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12.11.2009, 11:10 Uhr

 

Georg Kleber zeigt assoziative Bilder und Skulpturen im Neuen Rathaus

Von Gero Billerbeck

BAYREUTH. Am liebsten wäre ihm ein leerer Kopf. Kein Denken, kein Fühlen, kein Erinnern. So stellt sich der Künstler Georg Kleber den schöpferischen Urknall vor. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so „ideal“, lässt er es dann selber knallen. Was dabei herauskommt und -kam, ist in den nächsten drei Wochen in der Ausstellungshalle des Neuen Rathauses zu sehen.

 

Foto: Lammel
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Was also ist das Ergebnis solchen Knalls? Wer spontan, mal eben auf dem Weg zum Einwohnermeldeamt, so vorbeischaut, meint vielleicht, dieser frei schaffende Maler und  Bildhauer habe selber einen. Wirre Linien, wirre Formen: Derlei hat auch den Vorsitzenden des Bayreuther Kunstvereins, Hubertus Esser, nach eigenen Worten irritiert. „Man tut sich schwer“, räumte er am Mittwochabend bei der Eröffnung ein. Beim Aufhängen und -stellen der Werke habe er dann aber doch Bekanntschaft mit ihnen geschlossen.

Ob auch Freundschaft, ließ er offen. In vielen Arbeiten habe er menschliche Formen ausgemacht, aber vieles bleibe rätselhaft. Die Dinge, die da abgebildet seien, stünden in den einzelnen Werken in einem ungewissen Spannungsfeld zueinander.
Dinge? Man erkennt sie selten, und wenn sie so nebeneinander auf kleinformatigem Papier, weichem Vlies oder großformatigen Papp-Bahnen nebeneinander stehen, weiß man in der Tat nicht, was sie miteinander zu schaffen haben. Aber siehe oben: Falscher Denkansatz! Der Kopf sei leer, nicht nur des Künstlers, sondern auch des Betrachters. Georg Kleber sieht: Was, da hat er keine Vorurteile. Etwa ein Stempelkarussell irgendwo in seinem Atelier kommt ihm gerade recht. Flugs landet es als Bleistiftzeichnung auf einem leeren Blatt. Nicht jedem Sujet wird die Ehre zuteil wie diesem. Später findet es sich direkt auf dieser Urskizze in sattem Tusche-Schwarz wieder. Da hat es aber inzwischen andere Schau-Objekte zur Gesellschaft bekommen.


Kleber hat sie nicht aus Mitleid mit dem einsamen Erstobjekt dazu gegeben. Er assoziiert („Denken verboten!“) eines zum anderen. Er fragt sich nicht „was soll das werden?“, sondern allenfalls „was könnte passen?“ Da ist der Künstlerkopf schon nicht mehr leer, sondern er geht auf Suche. Wenn er vor sich etwas findet, ist es gut. Meist aber wird er in seinem Kopf fündig, und wenn er eine kleinere oder größere Menge beisammen hat, erfindet er unendlich viele Formen und Strich-Gebilde, die dem entstandenen Bild-Körper als eine Art Bindegewebe Halt bieten und – wenn beabsichtigt – Form geben.
Dieser Schöpfungsprozess kann zu völlig anderen Ergebnissen führen als der Sehprozess im Betrachterkopf. Der wird mit imaginären Schlägen auf die Hinterseite dazu ermuntert, ebenfalls zu assoziieren. Wer Phantasie hat, kann sie hier hemmungslos  spazieren führen. Bürgermeister Thomas Ebersberger begriff das bei der Vernissage als Einladung zur Freiheit. „Es gibt keine Einschränkung durch Titel“, tröstete er diejenigen, die gerne auch mal durch eine Bildunterschrift auf irgendeinen Assoziationspfad geschubst worden wären.


Bei seinen Bronze-Skulpturen ist Kleber nicht ganz so streng mit seinem Publikum. Da gönnt er uns schon einen Titel, und siehe da, das Ergebnis knüpft nicht nur eine Wiedererkennungskette, sondern weckt in uns solche Denk-Talente wie den Humor. Die bronzene „Venusfalle“ etwa wird von einer Marderfalle gekrönt, eine „Knieende“ ist seitlich mit Erdnussbrüsten gesegnet, hat einen Bleistiftspitzer-Unterleib und 220 Volt im steckerbewehrten Hinterteil. Einen Kopf hat sie auch, aber der verbirgt sich an einer Körperseite. Der Mensch, wenn er überhaupt als solcher zu erkennen ist, präsentiert sich als Objekt und nicht als – etwa gar noch wieder erkennbares – Subjekt.
Hier ist trotzdem immerhin der Dialog möglich, den die Bilder strikt verweigern. Der Künstler geht einen eigenen Weg und verweist den Betrachter auf seinen. Die Kunst – ein  Zeit-Indikator? Hildegard Knef brachte ihn im Lied zum Ausdruck: „Der Mensch an sich ist einsam . . .“

Hintergrund:
Georg Kleber (53) stammt aus Rettenbach im Unterallgäu. Er ist Träger zahlreicher Kunstpreise unter anderem der Universität Augsburg. Seit 1990 erfüllt er Zeichen-Lehraufträge, zum Beispiel für die Schwabenakademie Irsee und den Deutschen Journalistenverband.




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