben sie am Dienstagabend mit dem Präsidenten Professor Rüdiger Bormann diskutiert.
Nunmehr drei Wochen lang besetzen Studenten den Hörsaal H 26 an der Uni Bayreuth. Die Hochschulleitung duldet die Aktion bislang. Der Saal ist das Zentrum des
Streiks und des Protestes für eine bessere Bildung: in Bayreuth, Bayern und deutschlandweit, wie die Studenten betonen. Gestern haben die Besetzer ihre in 17 Punkten zusammengefassten
Forderungen präsentiert – und der Unipräsident nahm zu jeder einzelnen Stellung.
Scharfe Worte und Kontroversen blieben aus, stattdessen kam von beiden Seiten Dank für die kooperative und anständige Zusammenarbeit. Bormann sagte: „Ich bin als Präsident
angetreten, um die Lehre an der Uni Bayreuth zu verbessern.“ Die grundlegende Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master sei ein Prozess, der weiter verbessert werden
müsse. Dies jedoch sei eine Aufgabe, die weniger in Wochen, als vielmehr in Jahren zu bewältigen sei. Hierzu forderte er die Studenten zur aktiven Beteiligung auf, denn ihre Meinung,
Kompetenz und Expertise spiele bei notwendigen Verbesserungen eine entscheidende Rolle. „Wir werden die Stimme der Studierenden mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen und ihre Meinung sehr
ernst nehmen.“
Wie Bormann einleitend sagte, hatte die Hochschulleitung bereits am Vormittag über die Forderungen der Studenten beraten. In zahlreichen Punkten, wie der Einführung von
Teilzeitstudiengängen, der Anerkennung von Studienleistungen, der Förderung von Mobilität und mehr Wahlmöglichkeiten sah sich der Präsident nicht weit von den
Wünschen der Studenten entfernt. Auch der Forderung nach einer Senkung der Studienbeiträge auf 300 Euro widersprach er nicht grundsätzlich. Die Lösung wäre der
finanzielle Ausgleich durch die Staatsregierung. Bormann will sich darüber im Verbund der bayerischen Hochschulen abstimmen.
Unterdessen haben sich die protestierenden Studenten aller Unis im Freistaat in einem Bündnis zusammengeschlossen. Der sogenannte bayerische Solidaritätspakt der Besetzenden „soll
den Verantwortlichen verdeutlichen, dass sie es nicht mit getrennten Besetzungen von wenigen, vereinzelten Gruppen zu tun haben“, heißt es in einer Erklärung. mar
Info:
Der Hörsaal H 26 bleibt auch über die Weihnachtsfeiertage besetzt. Das haben die Streikenden nun entschieden. Als Symbol wollen mindestens drei Studenten den Protest fortsetzen.
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