NEUENMARKT. Als die meisten Wahlhelfer in den anderen Gemeinden am gestrigen Bundestagswahlabend ihre Arbeit bereits getan hatten, begann in Neuenmarkt für das 37-köpfige Team um Wahlsachbearbeiter Gerhard Biedermann die „zweite Schicht“. Gegen 19.15 Uhr öffneten sie die Urnen mit den rosa Stimmzetteln, mit denen die Wähler am ersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Marktgemeinde teilnehmen konnten.
Eigentlich waren es zwei Fragen zur Energieversorgung, also zwei Entscheide: Der Text der Initiative „Wärmeleitung Flop“ und der des Gemeinderates für das sogenannte
Ratsbegehren. Auf den ersten Blick standen sie auch nicht im Gegensatz zueinander; allerdings waren sie eindeutig aus den politischen Querelen der Kommunalpolitiker um den Bau einer
Wärmeleitung für den örtlichen Seniorenpark der Arbeiterwohlfahrt entstanden.
Mit dem Ratsbegehren konnten die Bürger Stellung beziehen, ob die Gemeinde Neuenmarkt eine zukunftsfähige und kostendeckende Versorgung mit erneuerbaren Energien aufbauen soll. Die
Formulierung war also sehr allgemein gehalten und nicht unmittelbar an die umstrittene Wärmeleitung gebunden. Exakt 1434 Kreuzchen befanden sich auf den gültigen Stimmzetteln. Eine knappe
Mehrheit von 730 Bürgern hat mit „ja“ gestimmt, 704 mit nein. Das Ratsbegehren gilt daher als angenommen, da auch die notwendige Quote von 20 Prozent der Wahlberechtigten
überschritten wurde.
Eindeutiger fiel das Ergebnis des Bürgerbegehrens „Wärmeleitung Flop“ aus, das der eigentliche Anlass für den Entscheid war. Hier nahmen 1740 Bürger ihr Recht auf
Abstimmung wahr. Mit 1274 Stimmen (mehr als 73 Prozent) konnten die Initiatoren damit eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung hinter sich versammeln.
Das Bürgerbegehren war deutlich konkreter. Hier wurde gefragt, ob alle Verhandlungen zur Erstellung einer Fernwärmeversorgung zu Lasten der Gemeinde abgebrochen werden sollen. Mit ihren
Unterschriften hatten Ende Juni mehr als 650 Bürger den Stein ins Rollen gebracht.
Das umstrittene Thema ist in der Bevölkerung offensichtlich auf große Resonanz gestoßen. Wohl auch durch die parallel verlaufende Bundestagswahl lag die Wahlbeteiligung bei rund 73
Prozent für das Bürgerbegehren und immerhin noch bei zirka 60 Prozent für das Ratsbegehren.
Große praktische Auswirkungen dürfte der historische erste Bürgerentscheid in Neuenmarkt allerdings nicht haben. Die Pläne für den Bau der Wärmeleitung durch die
Gemeinde haben sich inzwischen ohnehin erledigt, da dies eine neu gegründete private GmbH übernehmen will. gem
Mehr lesen Sie am Montag in der Printausgabe des Nordbayerischen Kuriers.
Dies ist eine Nachricht aus unserem Archiv. Es können daher keine neuen Kommentare verfasst werden.
Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich bei der Community registrieren und einloggen.