15.07.2009, 14:00 Uhr
BAYREUTH. Klar, Escort ist heute eine Form von Prostitution“, sagt die selbständige Unternehmerin Vanessa Eden (30) selbstbewusst. „Ein Bordell wäre aber für mich nie in Frage gekommen.“
"Wenn sie in der Zeitung die Anzeigen 'Seriöse Begleitagentur sucht aufgeschlossene Damen…hohe Verdienstmöglichkeiten` dann ist hier die Rede von Paysex im Hotel – und hat nichts mit Escort zu tun.“ Die Bayreutherin wandte sich im Alter von 23 Jahren selbst an eine Agentur.
Nach einer Frisörlehre in Bayreuth hatte sie bei einem anschließenden Ausflug ins Gastronomiegewerbe in der Schweiz eine Frau kennengelernt, die sie beeindruckte: „28 Jahre, gut gekleidet und eine tolle Ausstrahlung.“ Als sie erfuhr, was ihre neue Bekannte beruflich machte, sei es für sie kein Stück negativ gewesen – im Gegenteil: es war der Startschuss in ihren eigenen beruflichen Neustart.
Vom Paysex in Hotels zur selbständigen Unternehmerin, die sich aussucht, was sie macht und was nicht, war es kein leichter Schritt. „Ich hatte Kunden, die mir gesagt haben, dass ich in schlechten Händen bin und die mir geholfen haben mich im Internet zu positionieren. Das war der erste Schritt.“ Über das Internet wurden dann auch die Privatsender auf sie aufmerksam. Auftritte bei unter anderem Oliver Geissen (...mehr) und bei RTL Extra folgten. Aber auch der Bayerische Rundfunk fragte sie an und Vanessa Eden unterhielt sich mit Erwin Pelzig. „Ich habe Pro und Contra abgewogen, aber für meine Pläne war das die richtige Entscheidung.“ Für „ihre Pläne“ habe sie auch die negativen Seiten in Kauf genommen – Gerede, abwertendes Verhalten, Berührungsängste.
„Einige versuchen immer noch das Thema totzuschweigen. Ich finde das schwierig bei 400.000 Prostituierten und 1,2 Millionen Mal Paysex täglich“, gibt Vanessa Eden zu Bedenken. Nicht nur für den Umgang im Geschäft, sondern auch für die Umwelt müsse man einen gefestigten Charakter haben. „Ich würde einer Frau, die Kinder hat oder die im Berufsleben steht, niemals empfehlen sich zu outen“, warnt die 30-Jährige. „Ich bin froh, dass meine Familie hinter mir steht. Klar haben sie Angst, man könne abrutschen, Drogen nehmen etc.; aber sie wollen nur, dass es mir gut geht.“
Vanessa Eden hat es geschafft: heute entscheidet sie, wie ihr Tag aussieht, es gibt eine Mindestbuchungsdauer und ein stabiles hohes Preisniveau und nur um die drei Treffen im Monat – ohne eine Agentur im Hintergrund. Zusätzlich bietet nun auch ein Escort-Coaching an: „Der Zuspruch ist groß und es gibt viele Fragen – gerade nach den TV-Sendungen haben mich viele Frauen, um Rat gefragt. Ende des Jahres wird deshalb mein erstes Buch, an dem ich gerade schreibe, auf den Markt kommen.“ Vom Verhalten gegenüber den Kunden, No-Go’s und privaten Anekdoten wird ihr erstes Buch handeln, aber auch wichtige Rahmenbedingungen, wie Buchhaltung und die Gewerbeanmeldung. Nach ihren Fernsehauftritten klickten nicht nur die Bayreuther verstärkt auf ihre Website. Neugierde ist also da – der Mut zu fragen fehlt aber oft. Trotzdem wird sie oft angesprochen, „ob sie diejenige aus dem Fernsehen sei“. Eden: „Die Ansprechenden sind immer freundlich, Kritik kommt eher subtil.“
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