BAYREUTH. Wer war Michael Krause? Der 53-jährige Mann schoss am 25. Mai 2008 auf zwei Bayreuther Polizisten. Ein Beamter schoss zurück, mit sechs Polizeikugeln im Körper tötete Krause sich selbst. Mit seinem Tod schickte er die Polizei auf eine explosive Schnitzeljagd. In Erdbunkern im Wald hatte Krause selbst gebastelte Bomben versteckt.
War Krause tatsächlich ein verrückter Waffennarr, der in seiner selbst geschaffenen Welt lebte? Einer der sich auf einen dritten Weltkrieg vorbereitete oder auf eine Invasion aus dem All?
Oder war er ein gemeingefährlicher Krimineller, der seine hochprofessionell hergestellten und mit großer Sorgfalt versteckten Sprengsätze tatsächlich einsetzen wollte? Für
die zweite Version hat die Bayreuther Kripo keine konkreten Hinweise, ebenso keine Erkenntnisse für politische Motive oder einen terroristischen Hintergrund des Bombenbastlers, wie
Polizeivizepräsident Wolfgang Sommer bei der Pressekonferenz zu dem „höchst ungewöhnlichen Fall“ des Krause betonte. Allerdings schränkte Sommer ein: „Wir
wissen über die Biografie des Mannes so wenig, dass Fragen offen bleiben.“
Was nicht nur die Ermittler der Bayreuther Kripo und die in den Fall eingebundenen Experten des Landeskriminalamtes unbedingt gerne wissen würden: Woher hatte der gelernte Betonbauer das
technische Wissen zum Bombenbau und wo war seine Bombenwerkstatt? Krause hatte keine militärische Ausbildung in dieser Richtung. Alle in dem Fall eingebundenen Experten sagen: Für den Bau
der aufgefundenen Sprengsätze braucht es Präzisionsmaschinen, wie etwa eine Drehbank.
Nach dem spektakulären Schusswechsel in der Bindlacher Allee – Krause hatte einen der Streifenbeamten mit seiner plötzlich gezückten Pistole schwer verletzt – fanden die
Ermittler der Kripo im Gepäck des Wohnsitzlosen Schwarzpulver, einen selbst gebauten Schussapparat und 38 handgezeichnete Landkarten, die die Lage von Erddepots in Waldstücken
bezeichneten. Auf der Rückseite dieser verschlüsselten Handskizzen waren Inhaltsverzeichnisse zu den Depots: In den Listen waren Gegenstände vermerkt, die bei der Kripo die
Alarmglocken schrillen ließen: Handgranaten, Sprengstoff, Bomben, Zünder und Schusswaffen.
Wo sollte man suchen? Auf den Karten Krauses waren Zahlenkolonnen, die ganz offensichtlich einen Code darstellten. Die Karten wurden Dechiffrierungsexperten des Landeskriminalamtes unter die Lupe
genommen – zunächst ohne Erfolg, die Dr. Ralf Gugisch, Mathematiker beim Landeskriminalamt sagte: Die Methode hinter den Zahlencodes sei nicht zu knacken gewesen. Erst ein Zufall und der
Umstand, dass die Polizei die Karten in ein internes Informationssystem stellte, brachte den Durchbruch: Ein mittelfränkischer Streifenpolizist erkannte eine Karte als das Gebiet, in dem er
täglich seinen Hund ausführt. Das erste Depot war gefunden, die Methode hinter den Zahlencodes geknackt. Mit Hilfe von Satellitenaufnahmen ortete die Polizei die fraglichen Stellen in
Wäldern in Nordbayern, in Sachsen, Thüringen, Brandenburg. Drei Depots befanden sich in Österreich. Experten des technischen Sondergruppe (TSG) des Landeskriminalamtes – dort
tun zwölf Bombenentschärfer Dienst – öffneten ein Depot ums andere. Wie Kriminaloberkommissar Thorben Zwiener von der TSG erläuterte, erfolgte das Ausheben des Depots
unter größten Sicherheitsvorkehrungen: Die aus verschraubten Rohren, aus Feuerlöscherbehältern oder Gasflaschen hergestellten Bomben waren zum Teil mit selbst gemischtem
Sprengstoff befüllt und in allen Fällen funktionsfähig und mit verheerender Wirkung.
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