BAYREUTH. Die Sommerferien bedeuten immer Hochbetrieb für die Stundenplaner an den Schulen, an den Gymnasien insbesondere. In diesen Sommerferien allerdings ist alles anders: zwei Oberstufen sind mit einer Vielzahl an Kursen und Angeboten unter einen Hut zu bringen. Der Doppeljahrgang rüstet sich fürs Doppel-Abi-Jahr. Kein leichtes Unterfangen, wie der Direktor des größten Bayreuther Gymnasiums, des Graf-Münster-Gymnasiums (GMG), Thomas Freiman, berichtet.
„Wir sehen einem spannenden Jahr entgegen“, sagt Freiman. „Die Situation ist nicht einfach, weil durch den Doppeljahrgang eine starke Belastung auf uns zukommt. Wie schwierig es
ist, die Stunden zu verteilen, zeigt allein der Blick auf 250 verschiedene Unterrichtsgruppen alleine in der Oberstufe.“ Das Thema, das alle Gymnasien in Bayreuth und Umgebung betrifft, hat
am GMG, das in diesem Jahr erstmals die magische Schwelle von 1500 Schülern überschritten hat, noch einmal eine besondere Qualität: „Wir haben rund 450 Schüler in den drei
Jahrgängen der Oberstufe“, sagt Freiman im Gespräch mit dem KURIER.
Das bedeutet für Schüler und Lehrer verstärkten Nachmittagsunterricht, für Schüler teilweise bis zu neun Stunden Unterricht am Tag, „je nach dem, welche Kurse sie
sich ausgesucht haben“. Parallel dazu laufen in der neuen Oberstufe, die nicht mehr Oberstufe, sondern Qualifikationsphase heißen wird – also in Q 11, der neuen elften Klasse
– die „W- und P-Fächer an. Das ist das Wissenschaftliche Seminar, das das Äquivalent zur Facharbeit wird. Im P-Seminar arbeiten Gruppen von etwa 15 Schülern an einem
Projekt. Dabei wird auch mit außerschulischen Institutionen zusammengearbeitet“, sagt Freiman. Um mit der neuen Situation themengerecht umgehen zu können, wurde am GMG zum Beispiel
die Projektgruppe Beruf und Schule (BUS) aus der Taufe gehoben, um Lehrer als qualifizierte Ansprechpartner für die Schüler in den jeweiligen Themenbereichen zu haben. „Das ist
unsere Spezialtruppe, bei der die Schüler dann zusammengefasst werden“, sagt Freiman.
Für die Kollegstufenbetreuer bedeuteten die kommenden beiden Jahre Schwerstarbeit: „Es sind ja nicht nur die 450 Leute, sondern die beiden Systeme, von denen eins ausläuft und eines
neu eingeführt wird“, sagt Freiman. Nicht minder spannend wird es für die Schüler des Auslaufmodells G 9, des neunstufigen Gymnasiums, das mit dem kommenden Schuljahr und dem
Abitur des Doppeljahrgangs endgültig auch in Bayern Geschichte sein wird, denn: Durchfallen wird zum Drahtseilakt mit nur bedingtem Netz oder doppeltem Boden.
Sonderregelung im Einzelfall
Es gebe da eine noch nicht ganz endgültige Anweisung des Kultusministeriums, sagt Freiman, die zum Beispiel die Möglichkeit aufzeige, dass ein Schüler aus der alten K 12 in die neue
Q 11 zurücktrete, wenn er im ersten Halbjahr des neuen Schuljahres ins Wanken gerate. Genauso bestehe die Möglichkeit für ihn in die zehnte Klasse zu wechseln. Wer erst im Abi
scheitere, für den gebe es – auch das einmalig in der Schulgeschichte bislang – einen Nachtermin im September 2011, aber auch dieser Unglücksrabe, der das Abi vergeigt,
müsste erst einmal ein paar Wochen noch in der zehnten Klasse beschult werden. „Außerdem können durch den Ministerialbeauftragten Sonderregelungen im Einzelfall getroffen
werden“, sagt Freiman. Mit Blick nach vorne hofft Freiman, wie wohl alle seiner Kollegen an den Gymnasien, auf die Entspannung nach 2011 – und dann „theoretisch frei werdenden
Kapazitäten von allein bei uns rund 220 Lehrerstunden“.
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