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03.11.2009, 15:36 Uhr

 

Der Dämon steckt im Kleinbürger

BAYREUTH. Tödliches Idyll: Durch Ödön von Horváths Theaterstück weht ganz leicht im Hintergrund der Wiener Walzer. Doch wer sich eingelullt von Johann Strauss’ Melodien auf den Tanz einlässt, bemerkt zu spät, dass der Tanzboden ein Sumpf, die Mittänzer Monster sind. Der Schein in „Geschichten aus dem Wiener Wald“ ist perfekt. Das Schicksal von Marianne darum um so tragischer. Die Studiobühne spielt diese aufwühlende Parade der Dummheit. Am Samstag ist Premiere.

 

Horváth störte die bürgerliche Behaglichkeit mit seinem Stück empfindlich. 1931 in Berlin uraufgeführt kamen weitere Vorstellungen nach der Machtergreifung der Nazis nicht mehr zustande. Sie verschrien das Stück als „dramatische Verunglimpfung des alten Österreich-Ungarn“. Auch bei der Wiederaufführung 1948 fiel das Stück durch. Als „Verunglimpfung Wiens“ stand es für 20 Jahre nicht mehr auf dem Spielplan. Horváth scheint ein ganzes Rückenmark an Empfindlichkeiten getroffen zu haben.

Sehr unterhaltsam

Das Stück ist brillant. Es zeigt die Menschen in einer „stillen Straße des achten Bezirks“ in Wien, könnte aber genauso gut in einem Dorf oder Stadtteil überall sonst im deutschsprachigen Raum spielen. Horváth destilliert den Geist der Spießer, die mit aller Macht der Kleinlichkeit an den bestehenden Verhältnissen festhalten. Vordergründig ist alles in Ordnung. Die kleinen Ladenbesitzer feiern viel, trinken und singen. Das Stück ist heiter, beschwingt, Witze machen die Runde, es unterhält. Aber wehe, es weicht jemand ab von der Norm ... Als ganz und gar perfide entlarvt Horváth diese Mikro-Gesellschaft, weil sich vor ihren Augen eine Tragödie abspielt, der sie tatenlos zusehen.

Die Premiere beginnt am 7. November um 20 Uhr. Karten an der Theaterkasse, Telefon 0921/69001.



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