14.10.2009, 17:31 Uhr
Es wird eng auf dem Grünen Hügel
Von Gunter Becker
BAYREUTH. Das Bayreuther Festspielhaus bedarf dringend einer Erweiterung. Wie Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl im Bauausschuss sagte, benötige man insbesondere eine neue Probebühne. Nun soll ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden, um eine „saubere Gesamtplanung“ (Dr. Stefan Specht) zu garantieren.
Bis heute ist der Grüne Hügel bebauungsplanfreie Zone. Das soll sich, geht es nach den Vorstellungen des Bauausschusses des Bayreuther Stadtrats, nunmehr ändern. Weshalb der Neubau einer dringend benötigten Probebühne zunächst einmal verschoben werden muss. Bei den Festspielen führt das in der Übergangszeit zu gewaltigen Platzproblemen. Foto: Archiv/Türk
Der Bedarf ist von großer Dringlichkeit: Selbst die Berufsgenossenschaft hätte bereits Bedenken angemeldet, sagte Hohl – und angemahnt, dass etwas passieren müsse. Damit die
Festspielleitung wisse, wie es mit der Planung weitergeht, habe die Verwaltung Gedanken über das weitere Vorgehen angestellt.
Sensibler Bereich
Baureferent Friedrich Taubmann sprach von einem „empfindlichen Bereich“, der ein Bebauungsplanverfahren bedinge, das nun mit Zustimmung des Bauausschusses eingeleitet werden solle.
Dafür spreche auch die Tatsache, dass es für den Bereich Festspielhaus noch keinen Bebauungsplan gebe. Ein Erweiterungsbau solle auf der Ostseite erfolgen, der Grünbereich auf der
Westseite unangetastet bleiben, so Taubmann. Finanziert werde der Zusatzbau durch die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth.
Seine Fraktion stehe voll hinter dem Vorhaben, ein Bebauungsplanverfahren unverzüglich einzuleiten, sagte CSU-Stadtrat Bruno Hauck, damit kein Zeitverzug entstehe. Da es sich um ein
„architektonisches Juwel von Weltrang“ handle, müsse man mit großer Sorgfalt vorgehen und eine bauliche Qualität umsetzen. Hauck: „Wir müssen einen gesunden
Kompromiss finden zwischen Zeitnot und Qualität.“
Die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth hätte bisher noch keine Zusage für eine Halle gegeben, sagte Hohl, sondern fordere, eine Gesamtplanung auf den Tisch zu legen. Bis 2010 sei der
Bau einer neuen Halle nicht realisierbar, der Zeitdruck mithin nicht so groß. Doch bis 2011 müsse der Bau fertiggestellt sein.
Wenn Platzbedarf bestehe, dann müsse geholfen werden, sagte SPD-Stadträtin Christa Müller-Feuerstein, die aber darauf pochte, dass man im Sinne Richard Wagners sensibel vorgehen
müsse. Sigrid Engelbrecht (Grüne und Unabhängige) sprach sich bei der Größe dieses Projektes für einen Bebauungsplan aus. Einem angedachten internationalen
Architektenwettbewerb zeigte sie aus finanziellen Gründen die rote Karte. Wer sollte für einen sechsstelligen Betrag aufkommen, den ein solcher Wettbewerb kosten würde, fragte die
Stadträtin.
Gegen ein gigantisches Gebäude mit einer Höhe von 20 Metern, noch dazu zum Geburtstag von Richard Wagner, sprach sich Brigitte Merk-Erbe (Bayreuther Gemeinschaft) aus. Sie musste sich von
Hohl jedoch erklären lassen, dass diese „große“ Überlegung längst vom Tisch sei. Auch einen Wettbewerb werde es nicht geben, da laut Hohl Festspielleitung und
Gesellschaft der Freunde bereits einen Architekten gefunden hätten, der sich das Projekt zutraue.
Einstimmig wurde der Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens zugestimmt.
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