BAYREUTH. Das war’s dann für dieses Jahr: Mit dem Schlussvorhang nach dem dritten Aufzug von „Tristan und Isolde“ sind am Freitagabend die 98. Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele zu Ende gegangen – die ersten unter der Leitung von Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner.
Das war`s: Nur noch die Türsteherinnen - und ein einzelner Festspielbesucher - mochten sich am Freitag nach dem Schlussvorhang nicht trennen. Fotos: Kolb
Um 22.10 Uhr war Schluss. Mit einem Wink brachte Maestro Peter Schneider das Festspielorchester nach einem hochemotionalen „Liebestod“ zum Schweigen, als ein einzelnes, gellendes
„Buh“ aufmerksamkeitsheischend in die berückte Ergriffenheit plärrt. Fassungslosigkeit auf der Seitenbühne: „Ich glaube manchmal, man müsste das Publikum
auswechseln“, tönt es von irgendwoher aus dem Dunkel. Dann eilen die Inspizienten auf die Bühne, um die Sänger gemäß der Applausordnung vor den Vorhang zu
dirigieren. Öffnen wird sich der Vorhang fürs Erste nicht mehr – der Abbau hat bereits begonnen. Aus dem Dunkel tauchen Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner auf, um jedem
Sänger persönlich zu danken. „Tristan“ Robert Dean Smith zieht sich Schuhe an.
Das große Aufräumen beginnt
Nach zehn Minuten applaudieren im Zuschauerraum nur noch die Türsteherinnen. Das übrige Publikum quält sich in einer Autoschlange den Hügel hinab. Jetzt, das ist in Bayreuth ein
Naturgesetz, wird es sehr schnell sehr ruhig werden – im Festspielhaus und in der Stadt. Das große Aufräumen beginnt teils noch in der Nacht.
Die Mitwirkenden – ob künstlerisch, aus der Technik, der Verwaltung oder den Werkstätten – können auf eine Saison zurückblicken, die zwar keine großen, doch
allerhand kleine Überraschungen parat hatte. Die wirklich schweren Turbulenzen, die einige kritische Geister heraufbeschworen hatten, sind ausgeblieben.
Keine Skandale
Es war eine Saison ohne Sturmschäden und überflutete Keller wie 2007, ohne Regieskandale und Skandalregisseure wie zuletzt 2004, sogar fast ganz ohne den sonst obligatorischen und stets
öffentlich ausgetragenen Familienzwist im Hause Wagner. Allerdings auch ohne gefeierte oder wenigstens diskussionswürdige Neuinszenierung wie im vergangenen Jahr.
Und – zum ersten Mal – mit einer ernsthaften Gefährdung der Premiere: die Bühnenarbeiter drohten mit Streik – der durch einen Tarifabschluss in allerletzter Sekunde
abgewendet werden konnte. Der sich, wie es aussieht, schon bald in einer Erhöhung der Kartenpreise niederschlagen wird.
Kinderoper und neue Uniformen
Natürlich gab es auch erfreulichere Premieren: Etwa die der ersten Kinderoper auf dem Grünen Hügel. Jeweils drei Stunden vor Aufführungsbeginn fanden – gleichfalls eine
Premiere – im Chorsaal inszenierungsbezogene Einführungsvorträge statt. Und auch was den äußeren Anstrich betrifft, blieb nicht alles beim Alten – allein bei den
„Blauen Mädchen“, die mit neuen Uniformen ausgestattet wurden.
Im nächsten Jahr, so viel steht fest, soll es einen neuen „Lohengrin“ geben. Für alles Weitere gilt – neben dem Wagner’schen Imperativ „Kinder, schafft
Neues!“ – vor allem ein anderer Vers. Von Bert Brecht. Der lautet: Der Vorhang zu und alle Fragen offen.
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