BAYREUTH. Die für das Jahr 2011 von der schwarz-gelben Koalition festgelegte Verkürzung des Zivildienstes von neun auf sechs Monate hat bei den Verantwortlichen der Bayreuther Wohlfahrtsverbände deutliche Ablehnung hervorgerufen. „Neun Monate machen gerade noch Sinn, sechs Monate sind sinnlos“, sagt zum Beispiel Peter Herzing, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), auf KURIER-Anfrage.
Sebastian Oppel ist Zivildienstleistender im Betreuten Wohnen des BRK – er macht noch neun Monate Dienst. Foto: Ritter
„Unsere Zivis bekommen bei uns vier bis sechs Wochen Ausbildung, dann sind sie vier Wochen im staatsbürgerlichen Seminar, haben drei Wochen Urlaub – bei sechs Monaten bleibt dann
gar keine Zeit mehr, um zu den Menschen, mit denen sie zu tun haben, Kontakt aufzubauen“, sagt Herzing weiter. „Die Entscheidung ist eigentlich furchtbar. Und sie ist auch deswegen
traurig, weil viele Menschen, die heute beruflich etwas ganz anderes machen, aus ihrer Zeit im Zivildienst viel fürs Leben mitgenommen haben“, sagt Herzing.
Plan B entwickeln
Die Einrichtungen müssten umdenken und einen Plan B entwickeln – wie es ohne Zivis gehen kann, sagt Herzing, der aktuell auf 22 Zivis beim BRK kommt. „Wobei das natürlich auch
eine Kostenfrage ist. Ein Zivi kommt auf 5000 bis 6000 Euro. Würde man die Stellen anders besetzen müssen, käme man mit Sicherheit auf Mehrkosten von 200 Prozent.“ Und:
„Um die Leistungsfähigkeit aufrechterhalten zu können, bräuchten wir mehr Zivis – das wird bei sinkenden Schülerzahlen schwierig.“
Obwohl bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Zahl der Zivildienstleistenden im Vergleich zu den 90er Jahren deutlich gesunken ist, sieht Marc Walther von der AWO im Zivildienst ähnlich wie
Herzing nicht nur für die Wohlfahrtsverbände einen Gewinn – aber eben nur dann, wenn auch ausreichend Zeit bleibt: „Wir tun uns jetzt schon mit den neun Monaten recht schwer
– und wenn jetzt die Zeit reduziert wird, bedeutet das für die Verbände auch, deutlich mehr Geld für die Ausbildung zahlen zu müssen. Ich könnte mir aber vorstellen,
dass dann auch mehr junge Leute den Weg ins freiwillige soziale Jahr wählen“, sagt Walther, der seit 14 Jahren Zivis bei der AWO betreut.
Der Geschäftsführende Vorstand des Diakonischen Werks, Uwe Manert, sagt: „Ich sehe schwarz bei dieser Regelung. Denn in dieser Größenordnung macht das keinen Sinn. Die
jungen Leute sind ja mehr bei Seminaren als auf der Arbeit.“ Wenn die jungen Männer keine Beziehung zu den ihnen anvertrauten Menschen aufbauen können, werde es kritisch. Manert
spricht Klartext: „Da stellen wir dann lieber ungelernte Hilfskräfte ein, die dann ein Jahr bleiben.“ Zwei Zivis im Fahrdienst der Sozialstation beschäftigt der Kreisverband
der Caritas. Effektiv im Einsatz befänden sich die jungen Männer etwa sieben Monate, sieben Wochen gingen für Schulung und Urlaub drauf. Sollte die Dauer des Zivildienstes auf sechs
Monate gekürzt werden, mache dies keinen Sinn mehr, bedauert Geschäftsführer Hermann Hinterstößer, dann müsse man Alternativen ausdenken, die mit Sicherheit sehr viel
teurer ausfielen. Hart treffen werde es jedoch das Altenheim der Caritas in Kulmbach, wo fünf Zivis tätig sind, sagt Hinterstößer.
Sollte die Zivildienstzeit gekürzt werden, mache die Anstellung von Zivis keinen Sinn mehr, prophezeit Heidi Meyer, Verwaltungsleiterin der Suchtklinik Maximilianshöhe. Bis die jungen
Männer eingearbeitet seien und sich eingewöhnt hätten, seien die sechs Monate doch schon wieder vorbei. Bisher hätte sie ausschließlich gute Erfahrungen gemacht mit den
Zivis, die im Fahrdienst eingesetzt sind und Hausmeisterdienste verrichten. Für die jungen Männer seien es wertvolle Erfahrungen, so direkt an der Front mit dem Thema Sucht konfrontiert
zu werden. Und der eine oder andere hätte sich im Anschluss weiterhin, auch beruflich, im sozialen Dienst engagiert. Sollte die Zeit wirklich gekürzt werden, müsse man sich
überlegen, so Meyer, ob man Zivis durch Absolventen eines freiwilligen sozialen Jahres ersetze oder durch eine Kombination aus beidem.
21 Zivildienstleistende sind derzeit im Bayreuther Klinikum beschäftigt. Und jeder von ihnen sei „ganz wertvoll für uns“, sagt Pressesprecherin Christiane Fräbel.
Aufgrund des schon jetzt hohen administrativen Aufwands für die Personalverwaltung müsse man sich zukünftig überlegen, ob sich der Einsatz von Zivis noch lohnt.
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