Wer wie Felix heuer in der zwölften Klasse ist, macht 2011 Abitur. Wer heuer in der elften ist, auch. So wie Felix’ Schwester Elisa. Sie ist im ersten Jahrgang des achstufigen Gymnasiums, er ist im letzten Jahrgang der „alten“ Kollegstufe und macht sein Abi nach neun Jahren Gymnasium. Ein Interview mit zwei Geschwistern, die gleichzeitig Abi machen, deren Schulsysteme aber komplett verschieden sind.
Versuchskaninchen und Auslaufmodell: Elisa (16) ist in der elften Klasse, Felix (18) in der zwölften. Trotzdem machen die beiden im gleichen Jahr Abitur. Denn er ist im letzten G9-, sie im ersten G8-Jahrgang. Das ist auch der Grund, warum ihr Schulalltag ziemlich unterschiedlich ist. Foto: Struller
x-bay: Wie viele Wochenstunden habt ihr?
Elisa: 35 im ersten und zweiten Semester, danach wird es ein bisschen weniger. Insgesamt sind es 138.
Felix: Wir müssen ja mindestens 108 haben. Das erste Jahr habe ich 32 und in der 13. Klasse jeweils 28.
x-bay: Wer kommt mittags früher nach Hause?
Felix: Ich.
Elisa: (lacht) Ja, ich komme deutlich später heim als er. Manchmal erst um sechs Uhr. Das liegt vor allem daran, dass ich mehr Stunden habe, öfter
Nachmittagsunterricht und dass ich viele Freistunden am Vormittag habe.
x-bay: Wann macht ihr Abitur? Und in welchen Fächern?
Elisa: Ich mache im Sommer 2011 Abi, einen genauen Termin haben wir noch nicht bekommen. Deutsch und Mathe muss ich ja sowieso schriftlich machen. Als
Sprache habe ich Englisch und ich mache in Sport Additum und dazu kommt noch Wirtschaft und Recht.
x-bay: Das waren fünf Fächer, eins mehr als bisher.
Elisa: Ja, zwei davon muss ich mündlich belegen und drei davon schriftlich.
x-bay: Felix, du hast ja nur vier Fächer.
Felix: Ja. Wir machen schon im März und April 2011 Abi und ich habe natürlich noch zwei Leistungskurse, Mathe und Sport, drittes Abiturfach ist
Deutsch und als Colloquium habe ich Geschichte.
x-bay: Und wie hast du die ausgewählt?
Felix: Bei den beiden Leistungskursen, ich habe Mathe und Sport, muss mindestens ein Hauptfach dabei sein. Dann braucht man mindestens eine Sprache im
Abitur. Den Rest kann man relativ frei wählen. Man braucht eben aus verschiedenen Bereichen immer ein Fach.
Elisa: Das hat sich jetzt ziemlich verändert. Bei uns ist Deutsch und Mathe im Abitur Pflicht, das finde ich nicht so gut. Manchen liegt Mathe zum
Beispiel nicht so gut und die müssen es trotzdem schriftlich machen. Die anderen Fächer kann man zwar ungefähr so wählen wie bisher, aber man hat eben nicht mehr diese Abstufung
in Grund- und Leistungskursen.
x-bay: Bist du weniger frei in deiner Wahl als Felix?
Elisa: Auf jeden Fall. Ich kann mich auch nicht wirklich festlegen. Ich muss in fünf Fächern Abitur machen, ohne einen Schwerpunkt zu setzen.
x-bay: Wie findet ihr es, dass jetzt keine Schwerpunkte mehr gesetzt werden?
Elisa: Ich finde es schade. Dadurch wurde es einfacher. Denn die Fächer, in denen man nicht so gut war, konnte man weglassen und sich dafür
stärker auf die Sachen konzentrieren, die man gut konnte.
x-bay: Die eine ist im ersten Jahrgang der Qualifikationsphase, der andere im letzten Kollegstufenjahrgang. Wer ist besser dran?
Elisa: Man muss sehen, wie schwer das Abi wird. Ich könnte mir vorstellen, dass das Ministerium alles daran setzt, dass der erste G8-Jahrgang kein
schlechtes Abitur hat und die Prüfungen deswegen nicht so schwer werden. Aber allein vom Zeitaufwand her glaube ich schon, dass ich schlechter dran bin. Außerdem kriegen wird uns das
alles vorgesetzt, ohne dass jemand einen Plan hat, wie es ablaufen soll. Es wird halt einfach mal versucht.
x-bay: Ihr seid quasi die Versuchskaninchen?
Elisa: Genau. Es weiß niemand, was wir wie einbringen müssen und so weiter. Als wir letztes Jahr den Wahlzettel für die Kurse bekommen haben,
konnte uns auch keiner sagen, was wir da ankreuzen müssen, können oder dürfen.
x-bay: Felix, glaubst du auch, dass Elisa schlechter dran ist?
Felix: Naja, ich bin schon froh, dass ich noch in der Kollegstufe bin. Gerade im Hinblick auf die Stundenzahl und die vielen Fächer.
x-bay: Hat Elisa dann wirklich mehr zu tun?
Felix: Auf jeden Fall. Wenn sie immer erst um fünf oder sechs Uhr nach Hause kommt, hat sie nicht mehr so viel Zeit, sich vorzubereiten.
Elisa: Also für jede einzelne Stunde glaube ich nicht, dass ich mehr zu tun habe. Aber ich habe mehr Fächer, deswegen werde ich fürs Abitur
schon mehr zu tun haben.
x-bay: Wenn ihr vergleicht, was ihr bisher gelernt habt und was ihr noch lernen werdet: Wisst ihr nach dem Abitur das gleiche?
Elisa: (lacht und überlegt) Das gleiche werden wir schon wissen. Aber bei ihm ist es vertiefter. Das hat man jetzt schon gemerkt. In der zehnten hatte
ich ihn, vom Stoff her, schon eingeholt, aber viele Sachen wurden bei ihm wirklich vertiefter behandelt. Aber durch die Seminare werde ich aufs Berufsleben und vor allem aufs Studium deutlich
besser vorbereitet.
Felix: Ich denke, dass ich gerade in meine Leistungskurs-Fächern stärker sein werde. Ich habe ja zum Beispiel fünf Stunden Mathe in der Woche,
Elisa nur vier.
x-bay: Stichwort Seminare: Was haltet ihr davon?
Elisa: Mein P-Seminar (Anmerkung: Was es mit P- und W-Seminaren auf sich hat, erklären wir unten) ist Englisch Drama. Da machen wir erst das Projekt und
anschließen eine Berufsorientierung, normalerweise ist es umgekehrt. Aber wenn man auch so etwas wie Theater wählen kann, ist die Idee eigentlich gescheitert. Denn es ist ja nicht mehr
als ein Wahlfach. Im W-Seminar lernt man wissenschaftliches Arbeiten und muss dann auch eine Seminararbeit schreiben. Das ist eigentlich schon praktisch. Weil bei der Facharbeit wurde man immer
ziemlich allein gelassen, wir kriegen jetzt viel mehr Anleitung und Hilfe.
Felix: Ich habe mich mit den Seminaren nicht so sehr beschäftigt, aber stattdessen einfach eine Facharbeit zu schreiben, ist sicherlich auch nicht
schlimm.
x-bay: Nach nur einer Woche Schule ist das eine schwierige Frage. Dennoch: Welches System ist besser?
Elisa: Ich denke, dass mein System mich besser aufs Studium vorbereitet. Auch dadurch, dass ich immer noch so viele verschiedene Fächer habe.
Felix: Ich denke auch, dass sie in einigen Fächern mehr Stoff und deswegen dann auch mehr Ahnung hat. Dafür setzt man in der Kollegstufe mit den
Leistungskursen schon Schwerpunkte, in denen man dann auch stärker ist. Aber wenn man keines der Leistungskursfächer studieren will, ist die Q11 besser, da man universeller ausgebildet
wird.
x-bay: 2011 wird es doppelt so viele Abiturienten geben wie sonst. Glaubt ihr, dass es deshalb für euch besonders schwierig wird?
Elisa: Das kommt darauf an, wie das Abi ausfallen wird. Wenn ich jetzt ein gutes Abi schreibe, dann habe ich gegenüber jemandem, der im G9 die gleiche
Note hat, einen Vorteil. Weil dann habe ich ja in kürzerer Zeit das gleiche geschafft wie er. Wenn das Q11-Abi aber schlecht ausfällt, sind eher die anderen besser dran.
x-bay: Ist es kein Vorteil, dass du ein Jahr jünger bist als die G9-Schüler?
Elisa: Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses eine Jahr so wichtig ist.
Felix: Wir G9ler machen ja extra etwas früher unser Abi, damit wir uns eventuell noch für das Sommersemester an den Unis einschreiben können.
Aber weil viele Studiengänge nur im Wintersemester anfangen, ist das, glaube ich, kein so großer Vorteil. Der Konkurrenzkampf wird also groß.
Dies ist eine Nachricht aus unserem Archiv. Es können daher keine neuen Kommentare verfasst werden.
Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich bei der Community registrieren und einloggen.