BAYREUTH. Wie tief steckt die Uni Bayreuth im bundesweiten Korruptions-sumpf um gekaufte Doktortitel? Eine Antwort auf diese Frage gab es gestern nicht – weder von der Staatsanwaltschaft Köln noch vom Wissenschaftsministerium. Auch die Hochschule selbst konnte nicht zur Aufklärung beitragen und Stellung zu den Vorwürfen nehmen.
In seiner aktuellen Ausgabe berichtet das Nachrichtenmagazin „Focus“ unter Berufung auf Kölner Korruptionsermittler vom Verdacht, rund 100 Professoren an verschiedenen Hochschulen
Deutschlands sollen Bestechungsgeld eines Beratungsinstituts entgegengenommen haben. Auf diese Weise sollen Doktorandenstellen an ungeeignete Kandidaten vergeben worden sein. Im Visier der
Ermittler soll auch die Universität Bayreuth stehen.
Dies wollte Oberstaatsanwalt Günther Feld in Köln gestern auf KURIER-Anfrage „weder bestätigen noch dementieren“. „Wir sagen grundsätzlich nichts zu einzelnen
Städten oder Hochschulen“, so Feld. Er wies darauf hin, dass sich der Verdacht in erster Linie gegen Privatdozenten und sogenannte außerplanmäßige Professoren richte,
die mit dem inzwischen insolventen Institut für Wissenschaftsberatung in Bergisch Gladbach in Verbindung standen. „Nicht jeder Kontakt muss kriminell gewesen sein“, so Feld.
Für den Fall, dass kein strafrechtliches Vergehen festgestellt werde, würde das Verfahren eingestellt.
Bereits am Samstag hatte die Universität Bayreuth angekündigt, die Hochschulleitung werde am Montag Kontakt zur Staatsanwaltschaft Köln aufnehmen, um genauere Informationen zu
bekommen. Dieser Versuch ist gestern gescheitert. Bis zum frühen Abend lag der Uni nach Aussage ihres Sprechers keine Antwort des zuständigen Staatsanwalts vor. Zum Schutz vertraulicher
Daten und um eine Verwechslung auszuschließen, habe der Sachbearbeiter dem Unikanzler Dr. Ekkehard Beck am Telefon zunächst keine Auskunft geben wollen. Beck kam stattdessen der
Aufforderung nach, seine Anfrage per Fax nach Köln zu schicken.
Mit der Antwort der Staatsanwaltschaft aus Köln sollte die Uni spätestens heute Klarheit haben, ob tatsächlich gegen Bayreuther Hochschullehrer wegen des Verdachts der Korruption
ermittelt wird. Wie Oberstaatsanwalt Feld dem KURIER sagte, würden – im Zuge sogenannter Amtshilfe – in diesem Fall auch die Namen der Beschuldigten weitergegeben. Die
Hochschulleitung kommt heute um 9 Uhr zu einer Sitzung zusammen.
Im bayerischen Wissenschaftsministerium wollte man gestern keine Stellungnahme zum Bestechungsskandal abgeben. Eine Sprecherin sagte, das Ministerium stehe in engem Kontakt mit den Hochschulen.
Für heute ist eine Erklärung angekündigt. Neben Bayreuth war unter anderem auch Ingolstadt in der Liste der betroffenen Hochschulen genannt.
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