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21.09.2009, 14:50 Uhr

 

„Schluck und weg“

BAYREUTH. Die Laientheatergruppe Schluck und weg hat mit ihrem Straßentheaterstück „Lisa im Wunderland“ in der Maxstraße Arzneimittelwerbung und den Umgang mit den Medikamenten aufs Korn genommen.

 

Zwar unglücklich, aber brav schluckt Lisa im Theaterstück „Schluck und weg“ jede Arznei, die ihr angedreht wird. Foto: Lammel
Die Pharmaindustrie schmiert Ärzte, nutzt ärmere Länder aus, verschleiert Nebenwirkungen von Medikamenten und wirbt illegal für rezeptpflichtige Arzneimittel im Internet – so lauten die vier Hauptkritikpunkte im Stück „Lisa im Wunderland“.

Mit lautem Jaulen, Trommelwirbel, Gesang und in schrillen Kostümen ziehen die zehn Schauspieler der Laientheatergruppe Schluck und weg die Aufmerksamkeit Bayreuther Passanten auf sich. Mit ihrem Theaterstück „Lisa im Wunderland“ werben sie für mehr Aufklärung und Informationen über Arzneimittel.

Pharma-Wölfe



Dabei karikieren sie die Rolle der Pharmakonzerne in der Arzneimittelbranche. „Wir wollen doch gar nichts von ihnen, nur ihr Geld“, heulen die Darsteller als Wölfe verkleidet und halten dem überraschten Publikum symbolisch Medizin vor die Nase.

Im Stück geht es um die junge Lisa, die aus Naivität und Gutgläubigkeit jede Menge Medikamente schluckt: Vitaminpillen von der Mutter zur Leistungssteigerung, Appetitzügler von ihrer Freundin zum Abnehmen und die Verhütungspille vom Arzt für bessere Haut.

Schließlich bricht Lisa zusammen, weil sie zu viele Tabletten geschluckt hat. Auf ihrer Suche nach Informationen zu den Medikamenten stößt sie auf vielversprechende Fernsehwerbung, illegale Reklame im Internet und wenige harte Fakten, etwa auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit.

Schön und nichtssagend

Besonders intensiv geht das Stück auf einen Antrag der Europäischen Union ein. Die will erlauben, dass Laien für verschreibungspflichtige Medikamente zur Behandlung von Aids, Asthma und Diabetes werben können. Wie so eine Werbung aussehen könnte macht Schluck und weg im Stück deutlich: verschönend und uninformativ. So kann die schöne Müllertochter im Märchen Rumpelstilzchen plötzlich Stroh zu Gold spinnen, weil sie eine entsprechende Tablette geschluckt hat. Nebenwirkungen sowie gesunder und realitätsnaher Umgang mit den Medikamenten würden dabei auf der Strecke bleiben.

Geschrieben haben die Darsteller das Stück übrigens selbst – mit Hilfe der Theaterpädagogin Barbara Frey. Jedes Jahr tourt die politische Schauspieltruppe für zwei Wochen durch Deutschland. Besetzung und Stück wechseln von Jahr zu Jahr.

Initiator ist die Buko-Pharma-Kampagne. Sie wurde im Jahr 1981 mit dem Ziel gegründet, die Aktivitäten der deutschen Pharmaindustrie in der Dritten Welt zu untersuchen. Und auch darauf spielt die Gruppe in „Lisa im Wunderland“ an. „Du nutzt schwache Arzneikontrollen in armen Ländern, um deine Produkte an den Mann zu bringen“, wirft Lisa einem der Pharma-Wölfe vor. ai



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