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22.11.2009, 13:00 Uhr

 

Schlagabtausch zwischen Beckstein und Partei für Franken

NÜRNBERG. Der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hat sich gegen fränkischen Separatismus ausgesprochen. Eine Regionalpartei, wie etwa die unlängst gegründete Partei für Franken, sei in seinen Augen genauso überflüssig wie ein Fränkischer Rundfunk, sagte der aus Nürnberg stammende CSU-Politiker in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa.

 

Günther Beckstein, hier bei seiner Buchpräsentation "Franken, mein Franken - Impressionen aus meiner Heimat" in Nürnberg. Foto: dpa
"Das ist nicht der Weg - genauso wenig wie eine Schwaben-Partei, eine Niederbayern-Riege oder eine Oberbayern- Partei", unterstrich er. Vielmehr sollten die Franken versuchen, ihre Interessen in einer gesamtbayerischen Partei zu profilieren. Ein Sprecher der Partei für Franken wies Becksteins Darstellung als "völlig unbegründet" zurück.

"Leider ist der von uns menschlich sehr geschätzte Günther Beckstein selbst der lebende Beweis für das zwangsläufige Scheitern fränkischer Politik in gesamtbayerischen Parteien", erklärte der Sprecher der Partei für Franken. "Hätte Beckstein politisch reüssiert, wäre keine fränkische Regionalpartei im Freistaat erforderlich." Im Übrigen seien auch unter Ministerpräsident Beckstein fränkische Regionen weiter vernachlässigt worden: "So flossen bei der Verteilung der "Transrapid-Millionen" 2007/2008 von 490 Millionen nur ganze 28,5 Millionen in Bayerns schwächste Region Oberfranken." Für die fränkischen Interessen sei deshalb eine eigene Partei nötig, mit Separatismus habe dies überhaupt nichts zu tun.

Beckstein widersprach unterdessen den Vorwürfen der Franken-Partei, der bayerische Norden sei im Vergleich zu anderen Teilen Bayerns wirtschaftlich benachteiligt. "Zumindest im Vergleich zu Südbayern stimmt dieser Vorwurf nicht." Anders sei dies im Fall München. "München hat eine extreme Anziehungskraft und Ausstrahlung. Das ist bei Nürnberg oder Bamberg nicht im gleichem Maße der Fall", räumte Beckstein ein. "München leidet unter seiner Zentralisierung, Nürnberg unter seinen Umstrukturierungsproblemen." Hier sei eine massive Unterstützung des Freistaates erforderlich.

Nach der Quelle-Insolvenz sei die Staatsregierung aber schon dabei, ein Hilfspaket zu schnüren. "Ich rechne nach der Quelle- Krise mit substanzieller Hilfe für den Großraum Nürnberg. Mit Worten ist es nicht getan, der Freistaat muss hier massiv helfen", sagte der frühere Ministerpräsident. Die von Innenminister Joachim Hermann (CSU) ins Auge gefasste Teilverlagerung des Statistischen Landesamtes nach Fürth sei der richtige Weg. "Das hilft zwar den Quelle-Beschäftigten nur unmittelbar, aber die Infrastruktur der Stadt wird dadurch verbessert."

Die Partei für Franken kritisierte die geplante Verlegung des Statistischen Landesamtes von München nach Fürth dagegen als "strukturpolitischen Offenbarungseid der bayerischen Staatsregierung". Nach den Worten des Parteichefs Robert Gattenlöhner sind Behördenverlagerungen eine umständliche, verspätete und völlig unzureichende Reaktion auf das immer größere Süd-Nord-Gefälle in Bayern. "Fürth und die gesamte Region brauchen wesentlich stärkere Unterstützung."

Nach Becksteins Einschätzung hat die gefühlte Benachteiligung Frankens indessen auch historische Wurzeln. Noch immer empfänden viele Menschen die Eingliederung Frankens in das Königreich Bayern im Jahre 1803 als "feindliche Übernahme". In den vergangenen Jahrzehnten sei das Gefühl durch die Politik mancher Parteien gefördert worden. Zudem fehle es den Franken an Selbstbewusstsein. "Wir müssen unsere Fähigkeiten sehen und auch deutlich machen", sagte Beckstein. "Wer sich ständig schlecht redet, darf sich nicht wundern, dass er auf andere nicht attraktiv wirkt." Dabei habe Franken etliche Pfunde, mit denen es wuchern könne - "beispielsweise eine schöne Landschaft und innovative Betriebe".

dpa




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